Nach Stress um Wegfall der Förderung: Ruhrhochdeutsch geht‘s so gut wie nie

mlzKabarett-Festival

Ruhrhochdeutsch geht in das elfte Jahr. Das Kabarett-Festival in Dortmund läuft so gut wie nie. Dabei war mal Knatsch. Das ist aus der Diskussion über die Finanzierung des Festivals geworden.

Dortmund

, 23.01.2020, 15:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bald ist wieder Ruhrhochdeutsch-Saison: Am 1. Februar (Samstag) beginnt der Vorverkauf für das viermonatige Festival mit Kabarett, Comedy und Musik im Spiegelzelt an der B1. Vom 17. Juni bis zum 11. Oktober stehen 150 Künstler an 117 Terminen auf der Bühne.

Lokale Größen wie Fritz Eckenga, Bruno Knust oder Fred Ape, Ruhrgebiets- Heroen wie Frank Goosen oder Kai Magnus Sting, bekannte Fernsehgesichter wie Urban Priol oder Sebastian Puffpaff, dazu aufstrebende Künstlerinnen wie Carmela de Feo oder Daphne de Luxe – diese Namen und noch viele mehr stehen im Programm.

Veranstalter: „Eines der anerkanntesten Festivals im deutschsprachigen Raum“

Fünf Monate vor der ersten Veranstaltung im historischen Zelt sitzt Veranstalter Horst Hanke-Lindemann vom Theater Fletch Bizzel in einem Konferenzsaal des Sponsors Sparkasse. Mit am Tisch sind weitere Unterstützer des Festivals wie Dogewo 21, Brinkhoff‘s und das Kulturbüro.

Es herrscht die einhellige Überzeugung, dass alle hier für eine richtige Sache arbeiten. „Es ist eines der anerkanntesten Kabarett-Festivals im deutschsprachigen Raum. Es besitzt eine große Strahlkraft für Dortmund“, sagt Horst Hanke-Lindemann.

Vor zwei Jahren gab es „Stress“ wegen der Festival-Finanzierung

Es ist noch nicht lange her, da war der Gesprächston beim Thema Ruhrhochdeutsch weniger freundlich. In den Jahren 2016/2017 ging es um die Streichung der direkten finanziellen Unterstützung des Festivals durch die Stadt Dortmund.

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Mehr als eine Million Euro floss seit dem ersten Festival 2010 direkt in die Organisation von Ruhrhochdeutsch. Per politischem Beschluss wurde das bis 2020 schrittweise zurückgefahren.

Horst Hanke-Lindemann hatte das Ende des Zuschusses damals kritisiert. Das hatte wiederum in der Dortmunder Kulturszene eine Grundsatzdebatte darüber losgetreten, wie viel öffentliches Geld in kommerzielle Veranstaltungen fließen soll. Mehrere andere Akteure der „Freien Szene“ fühlten sich benachteiligt.

Hanke-Lindemann: „Darüber kann ich heute lachen“

„Über den Stress in dieser Zeit kann ich heute lachen“, sagt Horst Hanke-Lindemann im Januar 2020. Er sieht die Unterstützung für das in der Organisation mehr als eine Million Euro teure Festival auch in den nächsten Jahren gesichert.

Im vergangenen Jahr wurden die Eintrittspreise um zehn Prozent erhöht. Das glich einen Teil der weggefallenen Förderung aus. Laut Veranstalter habe es keine negativen Reaktionen gegeben. Im Gegenteil: Die Auslastung der Veranstaltungen mit bis zu 400 Besuchern lag bei guten 87 Prozent. 2019 kamen mehr als 41.000 Zuschauer ins Spiegelzelt.

Ticketpreise bleiben unverändert

In diesem Jahr bleiben die Ticketpreise unverändert und liegen zwischen 22 Euro und 49 Euro bei den Shows mit Mehr-Gänge-Menü.

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Zudem profitiert Ruhrhochdeutsch weiterhin von städtischer Kulturförderung. Als Teil der „Freien Szene“ erhält das Fletch Bizzel einen Teil der insgesamt 764.267 Euro Fördergeld. Der Gesamtbetrag wurde 2020 per Ratsbeschluss erhöht und wächst bis 2021 auf 1,2 Millionen Euro an. Zuletzt hatte das Fletch Bizzel als eines der größten elf Dortmunder Kulturzentren rund 250.000 Euro erhalten.

„Wir können damit jonglieren“, sagt Horst Hanke-Lindemann. Aus dem Theater an der Humboldtstraße heraus werden außer dem regulären Programm und Ruhrhochdeutsch auch noch der Geierabend und die Show „Der Trainer muss weg“ entwickelt.

Die „Schweinearbeit“ lohnt sich

Außerdem wurde laut Hanke-Lindemann mit der aufgestockten Förderung auch das Gehalt der Angestellten angepasst, die in der Freien Szene oft in prekären Verhältnissen arbeiten.

Die Jonglage gehört zum Kulturgeschäft. Es ist Horst Hanke-Lindemann und den anderen den Einsatz wert. „Es ist eine Schweinearbeit, macht aber auch so viel Spaß. Es ist wie Sommerurlaub mit Camping an der B1.“

Programm und Tickets

  • Tickets für alle Veranstaltungen gibt es ab dem 1. Februar unter www.ruhrhochdeutsch.de
  • Eröffnet wird Ruhrhochdeutsch mit einer Benefiz-Veranstaltung zugunsten des Vereins Halte-Stelle am 17. Juni.
  • Jeden Montag gibt es Pommes, Currywurst und ein Getränk mit Kabarett für 22 Euro.
  • Immer dienstags tritt das Spiegelzelt-Ensemble mit „Kuballa anne Bude“ auf (5-Gänge-Menü für 49 Euro).
  • Erstmalig beim Festival dabei sind in diesem Jahr unter anderem Frieda Braun, Daphne de Luxe, Tutty Tran, Michael Feindler, Tino Bomelino.
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