Kabel-Diebstahl im S-Bahn-Tunnel hat „besondere Dimension“

mlzBundespolizei ermittelt

Der Kabel-Diebstahl in einem S-Bahn-Tunnel blieb für den Bahnverkehr nicht ohne Folgen. Reisende waren aber nicht in Gefahr. Das Vorgehen der Täter verblüfft sogar die Bundespolizei.

Somborn, Lütgendortmund

, 26.05.2020, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was Kabel-Diebstähle betrifft, kann die Bundespolizei so schnell nichts mehr erschüttern. „Wir haben regelmäßig damit zu tun“, sagt Pressesprecher Achim Berkenkötter. Der Vorfall, der sich zwischen dem 11. und 14. Mai 2020 im S-Bahn-Tunnel auf der Strecke Dortmund – Unna-Königsborn erreignete, habe aber schon eine besondere Dimension, räumt Achim Berkenkötter ein.

Auf dem Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Somborn und Lütgendortmund stahlen bislang unbekannte Täter auf einer Länge von 1,3 Kilometern diverse Kupfer-Kabel aus dem Bereich der Leit- und Sicherungstechnik. Der Sachschaden wird auf 30.000 Euro geschätzt. Die Bundespolizei geht davon aus, dass hier mehrere professionelle Täter mit speziellem Werkzeug zusammengearbeitet haben.

Auch für die Deutsche Bahn ist diese Tat längst kein Einzelfall. „Durch den sogenannten Buntmetall-Diebstahl entsteht der Bahn jedes Jahr ein Millionenschaden, und es kommt zusätzlich zu vermeidbaren Verspätungen oder gar Ausfällen unserer Züge. Dies ist nicht nur für die Bahn, sondern auch für unsere Kunden sehr ärgerlich“, so ein Bahnsprecher auf Anfrage.

Drei Züge hatten wegen des Kabel-Klaus circa 30 Minuten verspäten

Genauso blieb der Kabel-Klau im Dortmunder Westen, der Bahn-Mitarbeitern bei einer Routinekontrolle auffiel, nicht ohne Folgen. „Am 14. Mai kam es im Zusammenhang mit dem Diebstahl zwischen 5.08 und 6.26 Uhr zu Störungen an Weichen und Signalen, die den S-Bahn-Verkehr behinderten und zu Verspätungen und Teilausfällen führten. Insgesamt waren drei Züge mit circa 30 Minuten Verspätung betroffen“, so der Bahnsprecher. Die Techniker hätten den Schaden aber längst behoben. Der S-Bahn-Verkehr laufe wieder störungsfrei.

Abgesehen von den Verspätungen habe der Vorfall die Reisenden nicht weiter beeinträchtigt. „Es gilt ,safety first‘. Es gibt grundsätzlich technische Sicherheits- und Rückfallebenen bei der Bahn, sodass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Reisenden bestanden hat“, betont der Bahn-Sprecher. Aufgrund der regelmäßigen Überwachung durch die Stellwerkstechnik und durch die Beobachtungen der Lokführer blieben Störungen oder das Fehlen von Kabeln im Bereich der sogenannten Leit- und Sicherungstechnik nie unbemerkt.

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Von den Kabel- beziehungsweise Kupferdieben fehlt jede Spur. „Die DB Sicherheit ist hier gemeinsam mit der Bundespolizei aktiv, um solche Diebstähle zu verhindern beziehungsweise die Täter zu ergreifen“, so der Bahnsprecher. Mehr wolle er dazu „aus sicherheitstaktischen Gründen“ nicht sagen.

Bundespolizei verteilt Flyer an Anwohner

Die Bundespolizei geht davon aus, dass die Täter zum Abtransport der Kabel einen Notausgang des Bahnschachts auf Höhe des Lütgendortmunder Hellwegs 187 genutzt haben. Zeitaufwand und Logistik des Tathergangs seien aufwendig gewesen, so der Polizeisprecher. „In den nächsten Tagen werden wir Flyer mit einigen Fragen an die Anwohner verteilen“, so Achim Berkenkötter. Vielleicht hat ja jemand einen Transporter oder ein Baustellenfahrzeug gesehen.

Zeugen können sich darüber hinaus jederzeit unter Tel. 0800 6888 000 (gebührenfrei) bei der Bundespolizei und bei jeder anderen Polizei-Dienststelle melden.

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