Kängurus leben seit Jahren in einem Freigehege in Brechten

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Namen haben sie nicht, aber ein riesiges Gelände zum Hüpfen. Eines dieser Kängurus zerriss einem Polizisten mal die Hose, ein anderes wurde von einem Fuchs gerissen. Nun büxten zwei Tiere aus.

Brechten

, 17.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verwunderung war groß, als Tim Ziemann am Mittwochmorgen (17.6.) aus dem Radio erfuhr, dass ein Känguru in Brechten gesichtet wurde. Ein Zeitungszusteller hatte das Tier an der Wittichstraße entdeckt und sich ans Dortmunder Lokalradio gewandt.

„Als ich das hörte, bin ich nach draußen gegangen und habe bemerkt, dass in der Nacht ein Stück des Zauns vom Gehege kaputt gegangen war“, sagte Ziemann. Er hält seit fast zehn Jahren acht Wallabys, das sind kleine Arten der Känguru-Familie, in einem Freigehege auf seinem Grundstück. Zwei Tiere waren am Mittwoch nicht mehr da.

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Beim Durchzählen der Tiere fiel dem Züchter auf, dass zwei fehlten. Zwischen 80 und 90 Zentimeter groß und 12 bis 14 Jahre alt werden die Wallabys.

In dem Waldstück hinter dem anderthalb Hektar großen Gehege, das von der Wittichstraße und einem Nachbargelände eingegrenzt wird, entdeckte Ziemann dann am Mittwochnachmittag eines der ausgebüxten Kängurus. Mit Brot bewaffnet, versuchte der 42-Jährige das Männchen wieder in das Gehege zu locken – mit Erfolg.

Das andere Känguru sichtete Ziemann später am Mittwoch in Vorgärten in der Nähe der Straße In den Hüchten. „Ich habe es versucht zu verfolgen, aber aus den Augen verloren“, sagte der Besitzer.

Mit einer Lebendfalle soll das zweite Tier gefangen werden, weit kommen könne es aber nicht. Das Gebiet sei laut Ziemann durch den Grävingholz und die Brechtener Heide begrenzt und auf die anliegende Autobahn 2 sei es schwierig zu kommen.

Tim Ziemann im Känguru-Gehege auf seinem Grundstück. Im Wald dahinter hatte sich das wiedergefundene Känguru versteckt.

Tim Ziemann im Känguru-Gehege auf seinem Grundstück. Im Wald dahinter hatte sich das wiedergefundene Känguru versteckt. © Tobias Larisch

„Von den Tieren geht keine Gefahr aus, aber Hunde könnten das Tier aufschrecken oder auf es zustürmen“, sagte Ziemann. Deswegen sollten Hundebesitzer ihre Tiere in der Gegend lieber anleinen. Polizei und Feuerwehr könnten beim Fangen wenig ausrichten.

„Ich habe zur Sicherheit schon vier, fünf Nummern von Polizisten eingespeichert“, sagte Ziemann. Mehrere Male hätten Personen die Polizei angerufen, als sie ein Känguru gesehen hatten, denn vor zwei Jahren war bereits ein weißes Känguru ausgebrochen, das einem Polizisten beim Fangversuch die Hose zerriss.

Mit fünf Kängurus startete Ziemann seine Zucht. Da mehrere Tiere Junge trugen, verdoppelte sich die Anzahl fast. Aktuell tragen auch zwei Weibchen Nachwuchs in ihrem Beutel. Ein Wallaby wurde mal von einem Fuchs, der über den Zaun ins Gehege gesprungen war, gerissen.

Aber wie kam Ziemann eigentlich auf die Idee, Kängurus zu halten? „Als wir 2007 das Grundstück kauften, haben wir auch das Feld dahinter von der Stadt gekauft“, sagte er. „Da habe ich mich gefragt: Was mache ich damit?“ Über einen befreundeten Känguru-Züchter in Holland sei er auf die Idee gekommen.

Seitdem gilt in Brechten: Aufpassen! „Kangaroo Crossing!“

Kangaroo Crossing! In Brechten ist mit Kängurus zu rechnen. Ein ausgebüxtes Männchen streifte am Mittwochabend noch durch den Stadtteil.

Kangaroo Crossing! In Brechten ist mit Kängurus zu rechnen. Ein ausgebüxtes Männchen streifte am Mittwochabend noch durch den Stadtteil. © Martin Klose (Grafik)

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