Kampf der Computersysteme: Dortmunder macht alte PCs wieder flott

mlzTechnik

Der „Computer-Künstler“ Daniel Schlep rettet alte Computer. Uns hat er erklärt, wie Dortmunder ihre alten Rechner auch im nächsten Jahr noch nutzen können.

Aplerbeck

, 03.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andrea Hausmann ist frustriert. Die 64-Jährige steht auf Kriegsfuß mit ihrem Rechner. Das Notebook ist bald 10 Jahre alt und will nicht mehr so wie es soll. Es dauert gefühlt Stunden, bis sich die Seiten aufbauen, es hakt an allen Ecken und Enden.

Für Andrea Hausmann ein Grund, sich gedanklich von dem Gerät zu verabschieden. Das hat sie zwar noch durch ihr Seniorenstudium gebracht, aber jetzt soll er für immer heruntergefahren werden. Die Aplerbeckerin braucht einen funktionstüchtigen Rechner, um die täglichen Mails zu bearbeiten und zum Zeichnen.

„Ich habe mir schon einen Apple-Computer ausgeguckt, dann bin ich aber auf das Projekt von Daniel Schlep gestoßen und habe mich entschieden, es mal zu versuchen“, sagt Andrea Hausmann.

Gegen kommerzielle Betriebssysteme

Daniel Schlep – ein Revoluzzer in der Computerbranche. Gewissermaßen hat er den kommerziellen Betriebssystemen den Krieg erklärt. Windows beispielsweise. Im Falle von Andrea Hausmann ist es Windows 7. Der Softwareentwickler Microsoft stellt zum 14. Januar 2020 den erweiterten Support für sein Betriebssystem Windows 7 ein: Es gibt keine Sicherheits-Updates, Aktualisierungen und technischen Support mehr.

Freie Software ist kostenlos

Ein No-Go, für Schlep. „Wir machen uns von diesen Systemen abhängig“, sagt Daniel Schlep. „Und Firmen wie Microsoft nutzen das aus, weil die Nutzer ihr Betriebssystem immer wieder erneuern müssen.“ Und je älter so ein System wird, desto langsamer wird es.

„Bevor ich mich dazu durchringen konnte, den alten Rechner wegzuschmeißen, wollte ich wissen, ob das auch nötig ist“, sagt Andrea Hausmann. Also, ein Anruf bei Daniel Schlep, der kam vorbei und brachte auf einem Stick das Betriebssystem Linux mit. Freie Software, kostenlos und für alle zugänglich.

Und mit dem Stick geschah, so würde es ein Computer-Laie sagen, das Wunder. Denn bei Andrea Hausmann ging es nicht nur um einen schnelleren Rechner, sondern auch um Datenrettung. „Es waren noch ganz viele Fotos auf dem Rechner“, so Hausmann. Das Sichern der Daten ging auf dem alten Rechner nicht mehr.

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„Mithilfe von Linux haben wir die Daten gerettet, die wir unter Windows gar nicht mehr retten konnten. Fakt war: Mit Windows 7 lief das Teil gar nicht mehr“, sagt Schlep.

Was macht Linux besser? „Es ist ganz leicht anzuwenden“, sagt Andrea Hausmann. „Es ist auf dem neuesten Stand und ist kostenlos. Der Rechner wird sicher für die nächsten 10 Jahre wieder super laufen“, sagt Schlep.

Städte und Schulen haben Interesse

Die Idee, alte Rechner wieder nutzbar zu machen, hat sich schon in der Verwaltung von Schwerte und Dortmund herumgesprochen. Auch diverse Schulen nutzen die Freie Software dank Daniel Schlep schon. Denn auch die Programmauswahl auf dem „freien Software-Markt“ kann sich sehen lassen.

Andrea Hausmann nutzte zum Zeichnen Paint von Microsoft. Jetzt geht sie ihrem Hobby mit Gimp nach.

Schlep findet, dass er mit seinem Projekt auch nachhaltig sei. Über Nachhaltigkeit sollten auch diejenigen nachdenken, die sich einen neuen Rechner anschaffen möchten. Es gebe so viele alte Rechner, die mit freier Software wieder laufen könnten.

Viel Geld gespart

Wie schwierig war die Umstellung auf Linux? „Das erklärt sich eigentlich von selbst“, sagt Andrea Hausmann. Man müsse sich zwar erst umgewöhnen aber der Rechner laufe wieder richtig schnell.

Ganz umsonst ist die Hilfe von Daniel Schlep natürlich nicht. Aber spart man wirklich? „Ja“, sagt Andrea Hausmann. Ein neuer Rechner hätte um die 1000 Euro gekostet. Das, was Daniel Schlep getan hat, kostet nur ein Bruchteil davon. Außerdem: „Ich nehme nicht das Gerät und mache es fertig, sondern ich gebe dem Nutzer Medienunterricht und er richtet sich seinen Computer selber ein“, so Schlep. Auch bei älteren PCs, wie dem von Andrea Hausmann.

Kontakt zu Daniel Schlep: Wittbräucker Straße 586 b oder unter Tel. (0178) 1 88 46 97 oder per Mail an info@danielschlep.de

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