Die drei führenden Köpfe der Wirkstoffforschung in Dortmund nehmen schon die nächsten Gefahren ins Visier: Dr. Bert Klebl (Mitte) mit Dr. Peter Nussbaumer (links) und Dr. Michael Hamacher. Sie sind Geschäftsführer des Lead Discovery Center (LDC) und managen den unabhängig agierenden Technologietransfer Fonds KHAN-I. © HARDY WELSCH
Mers-Viren

Kampf gegen nächste Pandemie beginnt schon jetzt in Dortmunder Labor

Dortmunder Wissenschaftler treiben die Forschung an einer spektakulär neuen Impf-Technologie und weiteren Medikamenten voran. Sie könnten auch zu einer Waffe gegen die nächste Pandemie werden.

Vor wenigen Tagen warnte der Virologe Christian Drosten in Interviews vor einem neuen Feind: den Mers-Viren. Drosten berät die Bundesregierung in der aktuellen Pandemie. Laut ihm haben Mers-Viren ein ähnliches Pandemie-Potential wie das Coronavirus Sars-CoV-2 und können ebenfalls tödliche Atemwegsinfektionen auslösen. Wissenschaftler im Dortmunder Technologie-Zentrum haben den Feind bereits ins Visier genommen.

In den Laboren des Wirkstoffforschungs-Unternehmens Lead Discovery Center (LDC) entstehen zur Zeit zwei neue Medikamente. „Wir werden sie brauchen! Denn mit den Corona-Impfungen ist die Sache nicht erledigt“, schließt sich Dr. Bert Klebl, LDC-Geschäftsführer, der Warnung von Drosten an.

Kampf gegen große Risiken der nächsten Jahre

In der Entwicklung sind laut Klebl zwei erfolgversprechende Wirkstoffe, die gleich mehrere Verwandte aus der gesamten Corona- und Mers-Familie angreifen. „Unsere Projekte zielen gegen die großen Risiken der nächsten Jahre. Sie dienen zur Therapie der infizierten Personen, stoppen das Virus und sorgen dafür, dass es die Organe gar nicht erst schädigen kann.“

Parallel wird aber auch die Entwicklung einer völlig neuen Impf-Technologie vorangetrieben, finanziert und gemanagt über den Dortmunder Technologietransfer-Fonds KHAN I. Er agiert unabhängig vom LDC, wird aber von dessen Geschäftsführung gemanagt.

Die Impftechnologie funktioniert über die Haut, ohne die klassische Injektion mit einer Nadel in den Muskel. Sie wird ebenfalls nicht nur das Corona-Virus bekämpfen können, sondern mit unterschiedlichen Wirkstoffen unterschiedliche Viren. Natürlich auch Mers-Viren. Und es soll ebenfalls Medikamente, z.B. gegen Krebs, zur Zelle transportieren können.

Wirkstoffe gehen direkt ins Immunsystem

Der entscheidende Vorteil gegenüber einer Impfung in den Muskel: Die Wirkstoffe docken direkt am körpereigenen Immun-System an. Daran knüpfen die Wissenschaftler die Erwartung einer schnelleren, intensiveren und hoffentlich auch längeren Wirkung.

„In der Haut ist die Dichte der Immunzellen, die in Aktion gesetzt werden müssen, wesentlich höher als in den Muskeln. Hier befinden sich auch die sogenannten Langerhans-Zellen. Diese Zellen aktivieren und koordinieren die Abwehr-Antwort des Körpers auf das Virus“, erklärt Klebl.

Der Impf-Patient wird also keinen Nadelstich bekommen, sondern wahrscheinlich ein Pflaster oder möglicherweise auch ein Gel, das auf die Haut aufgetragen wird. Darin enthalten sind die Wirkstoffe. „Sie befinden sich in kleinen Lipid-Bläschen, die man als Shuttle bezeichnen könnte, also als ein Transport-System. Aus diesem Shuttle schaut eine Art Schlüssel heraus, ein Bindungs-Molekül, das wie in ein Schloss genau an die Rezeptoren der Langerhans-Zelle passt“, erklärt der LDC-Geschäftsführer die hochinnovative Technologie. Bei erfolgreicher Bindung verschluckt die Zelle dann den gesamten Shuttle mitsamt dem Wirkstoff.

Klinische Testphase im nächsten Jahr

Ein wichtiger Meilenstein ist jetzt erreicht: Das Shuttle ist gebaut und gekoppelt! Es transportiert im Labor-Experiment die mRNA-Wirkstoffe zur Zelle, die zur Zeit die vielversprechendsten gegen das Corona-Virus sind. „Nächstes Jahr gehen wir in Richtung klinische Tests“, kündigen die Dortmunder Wissenschaftler an.

Warum geht es nicht so schnell wie bei den jetzt schon genehmigten Impfstoffen? „Ein solches Verfahren ist komplizierter zu entwickeln als ein Impfstoff und komplett neu. Da ist eine Zulassung im Schnellverfahren nicht möglich“, erläutert Klebl. „Wir müssen und wollen erst die notwendigen Meilensteine erfüllen und überzeugende und sichere Ergebnisse liefern.“

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