Nach Kampf mit brutalen Pfarrhaus-Einbrechern - so geht es Huckarder Pfarrer Ortwald heute

mlzPfarrhaus-Prozess

Auf diesen Jahrestag hätte Pfarrer Michael Ortwald von der St. Urbanus-Gemeinde Huckarde gerne verzichtet: Am 29. Juli 2018 schlugen zwei Einbrecher im Pfarrhaus brutal auf ihn ein.

Huckarde

, 29.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Tat im Sommer 2018 hatte nicht nur in Huckarde großes Entsetzen ausgelöst: Zwei brutale Einbrecher schlugen auf Pfarrer Michael Ortwald ein, nachdem er sie auf frischer Tat im Pfarrhaus der St.-Urbanus-Gemeinde ertappte. Eine Faust landete an seinem Kiefer, ein Schlag mit dem Schraubenzieher auf seinem Hinterkopf.

Nur mit Mühe und großem Glück konnte der katholische Seelsorger vor den Tätern fliehen. Auch heute, exakt ein Jahr später, sind die schrecklichen Ereignisse für den Gemeindepfarrer noch sehr präsent.

Schuld daran, dass die Erinnerungen immer wieder hochkommen, seien vor allem die zahlreichen Berichte über den Pfarrhaus-Prozess in den Medien, so Ortwald. Denn die dreiköpfige Pfarrhaus-Bande, der über 30 Einbrüche vorgeworfen werden, muss sich längst vor Gericht verantworten. „Ich bin ein regelmäßiger Zeitungsleser“, sagt Pfarrer Ortwald. „Wenn nicht berichtet wird, normalisiert sich das Leben für eine Weile.“ Generell sei er aber ein Mensch, der nicht in der Vergangenheit herumwühle, sondern sich der Gegenwart widme.

Nach Kampf mit brutalen Pfarrhaus-Einbrechern - so geht es Huckarder Pfarrer Ortwald heute

Auch ein mobiles Alarmgerät hat die Urbanus-Gemeinde nach dem Einbruch angeschafft. © Beate Dönnewald

„Bei unbekannten Geräuschen schrecke ich oft auf“

Aber dennoch: Der Einbruch und der Kampf mit den beiden Einbrechern haben Spuren entlassen. Die Beule am Kopf, die geschwollene Lippe, die blauen Flecken am Oberarm, das alles ist längst verheilt.

Doch der Schlaf sei nicht mehr so tief wie vor dem Vorfall, und er erwische sich dabei, dass er bei unbekannten Geräuschen oft hochschrecke: „Es hat sich eine gewisse Grundaufmerksamkeit eingestellt, die sich wohl nicht mehr ganz ablegen lässt“, so Michael Ortwald.

Nach Kampf mit brutalen Pfarrhaus-Einbrechern - so geht es Huckarder Pfarrer Ortwald heute

Über diese Tür am Seiteneingang verschafften sie die Täter damals gewaltsam Zugang ins Pfarrhaus. Die Sträucher wurden geschnitten, damit der Bereich besser einsehbar ist. © Beate Dönnewald

Auch bei kleinen Veränderungen, wenn etwa im Pfarrsekretariat ein Stuhl nicht an seinem gewohnten Platz steht, sei er für einen Moment irritiert. „Und wenn ich nach Hause komme, gilt mein erster Blick den Türen und Fenstern.“ Denn die Einbrecher hatten damals die seitliche Eingangstür aufgebrochen und sich so Zutritt ins Pfarrhaus verschafft. Mittlerweile ist das nicht mehr so einfach - das komplette Haus sei nun gut gesichert, so Ortwald.

Keine therapeutische Hilfe in Anspruch genommen

An seinem Gott- und Menschenvertrauen habe die Tat aber nichts geändert, betont der Leiter des Pastoralverbunds „Am Revierpark“. Das sei ungebrochen groß und für ihn auch wichtig. „Wir möchten hier im Pfarrhaus nicht allen Menschen mit Misstrauen begegnen. Wir lassen auch weiterhin jeden mit seinem Anliegen herein.“

Traumatisiert sei er definitiv nicht, betont Michael Ortwald, auch professionelle, also therapeutische Hilfe habe er nicht in Anspruch nehmen müssen. „Als Seelsorger bin ich ja selber ein Profi.“ Geholfen hätten ihm vor allem Gespräche mit guten Freunden. Auch mit zwei anderen Opfern, befreundeten Pfarrern aus Witten und Kamen, habe er sich ausgetauscht und das Geschehene verarbeitet.

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Im März begegnete der Pfarrer seinen Peinigern im Gerichtssaal

Als Pfarrer Ortwald im März 2019 als Zeuge vor Gericht aussagen musste, ist er den Tätern ein zweites Mal begegnet. „Sie haben nicht einmal Blickkontakt aufgenommen.“ Was würde er ihnen gerne sagen? „Dass sie endlich reden und Verantwortung übernehmen sollen.“ Ein „Hau drauf“ würde er als Pfarrer natürlich nicht empfinden.

Ganz leicht ist es Pfarrer Ortwald nicht gefallen, erneut öffentlich über den Pfarrhaus-Einbruch zu sprechen - aus Angst vor Nachahmern. Ausgerechnet am „Jahrestag“ las er in der Zeitung über einen weiteren Überfall auf einen Bochumer Pfarrer, den Unbekannte in seinem Haus verletzten und fesselten.

„Man muss mit Opfern sehr sensibel sein“

„Bitte schreiben Sie, dass es in Pfarrhäusern nichts zu holen gibt, dass wir hier keine Wertsachen aufbewahren“, so Pfarrer Ortwald. Und er möchte noch einen zweiten Appell loswerden: „Man muss mit Opfern sehr sensibel sein. Damit meine ich nicht mich, denn ich habe Gewalt nur marginal erlebt. Menschen, denen wirklich Gewalt angetan wurde, brauchen professionelle Hilfe und treue Freunde.“

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