Karl-Heinz Taubenberger ist Goldschmied aus Leidenschaft - und Retter der Internetkäufer

mlzHandwerk in Huckarde

50 Jahre am Werktisch, 40 Jahre Meister, 30 Jahre eigenes Geschäft: Goldschmied Karl-Heinz Taubenberger feiert 2019 gleich drei Jubiläen. Und alles begann mit 20 Mark.

Huckarde

, 27.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schmuck von der Stange? Den gibt es in der Goldschmiede-Werkstatt von Karl-Heinz Taubenberger (65) nur, wenn er repariert oder umgeändert werden muss. Denn eigentlich geht es an seinem Werktisch vor allem um eins: Schmuck nach Maß. „Ich mache alles von Hand“, erzählt er. „Kleine Hilfsmittel habe ich nur, damit es zum Beispiel für die Augen nicht mehr so anstrengend ist.“

Und ein Schritt in Taubenbergers Werkstatt ist dann auch wie ein Schritt in die Vergangenheit. Fast zumindest. Die „kleinen Hilfsmittel“ - einen Computer, eine elektrische Lupe, eine Gravier- und eine Schweißmaschine - gibt es hier schon, doch es sind die einzig modernen Gerätschaften. Werktisch, Zangen, Feilen und Sägen sowie seine Handwalze sind zum Teil schon Jahrzehnte alt.

Taubenbergers Werkstatt war früher eine Pizzeria

Der Goldschmied und Juwelenfasser hat seit 19 Jahren Geschäft und Werkstatt am Huckarder Marktplatz (Rahmer Straße 9). Es ist sein zweiter Laden, schon 1989 machte Taubenberger sich am Wilhelmplatz in Dorstfeld selbstständig und hatte so zeitweise zwei Läden. „Aber der Ortskern in Dorstfeld ist mehr oder weniger tot und die Mieten sind gestiegen, deshalb bin ich 2009 komplett nach Huckarde gegangen.“

Karl-Heinz Taubenberger ist Goldschmied aus Leidenschaft - und Retter der Internetkäufer

Karl-Heinz Taubenberger an seinem Werktisch: Hier stellt er Ringe und andere Schmuckstücke her oder bearbeitet sie. © Carolin West

Dort ist seine Werkstatt jetzt in einer ehemaligen Pizzeria neben dem Laden untergebracht. „Hier mussten wir einiges umbauen“, sagt Ehefrau Annegret Taubenberger. Doch die Mühe habe sich gelohnt: Das Geschäft und vor allem die Werkstatt laufen gut. Und inzwischen ist es ein reiner Familienbetrieb. „Als wir zwei Läden hatten, hatten wir noch Angestellte“, erklärt Karl-Heinz Taubenberger. „Bis vor Kurzem habe ich auch ausgebildet, jetzt sind es nur noch wir zwei.“

Immer mehr Internetkäufer: Die Arbeit des Goldschmieds hat sich verändert

Annegret Taubenberger steht von montags bis freitags hinter der Ladentheke. Im Geschäft selbst bieten Taubenbergers auch Schmuck verschiedener Marken an. Nur vom hangemachten Schmuck leben? Das sei heutzutage nicht mehr so leicht.

„Die ältere Generation ist zum Goldschmied gegangen, weil sie den Krieg erlebt hat und sich etwas Luxus gönnen wollte“, sagt Karl-Heinz Taubenberger. „Junge Leute kommen eher hierher, um Sachen reparieren zu lassen, die sie im Netz gekauft haben.“ Denn nicht selten kommt die Industrieware beschädigt an oder passt nicht richtig.

Trauringe kann man bei Taubenbergers selbst machen

Es gebe aber noch immer Kunden, die sich etwas anfertigen lassen - oder selbst Hand anlegen. Taubenbergers bieten Trauring-Workshops an, bei denen Paare ihre Ringe selbst schmieden können. „Ich unterstütze sie dabei“, sagt Karl-Heinz Taubenberger. „Aber es ist doch etwas Besonderes, wenn sie viel daran selbst gemacht haben.“

Manche Kunden haben ohnehin keine Chance, Schmuck von der Stange zu kaufen. „Ich hatte letztens einen Mann mit Ringgröße 76 - das gibt es so nicht.“ Vor allem lebe er allerdings von Stammkunden. Zudem übernimmt er Arbeiten von einer großen Warenhauskette und zwei Juwelieren ohne eigene Werkstatt.

Taubenberger ist Goldschmied seit er 15 war

Dass er einmal ein eigenes Geschäft und eine Werkstatt haben würde, wusste Karl-Heinz Taubenberger zu Beginn seiner Karriere noch nicht. Mit 15 Jahren begann er seine Goldschmiede-Ausbildung. „Damals mit einem Lohn von 20 Mark“, Taubenberger schmunzelt. Sein Können bewies er bei seinem Chef vor allem mit dem Zeichnen von Schmuckstücken. „Heute machen das viele mit dem Computer, aber ich skizziere lieber.“

Karl-Heinz Taubenberger ist Goldschmied aus Leidenschaft - und Retter der Internetkäufer

Entwürfe von Schmuckstücken zeichnet Karl-Heinz Taubenberger per Hand. © Carolin West

Ans Aufhören denkt der heute 65-Jährige übrigens noch lange nicht - auch, weil keiner seiner Söhne sein Geschäft übernehmen wird. Einer ist Arzt, der andere Psychotherapeut. Karl-Heinz Taubenberger möchte weitermachen, solange es geht. „Ich saß vor 50 Jahren zum ersten Mal am Werktisch und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.“

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