Karstadt bleibt – Aber über 130 Galeria-Mitarbeiter zittern weiter

mlzGaleria Karstadt Kaufhof

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln: Nach zweiwöchiger Zitterpartie haben die Karstadt-Beschäftigten erfahren, dass ihr Haus geöffnet bleibt. Ende gut, alles gut? Nicht ganz.

Dortmund

, 03.07.2020, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gerhard Löpke rang mit seinen Worten: „Ich kann das gar nicht glauben“, fasste der Karstadt-Betriebsratsvorsitzende bei einer Pressekonferenz im Rathaus die jüngsten Ereignisse zusammen. Erst vor zwei Wochen war den 250 Karstadt-Beschäftigten angekündigt worden, dass ihr Haus vor der Schließung stehe. Am Freitagmorgen (3.7.) dann plötzlich die Kehrtwende. Karstadt bleibt in Dortmund.

Die Mitarbeiter erfuhren es in einer Betriebsversammlung. „Emotionen pur“, sagt Löpke, „Man kann das gar nicht rüber bringen.“ Man habe sehr viel Unterstützung von Kunden erfahren. Das drücke sich nicht nur in mittlerweile 16.000 Unterschriften (ohne Online-Petition) aus. Sondern auch im Kaufverhalten.

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„An manchen Tagen hatten wir mehr Umsatz als an Weihnachtstagen“, sagte Löpke – und kündigte an: „Wir kämpfen weiter“.

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Was seine Mitstreiterinnen Martina Regens (Betriebsrätin Kaufhof) und Monika Scholz (Karstadt Sports) dankbar zur Kenntnis nahmen: Die rund 50 Mitarbeiter bei Sports müssen genau wie die 86 Kaufhof-Beschäftigten weiter um den Erhalt der Häuser zittern. Auch dort sind die Verhandlungen zwischen Galeria und den Immobilieneigentümern noch nicht abgeschlossen.

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„Unsere Chefs sollen ihre Arbeit machen“

OB Ullrich Sierau sprach von einem „Erfolg und einem erheblichen Fortschritt“. Zwei Häuser würden aber noch fehlen, machte der OB deutlich, dass die eilig geschmiedete Dortmunder Allianz aus Stadt, Wirtschaft, Handel und Gewerkschaften sich weiter für den Erhalt aller drei Häuser stark machen werde.

Dabei bot Sierau dem Galeria-Konzern Unterstützung an: Die Stadt werde aber nicht als Moderator in privaten Verhandlungen auftreten, so Sierau. „Das ist nicht unser Job.“

Wenn aber Fragen auftauchten, etwa zu Themen wie Öffnungszeiten oder Einzelhandelskonzept, „dann sind wir da“, formulierte Sierau. "Dafür stehen wir Tag und Nacht zur Verfügung.“

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Die Stadt sei bereit, die weitere Entwicklung der Häuser zu unterstützen. Galeria sei nun aufgefordert, ein Konzept vorzulegen. Was Monika Scholz (Karstadt Sports) etwas anders, aber mit gleichem Tenor ausdrückte: „Unsere Chefs sollten ihre Arbeit machen. Warenhäuser haben Zukunft."

Aus der Schilderung von Wirtschaftsförderer Thomas Westphal wurde deutlich: Auch die Stadt war vom drohenden Aus kalt erwischt worden. Es bedurfte zahlloser Telefonate mit allen Akteuren, um sich mangels Informationen überhaupt ein Bild von der Situation machen zu können.

"Poker auf dem Rücken der Beschäftigten"

„Wir haben versucht, bei den Verantwortlichen noch einmal den Blick auf den Standort zu schärfen“, erläuterte Westphal. Am Ende habe man zur Kenntnis nehmen müssen, dass die sonst wichtigen Parameter wie etwa Kundenfrequenz, Kaufverhalten, Bevölkerungswachstum wenig bis keine Rolle spielten für die Entscheidung. Am Ende, so Westphal, sei nur ein Kernpunkt entscheidend gewesen: das Verhältnis zwischen Mietaufwand und Umsatz.

So bleibt der Verdacht, den bereits Karstadt-Betriebsrat Löpke in den vergangenen Tagen mehrfach und ungleich deutlicher ausgedrückt hatte: „Da wird auf dem Rücken der Beschäftigten ein Poker um die Mieten ausgetragen.“ Wie lange sich dieser „Poker“ für die beiden anderen Dortmunder Häuser hinzieht, ist noch offen: Von Eigentümerseite des Sporthauses heißt es, es könne eventuell „noch Wochen dauern“. Völlig offen ist die Lage bei Kaufhof – das Gebäude liegt in Händen gleich mehrerer Eigentümer.

Verdi-Sekretär Reiner Kajewski erinnerte, dass es nicht nur um „Standorte“, sondern auch um die Beschäftigten gehe. „Da hängen Familien dran.“ Die enge Zusammenarbeit der Dortmunder Akteure sei nicht selbstverständlich, betonte Kajewski. „Das war nicht in jeder Stadt so.“

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