Karstadt-Kaufhof-Mitarbeiter in Dortmund kämpfen für Erhalt ihrer Häuser

mlzDrohendes Kaufhaus-Sterben

Die Betriebsräte geben sich kämpferisch, die Beschäftigten bei Karstadt Kaufhof sind frustriert. Gemeinsam machten sie sich am Montag in Dortmunds City für den Erhalt der Arbeitsplätze stark.

Dortmund

, 08.06.2020, 13:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lage spitzt sich zu. 80 der 172 Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof droht die Schließung und tausende Arbeitsplätze sind bei dem Warenhauskonzern gefährdet. Wie die Abbaupläne des angeschlagenen Kaufhausriesen genau aussehen, entscheidet sich in diesem Monat.

Am Montagvormittag gingen die Beschäftigten in Dortmund auf die Straße und demonstrierten auf dem Hansaplatz.

Betriebsrat berichtet von „Scheußlichkeiten“

„Wir werden nicht dastehen, wie das Kaninchen vor der Schlange und alles mitmachen, was die Unternehmensleitung will. Das haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht verdient“, sagte Gerhard Löpke, der Betriebsratvorsitzende von Karstadt Dortmund, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Während einer Betriebsversammlung hatte Löpke zuvor den rund 140 Beschäftigten der Frühschicht von „den Scheußlichkeiten“ berichtet, die die Sanierer zur Rettung von Karstadt Kaufhof zusätzlich zum Aus von 80 Standorten noch fordern.

„Sie fordern eine Verlängerung unseres seit 2004 geltenden Tarifvertrages bis 2026. Das heißt, es soll weiterhin etwa kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld geben. Und außerdem soll das Personal generell um zehn Prozent reduziert werden“, so Gerhard Löpke.

Bei Karstadt Kaufhof wirkt Corona „wie ein Brandbeschleuniger“

Seinen Kolleginnen und Kollegen konnte er zwar nur in die Augen schauen, aber trotz der Maskenpflicht war für ihn zu erahnen, wie sich die Mundwinkel verzogen. „Die Stimmung ist jetzt unterste Schublade, das ist doch klar. Corona wirkt bei uns wie ein Brandbeschleuniger“, sagt Gerhard Löpke.

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So lange viele Kunden die Kaufhäuser von Karstadt und Galeria Kaufhof nach wie vor schätzen, so lange kämpfen die Warenhausketten auch um deren Erhalt. Seit über zehn Jahren gehören Filialschließungen, Übernahmen, Sanierungsmaßnahmen und Stellenaubbau zum unternehmerischen Handeln.

„Dabei wäre die Innenstadt doch tot ohne ein Kaufhaus“, meint etwa die Kundin Angelika Zegelin. „Ich möchte nicht durch zehn andere Läden laufen, um einen Pfannenwender, Handtücher, eine bestimmte Glühbirne oder Kugelschreiber-Mine zu kaufen. Für Ältere ist dies eine Horrorvorstellung. Es ist Komfort, alles unter einem Dach zu finden“, sagt Zegelin.

Entscheidung bei Karstadt Kaufhof bis 22. Juni

Ob und in welchem Umfang es diesen Komfort künftig in Dortmund noch geben wird, soll sich spätestens am 22. Juni entscheiden. Dann soll in der Gläubigerversammlung der Insolvenzplan für Karstadt Kaufhof auf den Tisch kommen. Die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH eröffnete mitten in der Corona-Krise zum 1. April 2020 das Verfahren einer Planinsolvenz (Schutzschirmverfahren).

Auch, wenn Betriebsratvorsitzender Gerhard Löpke davon ausgeht, in dieser Woche Klarheit über die Zukunft der drei Dortmunder Häuser (Karstadt-Haupthaus, Karstadt-Sporthaus, Galeria Kaufhof) zu bekommen, ist dies doch eher unwahrscheinlich. Das Pokerspiel mit der Unternehmensleitung dürfte gerade erst begonnen haben.

„Je näher der Termin der Gläubigerversammlung rückt, umso mehr Kompromissbereitschaft erhofft man sich vielleicht in der Unternehmensleitung. Ich denke, so lange wird mit der Unsicherheit von Beschäftigten und auch von Vermietern der Gebäude gespielt“, sagt Ortwin Auner, Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Dortmund.

Er wertete es daher als starkes Zeichen, dass die Beschäftigten von Karstadt und Kaufhof am Montag gemeinsam auf den Hansaplatz gegangen sind. „Die Botschaft ist“, so Ortwin Auner, „dass man ein Erpressungsspiel nicht mitmacht und sich nicht darauf einlässt, dass am Ende der Standort überlebt, an dem die Beschäftigten am meisten verzichten.“

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