OB Ullrich Sierau (v.l.), IHK-Geschäftsführer Stefan Schreiber, Wirtschaftsförderer Thomas Westphal und Thomas Schäfer vom Handelsverband NRW nach der Pressekonferenz am Freitag (3.7.) © Stephan Schuetze
Karstadt

Karstadt-Rettung: „Da fehlen noch zwei“

Die Karstadt-Rettung in Dortmund sei auch ein Erfolg des gemeinsamen Kampfes, sagen Politik und Wirtschaft. Doch letztlich scheint etwas anderes den Ausschlag gegeben zu haben.

Ein gemeinsamer Kampf und Zusammenhalt haben dazu beigetragen, das Karstadt-Haupthaus in der Dortmunder Innenstadt zu sichern. So war zumindest der gemeinsame Tenor von Dortmunder Wirtschaft und Politik am Freitag (3.7.).

„Alle zusammen haben dafür gesorgt, dass die Sicht auf den Standort anders wird“, beschrieb Wirtschaftsförderer Thomas Westphal die Herangehensweise von Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Betriebsräten an den letztlich erfolgreichen Kampf um den Erhalt des Warenhauses.

Denn zwei Wochen nach der Ankündigung des Konzerns, dass man die Häuser Galeria Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sports in Dortmund schließen werde, ist Stand Freitag zumindest das Haupthaus in Dortmund neben fünf weiteren Standorten der Kette gesichert.

Weiterhin eine „Top-10-Einkaufsstraße“

Man habe mit gemeinsamer Stimme aufgezeigt, dass Dortmund weiterhin eine der „Top-10-Einkaufsstraßen“ habe. Es gehe darum, dem Unternehmen deutlich zu machen, dass es einen seiner besten Standorte aufgeben würde, sagte Westphal.

Das Karstadt-Haupthaus ist gerettet: Wirtschaft und Stadt betonten auf einer Pressekonferenz, dass der Kampf allerdings noch nicht vorbei sei.
Das Karstadt-Haupthaus ist gerettet: Wirtschaft und Stadt betonten auf einer Pressekonferenz, dass der Kampf allerdings noch nicht vorbei sei. © Wilco Ruhland © Wilco Ruhland

Dieser „kollektive Ansatz“ habe zumindest dafür gesorgt, dass man „eine neue Qualität in den Prozess“ bekommen habe, meinte Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Letztlich sei es aber wohl vor allem um das Verhältnis von den Miethöhen zum Umsatz gegangen, sagte Thomas Westphal. Doch „offenbar“ seien der Vermieter des Haupthauses und das Unternehmen letztlich zusammengekommen.

„Und wenn das da geht, wird das an den anderen Standorten auch möglich sein“, machte Westphal deutlich, dass die Hoffnung und der Kampf für alle drei Standorte noch nicht vorbei sei.

OB Sierau betonte, dass die Stadt zwar bei den Verhandlungen nicht mit am Tisch sitze, „aber im Geiste sind wir dabei“. Denn der Prozess sei trotz des ersten Erfolgs noch nicht zu Ende, man sei für alle drei Häuser angetreten – „das heißt, da fehlen noch zwei.“

Grüne fordern langfristige Perspektive

Auch die Dortmunder Grünen zeigen sich in einer Pressemitteilung erfreut über den Erhalt des Hauses. „Es zeigt sich, dass Kämpfen lohnt“, heißt es da von OB-Kandidatin Daniela Schneckenburger.

Gleichzeitig werfe es „ein bezeichnendes Licht auf die Strategie des Unternehmens“. Denn jetzt werde deutlich, dass es sich wohl tatsächlich um eine Drohung und einen Poker gehandelt habe.

„Wichtig ist nun, dass die Ankündigung zum Erhalt des Hauses kein Strohfeuer ist, sondern eine langfristige Perspektive für das Haus erarbeitet wird, mit dem die Arbeitsplätze und der Standort gesichert werden“, sagt Schneckenburger.

Standort Dortmund auch Thema auf Landesebene

Aus Regierungskreisen ist zudem zu hören, dass der Standort Dortmund auch Thema auf Landesebene ist. Demnach setzte sich Ministerpräsident Armin Laschet bei Karstadt/Kaufhof-Eigentümer René Benko nachdrücklich für den Erhalt von NRW-Standorten ein. Im persönlichen Gespräch habe Benko dem CDU-Ministerpräsidenten zugesichert, Karstadt in Dortmund und Kaufhof in Leverkusen zu sichern.

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach meldete sich am Freitag offiziell zu Wort: Der Erhalt der Standorte Dortmund und Leverkusen sei für die Beschäftigten und Städte „ein richtig gutes Signal“. Doch der Kampf sei noch nicht vorbei: „Vermieter von Galeria Karstadt/Kaufhof, helft mit, Beschäftigte und Standorte zu retten: Es kommt jetzt auch auf Sie an!“

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Baujahr 1993, gebürtig aus Hamm. Nach dem Germanistik- und Geschichtsstudium in Düsseldorf und dem Volontariat bei Lensing Media in der Stadtredaktion Dortmund gelandet. Eine gesunde Portion Neugier und die Begeisterung zum Spiel mit Worten führten zum Journalismus.
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Wilco Ruhland

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