Kein feuchtes Klopapier

Gute Tipps vom Facharzt zur Vorbeugung von Erkrankungen am Enddarm

06.06.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Prof. Dr. Laurenz Jostarndt behandelte bei der letzten Nachtvorlesung im Harenberg City Center nämlich ein schwer verdauliches Thema und ein höchst intimes dazu. Es ging um Erkrankungen am Enddarm, mit denen fast jeder im Laufe seines Lebens mindestens einmal zu tun hat und die zu allem Überfluss äußerst schmerzhaft sind. Dazu hatte der Chefarzt der Chirurgie am St.-Johannes-Hospital eine wahre Flut von Bildern an die Wand geworfen, die auch erst einmal geschluckt werden mussten. Fotos von Hämorrhoiden, Fissuren, Abszessen, Fisteln, Ekzemen und Karzinomen am Enddarm. Aber wie bei jeder Nachtvorlesung, zu der das St.-Johannes-Hospital, Radio 91,2 und Ruhr Nachrichten einladen, erwies sich das Publikum wieder als äußerst sachkompetent. Dabei bekamen die knapp 200 Zuschauer viele überzeugende Antworten auf ihre Fragen. Zum Beispiel nach feuchten Toilettenpapieren. «Die sind schrecklich», urteilte Jostarndt: «Sie sensibilisieren sehr stark. Man weiß eigentlich nicht, was da drin ist an Substanzen.» Der Chirurg empfiehlt zur gründlichen Reinigung lauwarmes Wasser, ohne Seife, um den Säuregehalt der Haut nicht zu zerstören. Ganz wichtig: «Der Analkanal muss trocken sein. Man soll seine Haut beruhigt ins Bett bringen», veranschaulicht der Spezialist. Kann jeder selbst etwas tun, um Erkrankungen am Enddarm zu vermeiden? «Durch vollwertige, ballaststoffreiche Ernährung für eine bessere Entleerung, lange Sitzungen vermeiden, die das Herausdrücken von Hämorrhoiden begünstigen», zählt der Chefarzt auf. Lässt sich gezielt Gymnastik treiben? «Den inneren Schließmuskel kann man nicht, den äußeren aber begrenzt trainieren.» Werden chirurgische Eingriffe mit örtlicher Betäubung vorgenommen? «In der Regel in Vollnarkose, auch mal in Lokalanästhesie. Der Analkanal ist extrem schmerzhaft.» Prof. Jostarndt warnt vor lebensbedrohlichen Folgen bei massiver Hämorrhoidal-Blutung: «Man kann daran verbluten, wenn nicht schnell genug Hilfe erfolgt.» Und im Fall von Ekzemen dürfen Patienten die große Pilzgefahr nicht unterschätzen. Hier muss der Dermatologe mit ins Boot geholt werden. Prof. Jostarndt startete launig in seinen Vortrag: «Der Enddarm muss die Verschlussfunktion des Darms aufrecht erhalten. Das ist eine wichtige Aufgabe, die uns die soziale Integration sichert.» Und dann ging er auf die Behandlung ein, angefangen über Hitzeeinwirkung von Infrarot, über das Veröden per Injektion (bei Hämorrhoiden zweiten Grades), einem Gummiring-Applikator, um den Hämmorrhoiden-Knoten zum Absterben zu bringen, bis hin zu feinstmechanischen OP-Verfahren. Ganz neu ist ein Klammernahtgerät, wo der betroffene Bereich in einer Art Lifting exzidiert, also herausgeschnitten wird. bö

Lesen Sie jetzt