Angst vor Kinderpornografie? Debatte um nackte Kinder im Brunnen

mlzKinderschutz

In diesem Sommer sah man im Dortmunder Süden immer wieder Nackedeis in einem Marktplatzbrunnen planschen. „Ist das richtig?“, fragt eine Bürgerin. Das sagt der Kinderschutzbund.

Aplerbeck

, 23.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Temperaturen im Sommer in die Höhe schießen, dann ist ein Sprudelbrunnen im Stadtteilzentrum ein beliebter Ort, um sich Abkühlung zu verschaffen. Vor allem Kinder nutzen die Möglichkeit, um im Wasser zu planschen. Und einige von ihnen sind dann gänzlich unbekleidet. Eigentlich kein Problem, sollte man meinen.

Doch liegt beispielsweise der Aplerbecker Marktplatzbrunnen nun einmal mitten im Zentrum. Also dort, wo viele Menschen unterwegs sind. Und wer beim Anblick von nackten Kindern Böses im Sinn hat, hat hier nun mal die Möglichkeit, die Unbedarftheit der kleinen Badegäste auszunutzen, in dem schnell ein Handy gezückt wird und ein Foto geschossen wird.

Die Sensibilität für das Thema ist größer geworden

Aber, wie frei darf eine Gesellschaft noch sein, ohne sofort das Schlimmste zu befürchten? Diese Frage wird nun im Dortmunder Süden diskutiert. Denn nach den Missbrauchsvorfällen in Lüdge ist die Öffentlichkeit sensibler geworden.

Auch Ilona Schulze, die das Thema in der öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung ansprach. „Ich bin sehr häufig hier in Aplerbeck und finde es toll, dass es den Brunnen gibt“, sagt die Aplerbecker Bürgerin. „Ich möchte darum bitten, dass ein großes Schild aufgestellt wird, dass kleine, nackte Kinder hier im Brunnen nicht zu spielen haben.“

Muss erst etwas passieren?

Dabei stört sich Ilona Schulze nicht an der Nacktheit, sondern an denen, die diese ausnutzen könnten. „Es stehen sehr häufig Leute um den Brunnen rum, denen man zwar nur vor den Kopf schauen kann, aber muss denn erst etwas passieren?“ , fragt Ilona Schulze die Aplerbecker Politiker.

Die nehmen das Problem (wenn es eines ist) durchaus ernst. Aber soll ernsthaft ein Hinweisschild aufgestellt werden? „Das kommt nicht in Frage“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel (SPD). „Was sollten wir denn da auch draufschreiben?“ Man müsse einfach auch einmal an die Eltern appellieren, ihre Kinder nicht ganz nackt in dem Brunnen spielen zu lassen. Man müsse leider in dieser Zeit mit Dingen rechnen, die man sich nicht vorstellen könne. „Aber von Verboten halte ich nichts“, sagt Schädel.

Kleine Kinder haben noch nicht das Schamgefühl

In diese Kerbe schlägt auch Martina Furlan, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Dortmund. „Das Ganze hat ja immer zwei Seiten. Einmal wünscht man den Kindern die Möglichkeit, sich auch in der Öffentlichkeit zu entfalten“, sagt Martina Furlan. Gerade die kleineren Kinder, die noch nicht im Vorschulalter seien, hätten noch nicht das Schamgefühl und würden einfach die Sonne und das Wasser genießen. „Das will man ihnen ja auch zugestehen. Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich berechtigt die Sorge, dass es Menschen gibt, die das ausnutzen“, so die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes.

Ein Schild ist wohl keine Lösung

Letztendlich seien es aber die Eltern, die sich die Frage stellen müssten, ob sie es verantworten können, ihre Kinder unbekleidet in der Öffentlichkeit herumlaufen zu lassen. „Ich würde sagen, gerade heute muss man sich gut überlegen, wie viel gebe ich von meinen Kindern preis und was kann später an Fotomaterial im Internet landen“, sagt Martina Furlan.

Und was hält sie von einem Schild? „Das fände ich schon schräg. Wenn, dann müsste dort aber draufstehen Gaffen verboten und nicht Nacktbaden verboten“, so Furlan. Und gibt es einen Tipp? „Man kann sich darüber unterhalten, ob an solchen öffentlichen Plätzen ein unbekleidetes Baden sein muss. Aber letztendlich muss es jeder selber entscheiden.“

Lesen Sie jetzt