Ein Archivbild aus sonnigeren Zeiten. Auch die Giraffen vermissen die Besucher im Dortmunder Zoo. © Oliver Schaper
23.000 Euro Kosten pro Tag

Keine Einnahmen, hohe Ausgaben: Wie lange hält der Dortmunder Zoo durch?

Der Zoo Dortmund ist von der Pandemie schwer betroffen: Täglich entstehen Kosten von 23.000 Euro – doch die Einnahmen durch Eintrittsgelder fehlen. Wie lange kann der Zoo das noch finanzieren?

„Apokalyptisch-einsam“ – so beschreibt Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter die aktuelle Atmosphäre im Dortmunder Zoo. „Es fehlen die hohen Kinderstimmen, die fröhlichen Menschen – vor allem den Tieren.“

Die Affen seien selbst gierig nach Unterhaltung, aber auch Antilopen, Giraffen und Papageien würden jedes neue Gesicht neugierig beäugen: „Das ist dann das große Ereignis.“

Zoodirektor Frank Brandstätter fürchtet nicht um die Schließung des Tierparks. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Die Einsamkeit ist nicht das Schlimmste. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben dem Zoo Dortmund auch finanziell zugesetzt. 14 Wochen lang war der Tierpark im vergangenen Jahr geschlossen.

Lagen die Einnahmen 2019 noch bei 2.548.000 Euro, waren es 2020 nur 1.768.000 Euro. Also fast 750.000 Euro weniger. Das antwortet die Pressestelle der Stadt Dortmund auf Nachfrage.

Alle 80 Mitarbeiter werden gebraucht

Dabei bleiben die Kosten dieselben. Und die liegen bei 23.000 Euro. Jeden Tag. Kurzarbeit gibt es im Zoo nicht, Frank Brandstätter braucht weiterhin alle 80 Mitarbeiter wie Tierpfleger, Gärtner, Tierärzte und Handwerker.

Denn Tiere und Gelände müssen gepflegt werden. „Die Personalkosten machen ungefähr 45 Prozent unserer Ausgaben aus“, sagt Frank Brandstätter. Das Futter ist damit nicht der größte Posten.

Pächter betreiben die Zoogastronomie und den Zooshop. Weil die Pachtverträge umsatzgebunden sind, reduzierten sich 2020 auch hier die Einnahmen um rund 57.000 Euro.

Ein Blick in andere Städte zeigt: Der Kölner Zoo ist nur noch bis Ende Februar liquide, weitere Tierparks stehen vor der Insolvenz. Wie geht es in Dortmund weiter?

Stadt Dortmund trägt laufende Kosten

Der Dortmunder Zoo gehört zu den städtischen Sport- und Freizeitbetrieben. Die Kommune trägt also die laufenden Kosten. „Da sind wir der Stadtspitze sehr dankbar“, sagt der Zoodirektor.

Etwaige Verluste würde die Stadt Dortmund durch Zuschüsse ausgleichen, sobald es dazu einen Beschluss der politischen Gremien gebe, erklärt Stadtpressesprecherin Anke Widow.

Aus Landesmitteln erhielt der Zoo zudem im Frühjahr 2020 wegen der Schließung im Lockdown einen Zuschuss von 120.000 Euro. Insolvenz anmelden oder für immer schließen muss der Tierpark an der Mergelteichstraße also nicht.

Im Extremfall, sagt Frank Brandstätter, könnte der Zoo den Kauf von neuen Tieren nicht mehr finanzieren – „aber das ist nicht anzunehmen im Moment“. Er erwarte derzeit zwei neue Giraffen.

Hilfsbereite Dortmunder spenden

Trotzdem seien Spenden enorm wichtig. Wenn Gehege verschönert oder die Tierhaltung verbessert werden sollen, finanziere er dies allein durch Spenden, sagt der Zoodirektor. Und die Dortmunder sind hilfsbereit.

„Im Moment merken wir, dass die Menschen uns stark unterstützen. Viele fragen, wie sie uns helfen können. Die privaten Spenden haben sich im Vergleich zu 2019 verdoppelt“, sagt der Zoodirektor.

2019 besuchten 459.000 Gäste den Zoo, 2020 waren es rund 311.000 Menschen. „Jetzt sind wir in der 16. Schließungswoche. Das ist mehr als ein Vierteljahr“, sagt Frank Brandstätter.

Er fragt: Inwiefern sei es überhaupt sinnvoll, Parks wie den Zoo für den Besucherverkehr zu schließen? Dass das Hygienekonzept funktioniere, habe man ja im Sommer gesehen. „Kann man da nicht andere Entscheidungen fällen?“

Bauarbeiten sind im Gange

Während der Schließung wird jedenfalls fleißig an der Robbenanlage, dem Bärengehege, der Australienvolière und dem Schildkrötenhaus gebaut; gegenüber vom Regenwaldhaus entsteht ein neuer Kiosk.

Die Bauarbeiten bringen ein bisschen Abwechslung in den Alltag der Tiere. „Den Tieren fehlt das Unterhaltungsprogramm – es ist, als hätte man ihnen den Fernseher weggenommen.“

Die 49 Tierpfleger ließen sich deshalb täglich neue Aufgaben für ihre Schützlinge einfallen. „Die sind ganz schön am Rödeln, weil sie gerade intensiv so gennante Enrichmentprogramme durchführen“, sagt Frank Brandstätter. Enrichment heißt Bereicherung. Die Tiere müssen dabei das Futter erst suchen, sollen Neues lernen und beschäftigt werden.

„Werden erst im März wieder öffnen“

Wann Besucher wieder für Unterhaltung sorgen, ist momentan nicht absehbar. Der aktuelle Lockdown dauert bis mindestens 14. Februar. Frank Brandstätter sagt: „Realistisch ist es anzupeilen, dass wir erst im März wieder öffnen können; wenn es früher geht – gerne.“

So lange müssen sich Dortmunder mit den Video- und Fotobeiträgen auf der Facebook-Seite des Zoos begnügen.

Aber noch eine positive Nachricht zum Schluss: Im Dortmunder Zoo gab es noch keine einzige nachgewiesene Corona-Iinfektion. „Es gab zwar Verdachtsfälle, aber die haben sich nicht bestätigt.“

Frank Brandstätter glaubt, dass sich seine Mitarbeiter privat besonders vorsichtig verhielten: „Man könnte es jederzeit auf die Tiere übertragen – wir wissen es nicht.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Sarah Bornemann, Jahrgang 1986, arbeitet seit Oktober 2013 als Redakteurin in der Dortmunder Lokalredaktion. Sie hat Journalistik in Leipzig sowie Germanistik und Soziologie in Münster studiert. Für das Volontariat bei Lensing Media kehrte sie nach sieben Jahren ins Ruhrgebiet zurück.
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