Keine Gründung auf Deubel komm raus

DORTMUND Ein Transportunternehmen möchte Bianca Czaplinski gründen. Vielleicht. Erst einmal ließ sich die 28-Jährige, die seit mehreren Jahren ohne Job ist, gestern über Chancen und Risiken der Selbstständigkeit beraten. Als 7500. Teilnehmerin am wöchentlichen „Gründungsmontag“.

von Von Bettina Kiwitt

, 28.01.2008, 18:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Blumen gab es für die 7500. Teilnehmerin am Gründungsmontag, Bianca Czaplinski (l.), sowie für die erfolgreiche Gründerin Afra Banach von den Beteiligten am Beratungsnetzwerk.

Blumen gab es für die 7500. Teilnehmerin am Gründungsmontag, Bianca Czaplinski (l.), sowie für die erfolgreiche Gründerin Afra Banach von den Beteiligten am Beratungsnetzwerk.

 Zu dem laden Agentur für Arbeit und JobCenter ARGEbereits seit Dezember 2003 Bezieher von Arbeitslosengeld I und II sowie andere Interessierte ein.Dabei geht es nicht darum, auf Deubel komm raus die Menschen in die Selbstständigkeit zu drängen– das betonen alle Partner in dem umfassenden Kooperations- und Beratungsnetzwerk, zu dem die Experten der Wirtschaftsförderung, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer gehören. „Wir wollen die Menschen vernünftig begleiten, denn sie sollen bei einer missglückten Gründung nicht auf einem riesigen Berg Schulden sitzen bleiben“, so ARGE-Geschäftsführer Frank Neukirchen-Füsers.

Eigener Chef

Wie viele der 7500 Menschen, die sich bisher haben beraten lassen, tatsächlich letztlich den Sprung in eine selbstständige Tätigkeit gewagt haben, weiß niemand genau. Aber in den vergangenen vier Jahren haben Agentur und ARGE insgesamt 7000 Kunden beim Weg ins Unternehmertum gefördert. Schätzungsweise 70 % von denen sind auch nach zweieinhalb Jahren noch ihr eigener Chef, 30 % von ihnen haben bis dahin sogar schon einen weiteren Arbeitsplatz geschaffen.

Opfer einer Küdigungswelle

So weit ist Afra Banach zwar noch nicht, aber immerhin hat sie sich mit ihrem Grafikbüro behauptet. Mit Hilfe des Überbrückungsgeldes machte sie sich im März 2004 selbstständig, nachdem sie Opfer einer betriebsbedingten Kündigungswelle in einer Multimediaagentur geworden war. Die 38-Jährige nutzte neben dem Gründungsmontag ein zweiwöchiges IHK-Gründungsseminar und erarbeitete einen Businessplan, an dem sie sich auch heute noch stark orientiert. „Der Gedanke, als Alleinerziehende einen Kredit aufzunehmen, war mir unerträglich“, berichtet sie. Mit dem, was sie erwirtschaftet, wächst ihr Büro langsam aber stetig. Die Einstellung eines Mitarbeiters ist ihr nächstes Ziel.  

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