Keuning-Park: Corona brachte Dealer zurück – nun soll ein Zaun helfen

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Ein Zaun durchschneidet jetzt den Keuning-Park, er soll die Sicherheit in dem Drogenumschlagplatz erhöhen. Anwohner beklagen, dass das Drogenproblem zuletzt wieder massiv zugenommen hatte.

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, 29.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einmal stand ein Zaun im Weg, der da gestern noch nicht war. „Ich war gerade auf dem Weg vom Hauptbahnhof nach Hause, als mir das neue Hindernis aufgefallen ist“, erklärt Erziehungswissenschaftler David Grade.

Angebracht ist der Zaun auf einem Zugangsweg zum Keuning-Park, nahe der Leopold- und gegenüber der Heckenstraße. Für Grade ist der Umweg, den er seither in Kauf nehmen muss, nicht der Rede wert. „Aber nicht jeder ist so gut zu Fuß wie ich“, gibt Grade zu bedenken.

„Dealen als tolerierter Zustand“

Die Begründung für die neuen Zäune im Keuning-Park: das seit Jahren große Dealerproblem in dem Areal. Dabei waren durch Kitas und Grundschulen rund 500 Kinder und Jugendliche in Vor-Corona-Zeiten im Umfeld des Parks unterwegs, auch das Dietrich-Keuning-Haus selbst richtet sich in seiner Arbeit teilweise an Jugendliche und Kinder.

Und der Park, das sagte im Dezember Stadtdirektor Jörg Stüdemann unserer Redaktion, wirke so, als sei die Dealerei ein tolerierter Zustand. Damals kündigte Stüdemann Gegenmaßnahmen an - und der Zaun ist nun ein Teil davon.

Die Stadt Dortmund schreibt auf Anfrage, dass jetzt unter anderem der Zaun die Sicherheit im Keunig-Park erhöhen solle, da es über Jahre nicht gelungen sei, den Drogenhandel im Park zu unterbinden.

Erst zu Beginn dieses Jahres, so die Stadt weiter, „war es vermehrt zu Übergriffen und zu Belästigungen junger Besucherinnen und Besucher des DKH unter anderem durch Drogendealer gekommen“.

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Der Zaun verläuft von der Kindertagesstätte an der Uhlandstraße nördlich bis zur Mallinckrodtstraße und begrenzt auch den Zugang von der Leopoldstraße.

Zusammen mit einer ausgeweiteten Videoüberwachung und mehr Ordnungsamtsstreifen kostet das „Maßnahmenpaket“, wie es die Stadt nennt, nach Informationen unserer Redaktion rund 500.000 Euro.

Mit der Corona-Krise kamen die Dealer zurück

Doch das Drogenproblem im Park hat sich in den letzten Tagen eher verschlechtert als verbessert. Ein Anwohner sagt, dass sich das Problem des Drogenhandels mit Beginn der Corona-Krise wieder massiv verstärkt habe.

Mit Corona kamen wieder mehr Drogen in den Keuning-Park- so wie in dieser Aufnahme aus dem Dezember 2019.

Mit Corona kamen wieder mehr Drogen in den Keuning-Park- so wie in dieser Aufnahme aus dem Dezember 2019. © Oliver Schaper (Archiv)

„Die machen hier wieder, was sie wollen. Es ist wirklich eine Katastrophe.“ Abstandsregeln würden konsequent nicht eingehalten, darüber würden sich nicht nur die Dealer, sondern bestimmt auch das Coronavirus freuen. Und morgens müsste dann der Park aufgeräumt werden.

Dauerpräsenz Ende März eingestellt

In der Tat liegt das auch am Coronavirus: Während nach unserer Berichterstattung die Ordnungsamts-Streifen deutlich erhöht wurden und im Februar und März mindestens ein Team im Park dauerhaft präsent war, wurde dieser Präsenzdienst ab dem 21. März wieder komplett eingestellt.

Damit Drogendealer nicht mehr so ohne Weiteres durch den Keuning-Park spazieren können, hat die Stadt Dortmund einen Zaun aufgestellt.

Damit Drogendealer nicht mehr so ohne Weiteres durch den Keuning-Park spazieren können, hat die Stadt Dortmund einen Zaun aufgestellt. © Jan Reckweg

Der Grund dafür: Das Personal wurde laut Stadt benötigt, „um die dringend benötigten Kräfte für die Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Schutzverordnung beziehungsweise der Allgemeinverfügungen der Stadt Dortmund einsetzen zu können“.

Ein Zaun allein löst kein Problem

Jetzt werde der Park laut Stadt jeden Tag mehrfach vom Ordnungsamt aufgesucht, „die beinahe täglich anzutreffenden, verbotenen Ansammlungen werden aufgelöst und auch sanktioniert“.

Und der Zaun soll es ab jetzt richten. Bei der Stadt weiß man, „dass ein Zaun allein nicht alle Probleme lösen wird. Aber er ist ein Baustein.“ So sagt es eine Sprecherin.

Für David Grade, der für die Piraten in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord sitzt, bedingt so ein Zaun nur die Verschiebung eines Problems: „Die Dealer werden an anderen Orten weitermachen, wenn sie im Keuning-Park vertrieben werden.“

Gelöst werden könne das Problem durch eine kontrollierte Legalisierung. Oder, wenn man sich auf den Kinderschutz beruft, dadurch, dass man die Drogendealer in den Stadtteil verdrängt, in dem die wenigsten Kinder wohnen.

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