Im Kampf gegen Kindesmissbrauch muss auch dem Handel von Kinderattrappen als Sexspielzeug verboten werden, fordert die CDU-Landesfraktion in NRW. © picture alliance/dpa
Prozess

Kind 180 Mal missbraucht: Dortmunder (43) erzählt irritierende Geschichte

Rund 180 Mal soll ein 43-Jähriger die Tochter seiner früheren Lebensgefährtin missbraucht haben. Zu Prozessbeginn überrascht er mit seiner Sicht auf die Dinge.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklageschrift davon aus, dass der Mann das Mädchen erstmals missbrauchte, als es zehn Jahre alt war. Damals wohnte die Familie in Körne.

Mindestens einmal pro Woche, so soll es das Mädchen erzählt haben, kam es dann zu folgender Situation. Der „Papa“ habe ohne Unterhose und nur mit einem Shirt bekleidet auf dem Sofa im Wohnzimmer gesessen. Dann habe er sie dazu gerufen und darauf bestanden, dass sie ihn im Genitalbereich berühre.

Tatort Wohnzimmer

Um zu bekommen, was er wollte, soll der heute 43-Jährige auch massiven Druck auf das Kind ausgeübt haben. Entweder in Form von angedrohten Verboten, wie zum Beispiel die Aussicht, den ganzen Tag nicht mehr am Tablet spielen zu dürfen. Oder in Form von in Aussicht gestellten Vergünstigungen wie der Herausgabe des neuen WLAN-Passworts.

Die Übergriffe sollen sich über mindestens drei Jahre hingezogen und auch dann nicht aufgehört haben, als die Familie zwischenzeitlich nach Sölde umgezogen war. Auch dort kam es nach Angaben der Zeugin zu regelmäßigen erzwungenen sexuellen Kontakten.

Psychologisches Gutachten

Eine Aussagepsychologin, die das Mädchen intensiv begutachtet hat, ist offenbar im Vorfeld des Prozesses zu dem Schluss gekommen, dass das Kind wirklich wahres Erleben geschildert hat. Für den Angeklagten war das natürlich keine gute Nachricht.

Vielleicht auch deshalb räumte der 43-Jährige gleich zu Verhandlungsbeginn ein, dass es tatsächlich zu den von dem Kind geschilderten Szenen gekommen sei. Er habe halt gerne tagsüber im Wohnzimmer Pornofilme geschaut. „Und wenn sie dazu gekommen ist, habe ich sie gefragt, ob sie mir vielleicht helfen will“, sagte der Angeklagte.

Lange Beweisaufnahme geplant

Druck, Verbote oder Belohnungen habe es jedoch niemals gegeben, behauptete der Mann weiter. „Wenn sie nicht wollte, habe ich sie halt nach oben geschickt.“

Von einem vollen Geständnis ist der 43-Jährige jedoch trotz seiner ersten Angaben meilenweit entfernt. Und sein Vorhaben, der Tochter seiner früheren Partnerin eine Zeugenaussage vor Gericht zu ersparen, dürfte sich angesichts dessen, was er anschließend sagte, auch nicht umsetzen lassen.

Der Angeklagte bezweifelt nämlich die Anzahl der Übergriffe. Mit seinem Verteidiger hat er zuletzt stundenlange Gespräche geführt. Das Ergebnis teilte der Rechtsanwalt mit: „Wir kommen nicht einmal auf fünf Taten. Vielleicht waren es zwei, vielleicht drei, aber nicht einmal fünf.“

Das Gericht bereitet sich jetzt auf eine lange und intensive Beweisaufnahme vor.

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