Kinos, Clubs und Kneipen schließen in Dortmund wegen Coronavirus: „Das überfällt uns“

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Die Coronavirus-Pandemie legt das öffentliche Leben in Dortmund lahm: Bars, Clubs und Kneipen sollen ab Montag (16.3.) geschlossen bleiben. Was sagen Betreiber zu dem Erlass der Landesregierung?

Dortmund

, 15.03.2020, 21:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jetzt also auch Kinos, Bars und Kneipen: Das Land NRW hat am Sonntag (15.3.) bekannt gegeben, dass Bars, Clubs, Diskotheken, Spielhallen, Theater, Kinos, Museen schließen müssen, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Die neue Regel greift ab Montag (16.3.).

Betroffen sind auch Dortmunder Gastronomen und Gewerbetreibende. Inwiefern die Stadt Dortmund bei der konkreten Umsetzung involviert sein wird, ist noch nicht bekannt.

Stadt-Pressesprecherin Anke Widow teilte am Sonntagabend auf Anfrage mit, dass es erst am Montag weiterführende Informationen dazu geben werde.

Detlef Lotte

Detlef Lotte © Dan Laryea (Archiv)

Detlef Lotte hatte schon im Vorfeld mit einer Vorsichtsmaßnahme gerechnet. Er ist der Betreiber vom Dieckmanns und vom Schönes Leben im Kreuzviertel. Er werde in dieser „ernst zu nehmenden Situation“ am Montag eine Krisensitzung einberufen, um mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sprechen. Detlef Lotte möchte eine gemeinsame Lösung finden, wie man mit der jetzigen Situation umgehen werde.

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Niemand habe jetzt „ein Patent“ dafür, wie man in der Coronakrise richtig handeln soll. Darum appelliert Lotte an ein Miteinander, denn „jeder wird einen Beitrag“ leisten müssen. Seiner sozialen Verantwortung, den Kunden und Mitarbeitern gegenüber, sei er sich bewusst.

Auch Ute Kersting von der AIG Kreuzviertel, zu der sich Ladenbesitzer aus dem Kreuzviertel zusammengetan haben, macht sich an diesem Sonntagabend so ihre Gedanken, was der Erlass des Landes NRW für Auswirkungen hat. Sie betreibt einen Blumenladen an der Lindemannstraße.

„Das Geschäft ist eingebrochen“

„Montag bekomme ich neue Ware und aus Italien gibt‘s schon länger nichts mehr“, sagt Kersting zum aktuellen Stand.

Sie habe von Blumenhändlern aus Ostdeutschland gehört, dass deren Geschäft derzeit boome. Doch hier, in Dortmund, sehe das anders aus. „Das Geschäft ist eingebrochen“, sagt sie. Niemand wolle es sich zu Hause mit Blumen schön machen.

Hinzu komme, dass auch sie Verluste zu verzeichnen hat, weil Messen abgesagt wurden, für die sie die Blumen zurechtstellen sollte.

Wie die AIG weiter mit der Situation umgeht, bleibt abzuwarten. Denn die Mitglieder sind aus verschiedenen Branchen und haben unterschiedliche Bedürfnisse. „Außerdem kann es täglich neue Informationen geben“, sagt Kersting.

Noch bewahrt sie sich ihren Humor. Ihr Running-Gag: Sie überlegt, in Zeiten von Hamster-Einkäufen, das Weihnachts-Klopapier aus dem Lager zu kramen, um es zu verkaufen. Denn das stehe ja heute auf jedem Dortmunder Einkaufszettel.

Café gibt vorübergehende Schließung bekannt

Derweil nutzen einige Cafés und Kneipen die Sozialen Medien, um ihren Kunden mitzuteilen, dass sie vorübergehend schließen werden. So zum Beispiel das OmaRosa Café und die Kneipe „Zum Schlips“.

Nachdem das Theater Dortmund seine Veranstaltungen verschiebt, handeln jetzt auch kleinere Kulturstätten wie das Roxy Kino in der Nordstadt. Roxy-Geschäftsführer Sascha Kirchhoff bewertet den Erlass für sein Theater als „fatal“. Für kleinere Betriebe, wie eben das Roxy Kino, sei es ohnehin schwierig, sich über Wasser zu halten.

„Das überfällt uns. Und aus eigener Kraft ist es für uns nicht zu schaffen, das aufzufangen“, sagt Kirchhoff. Seine letzte Hoffnung: Hilfe von „offiziellen Stellen“.

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