Kirchderner Firma Sobbe wegen geschlossenem Bahnübergang von Außenwelt abgeschnitten

mlzBahnübergang Beylingstraße

Mitarbeiter, die lange Wege laufen müssen, Kunden, die ihr Ziel nicht finden – für eine Firma in Kirchderne hat eine Entscheidung der Bahn schlimme Folgen. Doch es gibt Hoffnung.

Kirchderne

, 22.02.2019, 10:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der geschlossene Bahnübergang an der Beylingstraße in Kirchderne war in den vergangenen Wochen mehrfach Thema in Kirchderne, weil nun bekannt geworden ist, dass die Bahn keinesfalls beabsichtigt, den Übergang wieder zu öffnen. Geschlossen ist er seit Herbst 2017 wegen eines defekten Teils, das nach Auskunft der Bahn nicht mehr hergestellt wird und dessen Neubeschaffung deshalb zu teuer sei.

Besonders zu leiden hat darunter die Firma Sobbe, die elektrische Zünder herstellt, bereits seit über 100 Jahren in Dortmund ihr Geschäft betreibt und heute 30 Mitarbeiter beschäftigt. Die müssen jetzt über die marode Derner Bahnstraße zu ihrem Arbeitsplatz gelangen – eine Strecke von einem Kilometer, die zudem noch schlecht beleuchtet ist.

Wer kein Auto hat, muss diese Strecke laufen – und das bei Dunkelheit, denn Arbeitsbeginn ist um 6.30 Uhr. Die nächste Bushaltestelle befindet sich an der Hostedder Straße. Besonders für Frauen sei das sehr unangenehm. Mittlerweile habe man sich mit Fahrgemeinschaften beholfen, sagt Geschäftsführer Joachim Sturm.

Kirchderner Firma Sobbe wegen geschlossenem Bahnübergang von Außenwelt abgeschnitten

So sieht der Bahnübergang auf der Sobbe-Seite aus. © Andreas Schröter

Die Deutsche Bahn habe bei einem der Gespräche zu dem geschlossenen Bahnübergang doch tatsächlich angeboten, solchen Mitarbeitern ein Fahrrad zur Verfügung zu stellen. Das habe er jedoch als extrem dreist empfunden, so Sturm.

Derner Bahnstraße macht keinen guten Eindruck

Und natürlich mache der marode und heruntergekommen wirkende Weg über die Derner Bahnstraße hin zur Firma Sobbe keinen repräsentativen Eindruck für Kunden und Zulieferer. Die Firma, so Sturm, die in der jüngeren Vergangenheit einen Aufwärtstrend zu verzeichnen habe, gebe sich alle Mühe, den Sprung ins digitale Zeitalter zu schaffen, da schrecke der Weg zur Firma doch extrem ab.

Sturm: „Gottseidank können wir diesen Eindruck wieder wettmachen, wenn die Gäste unsere Räume betreten.“ Es sei auch schon vorgekommen, dass Kunden vor dem geschlossenen Bahnübergang gestanden und gedacht haben, die Welt sei dort zu Ende, und eine Firma könne es in diesem Niemandsland garantiert nicht mehr geben. Die Firma müsse jedoch so abgeschieden liegen, erklärt Sturm, weil sie mit Sprengstoff arbeite. Da gelten Mindestabstände zur Wohnbebauung.

Kirchderner Firma Sobbe wegen geschlossenem Bahnübergang von Außenwelt abgeschnitten

Die Derner Bahnstraße ist in keinem guten Zustand. © Andreas Schröter

Nun hoffen Joachim Sturm und sein designierter Nachfolger ab August dieses Jahres, Peter Hauser, darauf, dass die Pläne von Bahn und Stadt, die Beylingstraße auszubauen, bald realisiert werden. Hauser sagt, er hoffe, dass das in drei Jahren abgeschlossen sein könne. Er selbst habe auch schon die Idee gehabt, eine Anbindung zu Firma über die Flughafenstraße zu schaffen. Da sei ihm jedoch bereits von Stadt und Politik signalisiert worden, dass das wegen des dazwischen liegenden Landschaftsschutzgebietes nicht möglich sei.

Denn: Ganz ideal sei die Anbindung über die Derner Bahnstraße auch dann nicht, wenn sie ausgebaut sei. Schließlich würden dann die 40-Tonner, die zumindest gelegentlich die Firma anfahren, durch Wohngebiete fahren.

Firmenchefs danken Politik und Stadtverwaltung

Joachim Sturm und Peter Hauser loben die Stadt Dortmund und die örtliche Politik, die großes Verständnis für die Probleme der Firma haben. Die Kirchderner SPD-Rats- und Bezirksvertreter Heike Gottwald, Karin Heiermann und Ralf Konstanti zeigen sich enttäuscht über die Nachricht, dass der Übergang nicht wieder eröffnet werde. Im Interesse der Anwohner der Beylingstraße hätten sich die Kirchderner SPD-Politiker die Wiederöffnung des Übergangs gewünscht.

In der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung forderte die SPD-Fraktion die Verwaltung auf, zum Ausbau der Derner Bahnstraße und zur Schaffung eines Fuß- und Radwegs Bericht zu erstatten.

  • Im Jahr 1911 verlegte die „Zündwarenfabrik Friedr. Sobbe GmbH“ ihren Sitz von Bergisch-Gladbach nach Dortmund.
  • Mit rund 150 Mitarbeitern, einer Jahresproduktion von 2 Millionen Zündern und einem Marktanteil von 16% galt die Firma Friedr. Sobbe um die Zeit 1927 als zweitgrößte Fabrik elektrischer Zünder in Deutschland.
  • Als Erbe des 2008 verstorbenen damaligen Inhabers Wilhelm-Friedrich Sobbe wurde die Wilhelm Heinrich Sobbe-Stiftung gegründet. Ziel ist unter anderem die Unterstützung gemeinnütziger Organisationen, Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Sprengtechnik und verwandter Technik, Förderung der Bergbaukultur und Förderung des westf. Kulturgutes.
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