Kita-Verbot bei Schnupfen: „Es scheint sich etwas zu bewegen“

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In die Diskussion über den Umgang mit leichten Krankheitssymptomen in Kitas könnte Bewegung kommen. Die Stadt Dortmund äußert sich zu Sorgen von Dortmunder Eltern. Und es gibt einen Stichtag.

Dortmund

, 24.07.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Gruppe Dortmunder Familien hatte in einem offenen Brief den Umgang vieler Kitas mit Kindern kritisiert, die leichte Krankheitssysmptome zeigen und deshalb zuhause bleiben müssen. Titel: „Mein Kind hat ein Schnüpfchen oder Elternhorror in Coronazeiten“.

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Nachdem zuerst das NRW-Familienministerium auf den Brief geantwortet hatte, liegt nun den Eltern und dieser Redaktion auch eine Einschätzung von Dortmunds Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger (Grüne) zur Sache vor.

Kita-Personal hat keinen eigenen Ermessensspielraum

Schneckenburger weist darauf hin, dass sich die städtischen Kitas des Trägers Fabido an der Handreichung des Landes NRW orientieren müssten. Den Erzieherinnen und Erziehern stehe deshalb „kein eigener Ermessensspielraum über die Anweisung des Landes zum Infektionsschutz hinaus zu“.

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Sie stimme aber mit den Eltern darin überein, dass sich etwas am Umgang mit leichten Krankheitssymptomen bei Kindern ändern müsse. „Es muss vom Jugendministerium erwartet werden, dass es eine präzisierende Regelung trifft, welche Krankheitssymptome als ,pandemierelevant‘ betrachtet werden und welche nicht“, so die Dortmunder Jugenddezernentin.

Stadt Dortmund: Ministerium muss „pandemierelevante“ Symptome festlegen

Laut Schneckenburger brauche es im zweiten Halbjahr verlässliche Regeln, um auf gegebenenfalls wieder ansteigende Corona-Infektionszahlen und einen Anstieg der erkältungsbedingten Krankheiten bei Kindern reagieren zu können. Es sei jedoch gleichzeitig „Verfahrenssicherheit“ zu schaffen. Für Familien. Und für die Mitarbeitenden in den Einrichtungen, die sich dem Druck und der Kritik der Eltern ausgesetzt sehen.

Ihr sei bewusst, was Kindern, Eltern, aber auch dem Personal in den Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Monaten abverlangt worden sei. „Es ist wichtig, dass Eltern in der aktuellen Lage, in der wir uns befinden, ihre Interessen und die ihrer Kinder einklagen, damit diese nicht mehr wegen der wirtschaftlichen Interessen oder aufgrund anderer Abwägungen übersehen werden“, sagt Daniela Schneckenburger.

Das sagt das Ministerium zu seiner Empfehlung

Sie kündigt an, die Hinweise in den Dialog mit dem NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) einzubringen. Dessen Ministerium hatte den Dortmunder Eltern bereits am 15. Juli auf ihren Brief geantwortet.

Hierin wird noch einmal die Vorgehensweise erläutert. So sei zunächst empfohlen worden, dass ein ärztliches Attest vor der Rückkehr in die Kita erforderlich ist. „In der Umsetzung hat sich herausgestellt, dass dies zu einer Überlastung der Kinderarztpraxen geführt hätte“, schreibt eine Mitarbeiterin des Familienministeriums.

Deshalb ist kein Attest mehr notwendig. Kinder sollten aber vor Wiederaufnahme der Betreuung 48 Stunden symptomfrei sein.

Es sei von Anfang an festgelegt worden, dass Kinder mit Symptomen aufgrund einer chronischen Beeinträchtigung oder aus sonstigen Ursachen nicht abgelehnt werden sollten.

Der eingeschränkte Regelbetrieb gilt noch bis zum 31. August

Die Empfehlungen des Landes zum eingeschränkten Regelbetrieb gelten noch bis zum 31. August. „Für den darüber hinaus gehenden Zeitraum können zum aktuellen Zeitpunkt keine Aussagen getroffen werden. Die gegenwärtigen Empfehlungen lassen also noch keinen Rückschluss darauf zu, wie mit der Thematik im Herbst bzw. im Winter umgegangen wird“, heißt es aus dem Ministerium.

Die Autorinnen des Dortmunder Briefs registrieren die Antworten als positives Zeichen. Luisa Campino Johnson und Julia Koch schreiben in einer ersten Reaktion: „Es scheint sich etwas zu bewegen - sehr schön! Allerdings haben wir ein bisschen das Gefühl, der eine schiebt die Verantwortlichkeit zum anderen und anders herum.“

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