Lockerung bei der Notbetreuung: Sorgen wegen drastisch vollerer Kitas

mlzCoronavirus und Kinderbetreuung

Der Kreis der Eltern, die Anspruch auf eine Notbetreuung für ihre Kinder haben, ist weiter gewachsen. Die Zahl der Kinder in den Kitas steigt deshalb drastisch. Das löst auch Sorgen aus.

Dortmund

, 24.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch immer gilt landesweit ein Betretungsverbot für Kitas. Doch das weicht immer weiter auf. Denn die Voraussetzungen, um eine Notbetreuung in Anpruch nehmen zu können, sind deutlich gesenkt worden. Und das wird in den Kitas spürbar. Dortmunder Träger berichten davon, dass sich die Zahl der Kinder in der Notbetreuung innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt hat.

Immer mehr Berufsgruppen

Anfangs waren es in erster Linie Eltern, die im Gesundheitsbereich und im Einzelhandel arbeiten, denen ein Anrecht auf Notbetreuung eingeräumt worden war, wobei zunächst sogar beide Eltern sogenannte Schlüsselberufe haben mussten. Inzwischen genügt ein Elternteil.

Und auch der Kreis der Berufe, mit denen man Anspruch auf Notbetreuung anmelden kann, ist deutlich ausgeweitet worden. Seit Donnerstag (23.4.) gehören etwa auch Hausmeister, Sicherheitsleute und Rechtsanwälte dazu.

Die Folge: Immer mehr Eltern nehmen die Notbetreuung in Anspruch. Beim städtischen Träger Fabido, mit 100 Einrichtungen größter Kita-Betreiber in Dortmund, wurden am Donnerstag (23.4.) 547 Kinder betreut, am vergangenen Freitag waren es 257.

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In den Kitas der evangelischen Kirche, dem größten freien Träger in Dortmund, stieg die Zahl der Kinder von 131 am vergangenen Freitag auf jetzt 335. Schon am Montag hatte es nach dem Ende der Osterferien einen ersten deutlichen Anstieg gegeben. Der setzte sich im Laufe der Woche kontinuierlich fort, berichtet Pfarrer Jochen Schade-Homann als Fachbereichsleiter beim Evangelischen Kirchenkreis.

In den katholischen Kitas in Dortmund stieg die Zahl der betreuten Kinder von 90 am vergangenen Freitag über 166 am Montag auf jetzt 209.

Drastisch gestiegene Nachfrage

Auch Jörg Loose von der Dortmunder Awo berichtet von einer „drastisch gestiegenen Nachfrage“. Alle 16 Awo-Kitas sind inzwischen in Betrieb, 126 Kinder wurden dort am Donnerstag betreut. „Man bewegt sich nach und nach in Richtung Normalität“, sagt Loose.

Wobei der Betrieb vor Ort alles andere als normal läuft. Es seien viele praktische Dinge zu organisieren, etwa die Abgabe und das Abholen der Kinder. Denn Eltern dürften die Kitas nicht betreten, erklärt Loose.

Um Engpässe zu vermeiden, versuche man etwa den Abhol- und Bringdienst zeitlich zu entzerren und auf verschiedene Eingänge zu verteilen. „Die Erzieherinnen und Erzieher leisten hervorragende Arbeit, um die Dinge vor Ort zu organisieren“, lobt Birgit Sprenger, pädagogische Fachbereichsleiterin bei den Katholischen Kindertageseinrichtungen Östliches Ruhrgebiet.

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Und die Arbeit dürfte nicht weniger werden, weil die Zahl der Kinder in Notbetreuung wohl absehbar weiter steigen wird. Ab Montag (27.4.) haben auch berufstätige Alleinerziehende grundsätzlich Anrecht auf eine Notbetreuung für ihre Kinder. „Ich kann mir vorstellen, dass es dann noch einmal zu einem Anstieg kommt“, sagt Dortmunds Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger.

Größere Gruppen nötig

Die immer weitere Öffnung der Kitas sieht sie nicht ganz ohne Sorgen - vor allem mit Blick auf Überlegungen des Familienministeriums, ab Mai alle Kinder, die im Sommer in die Grundschule wechseln, in die Kitas zurückzuholen. Spätestens dann dürfte die anfängliche Vorgabe zur Notbetreuung von maximal fünf Kindern pro Gruppe nicht mehr zu halten sein, prophezeit sie.

Fraglich sei auch, ob die Abstandsregelungen zum Schutz vor Corona-Infektionen dann noch einzuhalten seien. Und auch personell drohten Engpässe, meint die Dezernentin. Denn viele Erzieherinnen und Erzieher fallen aus, weil sie aus Alters- oder Gesundheitsgründen zu Risikogruppen gehörten.

„Deshalb ist es zweifelhaft, ob eine weitere Öffnung mit dem vorhandenen Personal möglich ist“, sagt Daniela Schneckenburger. Für sie ist die aktuelle Entwicklung bei der Kita-Betreuung „eine Operation am offenen Herzen“.

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