Klassenfahrt eines Dortmunder Gymnasiums wird zur Albtraum-Tour

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Zur Skifreizeit in den Alpen brachen die Siebtklässler auf. Doch sie ging schief. „Das war eine absolute Ausnahmesituation“, sagt der Schulleiter. Letztlich konnte niemand etwas dafür.

Kreuzviertel

, 19.02.2020, 14:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon seit dem fünften Schuljahr hatten sich die Kinder auf die Stufenfahrt nach Südtirol gefreut. Auf eine schöne Klassenfahrt, mit einer lustigen Busfahrt, viel Skisport und Spielabenden. Mit durchweichten Skiklamotten und durchgemachten Nächten.

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Ein letzter Gruß von Klausi in diesem Jahr! Wir wünschen allen Skifahrern einen erholsamen stürmischen Sonntag!!! TEE #klausi #Klausberg

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Doch als es losgeht in der ersten Februarwoche, und die 104 Siebtklässler des Dortmunder Leibniz-Gymnasiums in den Bus steigen, ist eines der Kinder mit dem Grippe-Virus infiziert. Ohne es zu wissen.

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„Man denkt, dass man schon alles erlebt hat, aber das war eine absolute Ausnahmesituation“, erzählt Schulleiter Dr. Dennis Draxler am Telefon. Er selbst war nicht mit in Südtirol. „Das Kind hatte bei Fahrtantritt noch keine Symptome und niemand wusste, dass es krank war.“

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Warum guckt eigentlich nur einer dem Skilehrer zu? TEE

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Doch auf der langen Busfahrt stecken sich die ersten Kinder an. „Die sitzen 14 Stunden zusammen im Bus, die Luft ist feucht, und die Klima-Anlage quirlt das alles durcheinander“, beschreibt es Draxler. Kurz nach der Fahrt bekommt er schon die Rückmeldung, dass es einigen Kindern schlecht geht.

Ob die Kinder die Busfahrt nicht vertragen haben?

Anfangs glauben die neun Lehrer, die die 12- bis 14-Jährigen auf ihrer Fahrt begleiten, dass manche Kinder einfach die lange Bustour nicht so gut vertragen haben. Doch dann wird es immer schlimmer. „Es wurden immer mehr Kinder, die auch Fieber bekamen. Am dritten Tag war die Hälfte der Schüler so krank, dass sie nicht mehr Ski fahren konnten“, erzählt der 43-jährige Schulleiter.

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Am 1. Skitag ging es für alle hoch hinauf! #schulskifahrt #skifoan #ahrntal TEE

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Über 50 Kinder sind krank. Nicht alle haben sie Grippe - das Influenza-Virus wird am Ende nur bei einigen getestet und nachgewiesen - aber an Skisport ist nicht zu denken. Die Symptome sind unterschiedlich: Manche haben Husten und Schnupfen, andere bekommen Fieber. „Bei 20 Kindern haben die Kollegen sehr hohes Fieber gemessen.“

Dr. Dennis Draxler ist Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums.

Dr. Dennis Draxler ist Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums. © Stephan Schütze (Archiv)

Die Lehrer werden also zu Krankenpflegern anstatt zu Skilehrern. Im Hotel werden die Kinder von einem Arzt untersucht, mit zwei Schülern müssen die Lehrer zwischendurch ins Krankenhaus fahren. „Die Kinder mussten aber nicht dort bleiben, sondern konnten nach der Untersuchung ins Hotel zurück“, erzählt Draxler.

Die Eltern werden so schnell wie möglich informiert. Torsten Sommer ist Klassenpflegschaftsvorsitzender der Klasse 7a. Auch sein Sohn Florian steckt sich an. „Florian hatte auf der Klassenfahrt auch noch Geburtstag, er ist 13 geworden“, erzählt er. „Zum Glück hat er es ganz gut verpackt, er hatte nur eine leichte Erkältung. Anderen ging es viel schlechter“, sagt der 48-Jährige.

Einen Jungen erwischt es doppelt schlimm: Der Schüler hatte sich vor Fahrtantritt den Fuß gebrochen - wollte aber unbedingt mit, um das gemeinsame Erlebnis nicht zu verpassen. „Er war dann auch einer von denen, die schwerer krank wurden“, weiß Torsten Sommer. „Das war wirklich Pech.“

Über Mails und Anrufe versuchen die Lehrer, die besorgten Eltern so gut es geht über ihre kranken Kinder zu informieren. Viele der kranken Siebtklässler bekommen Heimweh. „Anrufe über das Lehrertelefon wurden organisiert“, sagt Torsten Sommer.

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Auch die Lehrer werden nicht verschont - vier von ihnen werden ebenfalls krank. „Sie haben sich aber weiter herumgeschleppt, um die Kinder zu versorgen. Das muss ich ihnen hoch anrechnen. Einige sind jetzt noch krankgeschrieben“, erzählt Schulleiter Draxler.

Die Kinder, die noch fit sind und Ski laufen können, werden von den Lehrern zu den gebuchten Skilehrern gebracht. Von diesen Skitouren und kleinen Ausflügen stammen auch die Fotos. „Die hätten sich auch eine andere Art von Skispaß gewünscht“, sagt der Klassenpflegschaftsvorsitzende. „Aber es ging ja nicht anders. Sie haben es verstanden, aber fanden es trotzdem blöd.“

Natürlich, sagt der Schulleiter, habe es Überlegungen gegeben, die Klassenfahrt abzubrechen. „Wir haben mit dem Reiseveranstalter gesprochen, und zu dem Punkt war das nicht mehr machbar. Die Fahrer müssen sich ja auch an ihre Ruhezeiten halten.“

„Krankenklassenfahrt“ dauert insgesamt fünf Tage

Die Rückfahrt nach fünftägiger „Krankenklassenfahrt“ gerät zur organisatorischen Herausforderung. „Im Prinzip hatten wir nur noch drei einsatzfähige Kollegen. Also haben sich drei Lehrer unserer Schule bereiterklärt, mit dem Zug nach Südtirol zu fahren und bei der Organisation zu helfen.“

Seit dem 7. Februar sind alle wieder da - und Draxler freut sich, dass es den Kindern mittlerweile deutlich besser geht. „Das war für alle Beteiligten heftig“, sagt der Schulleiter. „Ich weiß, dass sich manche Eltern noch mehr Informationen gewünscht hätten, aber die Kollegen waren echt am Limit.“

Vater Torsten Sommer hat vollstes Verständnis. „Die Lehrer können nichts dafür, die sind ja selbst krank geworden. Insgesamt kann ich sagen, dass sich an dieser Schule alle immer große Mühe geben. Aber bei Grippe: Da macht man nix.“

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