Kleingarten im Süden klagt über Müll und Drogen – und ist kein Einzelfall

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Der Kleingarten von Harro Jessen ist ein Idyll. Aber ungebetene Gäste nehmen nicht selten ganz ungeniert auf seiner Terrasse Platz. Die Kleingärtner finden Drogentütchen und Unterhosen.

Eichlinghofen

, 04.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mann hat sich hier im Kleingarten Fritz Husemann zwischen Persebecker Straße und Gustav-Korthen-Allee ein Idyll geschaffen. Mit allem, was dazugehört: Es gibt ein schmuckes Gartenhäuschen, das ein Dortmund-Motiv ziert, eine Terrasse, einen Teich, viele blühende Pflanzen.

Und das alles mit Blick auf die echte Dortmunder Stadt-Silhouette. In der Ferne sieht man den Florianturm – und die gelben Pylone des Stadions sind erkennbar.

Der Blick aus der Kleingartenanlage Fritz Husemann ist eindrucksvoll. In der Ferne sind Stadion und Florianturm zu erkennen.

Der Blick aus der Kleingartenanlage Fritz Husemann ist eindrucksvoll. In der Ferne sind Stadion und Florianturm zu erkennen. © Britta Linnhoff

Dieses Idyll in der Abgeschiedenheit wissen aber offenbar auch andere zu schätzen: Immer wieder, am späten Abend, hat Harro Jessen Gäste, die er ganz und gar nicht haben will – Menschen, die sich offenbar ziemlich ungeniert bei ihm treffen und auf der Terrasse Platz nehmen.

Die Sauerei, so klagt Jessen, sehe er dann am Morgen: Er finde Berge von Müll, Drogentütchen und reichlich Leergut. Einmal, so erzählt Jessen, sei die Hauswand mit Cola oder braunem Tee völlig verschmutzt gewesen. Er habe lange gebraucht, um das wieder sauber zu bekommen.

Harro Jessen hält eine Kiste mit Drogentütchen in den Händen, die er rund um seine Laube eingesammelt hat.

Harro Jessen hält eine Kiste mit Drogentütchen in den Händen, die er rund um seine Laube eingesammelt hat. © Britta Linnhoff

Der Kleingärtner zählt weitere Schäden auf: ein abgebrochener Fahnenmast, eine zerstörte Vogeltränke, zerstörte Skulpturen und Bilder und ein Elektroroller, der in seinen Gartenzaun gedonnert sei. Er habe einen Zettel auf den Terrassen-Tisch gelegt: „Dies ist privat und für Freunde gemacht“. Die Wirkung sei gleich null gewesen.

Einmal seien die Leute sogar früher am Tag da gewesen, er habe sie angetroffen und natürlich einen ziemlichen Schreck bekommen. „Ich habe laut um Hilfe gerufen“, erzählt Jessen, „die waren doch alle viel jünger und größer als ich.“ Jessen ist Jahrgang 1942. Das Zusammentreffen blieb folgenlos. Für ihn persönlich, aber offenbar auch, was irgendwelche Ermittlungen angeht.

So sieht es oft aus nach dem nächtlichen Besuch auf der Terrasse Harro Jessens. Er habe das Foto am nächsten Morgen gemacht, sagt er.

So sieht es oft aus nach dem nächtlichen Besuch auf der Terrasse Harro Jessens. Er habe das Foto am nächsten Morgen gemacht, sagt er. © Jessen

Ein paar Meter weiter haben Bärbel und Wolfgang Franz ihre Gartenparzelle. Auch sie wissen ein Lied davon zu singen, dass Zeitgenossen sich an dem vergreifen, was ihnen nicht gehört. Aktuelles Beispiel: reingeschnittene Löcher im Dach eines großen Gartenpavillons. Die beiden schütteln den Kopf über diese und andere Geschichten dieser Art. Die Sinnlosigkeit dieser Taten können sie nicht fassen.

500 Euro koste so ein Pavillon, sagen sie. Und natürlich könne man den Schaden der Versicherung melden und einen neuen kaufen, und dann? Dann werde der neue kaputt gemacht. Die beiden sind seit Corona noch öfter hier in ihrem Garten. „Aber an diesem Tag, als Nachbar Jessen die Leute auf seiner Terrasse antraf, waren sie nicht da. „Wir haben seine Hilferufe nicht gehört“, erzählt Bärbel Franz. Sie ist froh, dass nicht mehr passiert ist.

„Würden uns wünschen, dass das Ordnungsamt mal vorbeischaut“

„Wir haben hier auch schon Unterhosen gefunden.“
Vereinsvorsitzende Susanne te Kook

Susanne te Kook ist seit 2018 Vorsitzende des Kleingartenvereins Fritz Husemann. Sie sagt zwar, dass die „Einbrüche hier eher weniger geworden sind“. Inzwischen hat man die Gerätehäuser der Kleingartenanlage mit Alarmanlagen und mehr Licht besser gesichert. Aber Sorgen hat auch sie: „Wir würden uns wünschen, dass das Ordnungsamt hier mal nach 22 Uhr reinschaut“, sagen sie und Reinhard Pusch, Kassierer im Verein.

Denn: Die Anlage liegt eben sehr abgelegen und sie ist für jeden frei zugänglich. „Hier soll auch jeder seinen Platz finden“, betont die Vorsitzende, aber es fehle an Benehmen. „Wir sind hier keine Abladeplatz für alles mögliche.“ Vor allem die hinterlassenen Hundehaufen in der Anlage ärgern sie.

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„Hier laufen kleine Kinder rum“, sagt sie. Alle vier Wochen machen die Gartenmitglieder den Parkplatz an der Persebecker Straße sauber. Kurze Zeit später liegen auch hier wieder Kot, Schutt-Reste, Plastikeimer, Reste von Fast-Food-Verpackungen und das, was übrig bleibt, wenn sich zwei Leute für ein Schäferstündchen hier im Auto treffen.

Betroffen sind besonders abgelegene Kleingärten

„Wir haben hier auch schon Unterhosen gefunden“, so te Kook. Das alles sei „sehr unappetitlich“ – und verständlicherweise verspürten die Vereinsmitglieder wenig Motivation, immer wieder den Dreck anderer wegzuräumen.

Gerhard Prieß ist Bezirksvertreter im Stadtverband der Kleingärtner. Er ist zuständig für den Bezirk Süd-West. 22 Gartenvereine gehören zu seinem Bezirk, das sind gut 2400 Mitglieder„Diese Problematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Kleingärten“, sagt Prieß.

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Besonders betroffen seien jene Kleingärten, die abgelegen seien, und die, die über einen Spielplatz verfügten. Er nennt auf Anhieb die Kleingartenanalge Fritz Husemann als ein Beispiel; außerdem die Anlagen Schnettkerbrücke, Emschertal und Helenenberg.

Gerhard Prieß am Spielplatz in der Kleingartenanlage „Zur Quelle“ an der Stockumer Straße. Auch der Spielplatz war immer wieder Treffpunkt für späte Gäste.

Gerhard Prieß am Spielplatz in der Kleingartenanlage „Zur Quelle“ an der Stockumer Straße. Auch der Spielplatz war immer wieder Treffpunkt für späte Gäste. © Britta Linnhoff

Prieß ist in der Kleingartenanlage „Zur Quelle“ an der Stockumer Straße zuhause. Der Spielplatz hier ziehe die Leute an. Einmal habe er Leute „erwischt“, die sich hier breit gemacht hätten und den Spielplatz in einem ziemlich unerquicklchen Zustand mit viel Müll hinterlassen hätten. „Wir haben mit denen dann vernünftig gesprochen“. Das helfe mehr, als auf Konfrontation zu gehen.

In der letzten Zeit sei es ruhiger geworden. Er rät den Gartenbesitzern inzwischen, ihre Häuschen möglichst wenig zu sichern: „Je gesicherter die sind, desto größer ist der Schaden.“ Auch Prieß stellt fest, dass es meist nicht darum geht, irgendetwas zu klauen, sondern schlicht um Vandalismus: „Vor einiger Zeit hatten wir mal Einbrüche in 36 Lauben in nur einer Nacht. Geklaut wurde nichts.“

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