Das Klinikum soll Ende 2021 eine neue Führung erhalten. Chef Rudolf Mintrop geht in Ruhestand. © Gregor Beushausen
Rudolf Mintrop

Klinikum-Chef geht vorzeitig – und hinterlässt eine Herkulesaufgabe

Rudolf Mintrop, Vorsitzender der Geschäftsführung des Klinikums, hört vorzeitig auf. Bald soll seine Nachfolge feststehen. Ein Thema aus der Vergangenheit dürfte ihn jedoch verfolgen.

Einer kommt, einer geht: Dr. Karsten Schneider, Beigeordneter für Bildung und Soziales in Herten, nimmt im März 2021 seinen Posten als Arbeitsdirektor am Dortmunder Klinikum auf.

Sein Vorgänger Ortwin Schäfer hatte sich Ende 2019 in den Ruhestand zurückgezogen. Seitdem ist der Schreibtisch des Arbeitsdirektors verwaist. Zumal der Neubesetzung ein quälend langes Hin und Her vorausgegangen war.

Das soll bei der Nachfolge um den Chefsessel vermieden werden: Rudolf Mintrop (65), Vorsitzender der Geschäftsführung, scheidet Ende 2021 vorzeitig aus dem Dienst aus. Eigentlich läuft sein Vertrag bis Ende 2022.

Im Februar bzw. März soll die Ausschreibung auf den Markt kommen. Die Politik hat bereits reagiert und eine Findungskommission gebildet.

Rudolf Mintrop war in Oldenburg Chef der Klinik, an der Todespfleger Niels Högel mordete.
Rudolf Mintrop war in Oldenburg Chef der Klinik, an der Todespfleger Niels Högel mordete. © Dieter Menne (A) © Dieter Menne (A)

Sie hat eine Handvoll Mitglieder: Neben zwei Vertretern der Arbeitnehmerseite sollen je ein Vertreter der SPD und der Grünen auf das kommende Bewerberfeld gucken. Die CDU ist mit keinem Gesandten in dem Gremium verankert. Die Interessen der Stadt Dortmund als 100-prozentige Eigentümerin des Klinikums vertritt Gesundheitsdezernentin Birgit Zörner.

Bis der Nachfolger in der Tür steht

Der anstehende Personalwechsel kommt nicht von ungefähr: Er wurde vor zwei Jahren mit dem damaligen OB Sierau und dem Aufsichtsrat abgestimmt. Klar war, dass sich Arbeitsdirektor Schäfer als erster aus der insgesamt drei-köpfigen Führungsriege verabschieden würde. Bei Mintrop und dem Medizinischen Geschäftsführer Prof. Dr. Michael Schwarz blieb offen, wer 2021 bzw. 2022 geht.

Nun also Mintrop. „Ich habe die Aufgabe sehr gern wahrgenommen“, lässt der Klinikum-Chef wissen, „habe aber im Dezember 2020 die gesetzliche Altersgrenze erreicht und werde in Kürze 66 Jahre.“ Vorsichtshalber verspricht er: „Ich bleibe, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger in der Tür steht.“

Wer immer künftig die Geschicke eines der größten kommunalen Krankenhäuser leitet – er muss großen Fußstapfen folgen. Mintrop hat das Kunststück geschafft, das Klinikum, das in herbe Schieflage geraten war, mit einem Bündel von Maßnahmen in die Spur zu bringen.

Haus schreibt wieder schwarze Zahlen

Jahrelang gab es Verluste, nur knapp schrammte das Haus an der Insolvenz vorbei. Noch 2012 betrug das Defizit fast 6,5 Millionen Euro. Nach Mintrops Amtsantritt 2013 verkehrte sich die Lage ins Gegenteil: Plötzlich schrieb das Haus jährlich wachsende Überschüsse. 2019 schloss das Klinikum mit einem Plus von knapp 7,6 Millionen Euro ab. Mintrop war es in schwieriger Zeit gelungen, die Banken von der wirtschaftlichen Perspektive des Hauses zu überzeugen.

Er schickte die damaligen Unternehmensberater in die Wüste, ließ neue Abteilungen entwickeln und löste den Investitionsstau auf. Seinen Nachfolger erwartet ebenfalls eine Herkulesaufgabe: Er oder sie soll die Erfolgsgeschichte weiterschreiben, die finanziellen Schäden der Corona-Pandemie klein halten und eine Digitalisierungs-Strategie erarbeiten.

Die Vergangenheit ruht nicht

„Für 2020 können wir noch keine Prognose abgeben“, sagt Mintrop. Und erinnert an die Zusage von Bundesgesundheitsminister Spahn, kein Krankenhaus solle durch Corona finanziellen Schaden erleiden. Mintrop: „Mal sehen, was davon am Ende übrigbleibt.“ Dem städtischen Beteiligungsbericht zufolge war Mintrops Jobs zuletzt mit insgesamt 369.000 Euro vergütet.

Unabhängig von seinen Erfolgen in Dortmund könnte er kurz vor Eintritt in den Ruhestand von seiner Vergangenheit als Chef im Klinikum Oldenburg eingeholt werden: Im Raum steht eine Anklage wegen „Beihilfe durch Unterlassen“ im Zusammenhang mit „Todespfleger“ Niels Högel, der eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßt.

Högel ist in 85 Fällen des Mordes für schuldig befunden worden und war in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst beschäftigt. Dort hat auch Mintrop gearbeitet.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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