Klinikum-Chef warnt vor dramatischer Lage – vielleicht schon sehr bald

mlzCorona in Dortmund

Patienten abweisen müssen die Kliniken in Dortmund noch nicht – geht die Infektionswelle aber ungebremst weiter, bekommt man schon in naher Zukunft ernsthafte Probleme, so der Klinikum-Chef.

Dortmund

, 28.10.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wohl spätestens am Ende der Woche (KW 44), wahrscheinlich schon früher, wird die Zahl der Corona-Infizierten, die in den Krankenhäusern in Dortmund behandelt werden müssen, im dreistelligen Bereich liegen.

Für die Behandlung von Corona-Patienten sollen in Dortmund 800 Betten zur Verfügung stehen, davon 200 auf Intensivstationen, davon 100 mit Beatmung. Diese Zahlen nannte Birgit Zoerner, Leiterin des städtischen Krisenstabs, am Dienstag (27.10.) bei einer Pressekonferenz.

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Bei aktuell noch knapp unter 100 Patienten nach der Meldung der Stadt am Dienstag (27.10.) klingt das nach einem ausreichendem Puffer. Doch dieser Eindruck täuscht: „Das Problem ist die Geschwindigkeit der Zunahme der stationären Fälle – zur Zeit ist das ein ungebremster Anstieg. Geht die Welle ungebremst weiter, dann bekommen wir nächste, übernächste Woche Probleme“, sagt Rudolf Mintrop, Geschäftsführer des Klinikums Dortmund.

„Knapp 100 Fälle sind nicht dramatisch für die Aufrechterhaltung der Krankenversorgung in der Stadt. Wenn man aber damit rechnen muss, nächste Woche sind es 200 Fälle, danach die Woche 300 oder 400 – dann wird es dramatisch.“

Klinikum-Chef Rudolf Mintrop warnt einer dramatischen Corona-Lage in Dortmund.

Klinikum-Chef Rudolf Mintrop warnt einer dramatischen Corona-Lage in Dortmund. © Dieter Menne (Archiv)

„Dann hat man irgendwann die Kontrolle verloren“

Der Klinikum-Chef spricht damit das exponentielle Wachstum an, vor dem zu Beginn der Pandemie deutlich gewarnt wurde. Die Zahlen in Dortmund lassen erkennen, dass die Entwicklung aktuell in diese Richtung geht.

Zweimal hat sich der Inzidenzwert seit Mitte Oktober innerhalb von sieben Tagen verdoppelt – und damit steigt auch die Zahl der Menschen, die in den Krankenhäusern behandelt werden müssen, immer schneller an.

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Aktuell müsse man noch keine anderen Patienten abweisen, betont der Klinikum-Chef. Und eine ganz konkrete Prognose sei schwierig, weil man unter anderem auch die Altersverteilung bei den Infizierten berücksichtigen müsse. Junge Menschen, die an Corona erkranken, landen seltener im Krankenhaus – „ab 60, 70, 80 Jahren müssen viele stationär behandelt werden – und das ist die Richtung, in die es im Moment geht, das ist das eigentlich Besorgniserregende“, so Mintrop.

Die entscheidende Frage sei, wie schnell sich die Zahlen verdoppeln. „Dann hat man irgendwann die Kontrolle verloren – es ist das Hauptanliegen, dass das nicht passiert. Dazu kann jeder einzelne beitragen“, so Mintrop, der dringend dazu rät, soziale Kontakte einzuschränken und sich an alle Vorsichtsmaßnahmen zu halten.

Leiter des Gesundheitsamtes warnt vor Überbelastung des Systems

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes, hatte am Dienstag auf die drohende Zuspitzung der Lage in den Krankenhäusern hingewiesen: 100 Covid-Patienten seien eine zusätzliche Belastung der stationären Versorgung, die das System nicht „on top“ leisten könne.

„Durch diese 100 Patienten werden andere Patienten nicht aufgenommen werden können. Wir hatten nachts schon zweimal zeitliche Abschnitte, wo die Intensivstationen alle zu waren, das heißt, sie konnten keine weiteren Patienten aufnehmen“, sagte er.

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Im - hinter dem Klinikum - zweiten Corona-Schwerpunktkrankenhaus der Stadt, dem Knappschaftskrankenhaus Brackel, bereitet man sich wie im Klinikum darauf vor, weitere Corona-Stationen eröffnen zu können. Patienten abweisen müsse man aktuell aber nicht, so Sprecher Klaus-Peter Wolter.

„Wir haben bisher keine Bereiche runtergefahren, wie es im Frühjahr war“, sagt er. „Unsere Experten warnen Patienten davor, aus eigenem Antrieb und ohne Abstimmung mit einem behandelnden Arzt Diagnose- oder Behandlungstermine und auch medizinische Vorsorgeleistungen zu verschieben. Dies könnte beispielsweise bei Tumorerkrankungen fatal sein.“

Auch die Kapazitäten auf der Intensivstation müssen man anpassen – noch droht dort aber kein Personalengpass. „Diese Erweiterungsschritte, die wir planen, werden wir auch personell umsetzen können.“

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Die Corona-Lage ist heute Thema im Verwaltungsvorstand. Im Anschluss an die Sitzung informiert die Stadt bei einer Pressekonferenz über die Ergebnisse. Hier sehen Sie das Re-Live-Video. Von Oliver Volmerich

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