Klinikum Dortmund: Kandidat muss um Wahl zum Arbeitsdirektor zittern

mlz„Fehlende Expertise“

Wann bekommen die 4300 Beschäftigten am Dortmunder Klinikum ihren neuen Arbeitsdirektor? Der erste Bewerber war gescheitert. Jetzt hängt auch die Wahl des neuen Kandidaten am seidenen Faden.

Dortmund

, 14.05.2020, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ex-Arbeitsdirektor Ortwin Schäfer hat sich im September 2019 in den Ruhestand verabschiedet. Seitdem ist sein Posten verwaist. Eigentlich sollte der Schreibtisch nach wenigen Monaten wieder besetzt werden. Der Verdi-Landesbezirk Düsseldorf hatte allerdings einen Bewerber ins Rennen geschickt, der in Dortmund nicht durchsetzbar war.

Inzwischen haben die Arbeitnehmervertreter erneut von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch gemacht und mit Jens Peick (38) einen zweiten Kandidaten nominiert.

Keine stabile Mehrheit für Peick im Rat

Peick arbeitet als Referent im Amt des Oberbürgermeisters und ist Vize der Dortmunder SPD. Doch auch seine Wahl zum Arbeitsdirektor hängt am seidenen Faden: Die Personalie muss vom Rat der Stadt bestätigt werden – stabile Mehrheiten, auf die Peick bauen könnte, zeichnen sich zurzeit nicht ab. Die Sitzung des Klinikum-Aufsichtsrates, die außer der Reihe stattfinden sollte, ist bis auf Weiteres verschoben.

Am Donnerstag (7.5.) trafen sich Vertreter der Ratsfraktionen in einer informellen Runde, um die Personalie zu beraten. Ein Durchbruch war nicht zu verzeichnen. Die CDU lässt durchblicken, dass sie bei der Abstimmung im Rat gegen Peick votieren will. „Dass das Klinikum wieder einen Arbeitsdirektor bekommt, steht für uns nicht infrage“, betont CDU-Fraktionsvize Hendrik Suck. Daran werde nicht gerüttelt.

CDU bemängelt "fehlende Expertise"

Es gebe aber zwei Argumente, die gegen Peicks Wahl sprächen: „Seine fehlende Expertise im Krankenhausbereich und mangelnde Führungserfahrung.“ Immerhin sei das Klinikum mit rund 4300 Beschäftigen einer der größten Arbeitgeber Dortmunds. Die CDU respektiere das Vorschlagsrecht der Arbeitnehmer, sagt Suck. „Für die Politik ist aber auch klar, dass die finale Entscheidung im Rat getroffen wird.“

Umstrittener Kandidat für den Posten des Arbeitsdirektors am Klinikum Dortmund: Jens Peick

Umstrittener Kandidat für den Posten des Arbeitsdirektors am Klinikum Dortmund: Jens Peick © Oliver Schaper (Archivbild)

Kritische Fragen hatte es auch innerhalb der SPD gegeben. Inzwischen scheinen sich die Reihen geschlossen zu haben: „Die SPD-Fraktion steht hinter dem Kandidaten, der von den Arbeitnehmern ausgeguckt worden ist“, formuliert Fraktionschef Norbert Schilff. Es bedürfe aber noch einiger Abstimmungsgespräche.

Die sind aus Sicht der SPD auch notwendig: Eine stabile oder breite Mehrheit, auf die Peick bauen könnte, zeichnet sich nicht ab. Es sei denn, Peick bekäme Unterstützung aus dem Lager von Linke/Piraten.

Aber selbst dann hätte Rot-Rot nur eine Mehrheit, wenn die Grünen nicht der Linie von CDU und möglicherweise FDP/Bürgerliste folgen. Die Grünen dürften nicht mit „Nein“ stimmen. Sie müssten sich zumindest enthalten. Damit werden sie als drittstärkste Ratsfraktion zum Zünglein an der Waage. Ihre Entscheidung halten sie sich vorerst offen.

Zur Not auf Abstimmung verzichten?

„Wir haben noch kein klares Meinungsbild“, sagt Fraktionssprecher Ulrich Langhorst auf Anfrage. Man werde mit Verdi sprechen. „Das Vorschlagsrecht der Arbeitnehmer ist uns wichtig“, hebt Langhorst hervor.

Für den Fall, dass sich lediglich eine knappe Mehrheit abzeichne, könne es durchaus sinnvoll sein, auf eine Abstimmung zu verzichten. Soll heißen: Die Verwaltung sei gut beraten, in einer solch schwierigen Gemengelage erst gar keinen Beschlussvorschlag vorzulegen.

Größere Chancen darf sich Peick bei den Linken ausrechnen. Zwar sieht man auch dort die Personalie „nicht ganz unkritisch“, wie Fraktionschef Utz Kowalewski betont. Viel wird von dem Gespräch abhängen, zu dem die Linken den Kandidaten einladen wollen. „Wir wollen seine Position zu verschiedenen Themen abklopfen“, kündigt Kowalewski an. Etwa zur Frage eines Tarifvertrages bei der „ServiceDo GmbH“, einer Dienstleistungstochter des Klinikums.

Viel Zeit bleibt nicht: Die letzte Ratssitzung vor den Sommerferien ist für den 18. Juni im Goldsaal terminiert. Die nächste findet erst wieder am 24. September statt - knapp zwei Wochen nach der Kommunalwahl am 13. September.

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