Klinikum Dortmund: Streit in Notaufnahme - Mann will keine Maske tragen

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Eine gute Woche nach dem Corona-Ausbruch im Klinikum hat am Wochenende ein Besucher in der Notfallaufnahme offensichtlich gegen die Maskenpflicht verstoßen. Es kam zum Streit.

Dortmund

, 16.06.2020, 04:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Samstagmorgen (13.6.) gegen 9 Uhr, zentrale Notfallaufnahme im Klinikum Dortmund: Alle Menschen im Wartezimmer tragen vorschriftsmäßig einen Mund-Nasen-Schutz, als Gabriella Wollenhaupt mit ihrem Mann Friedemann Grenz in die Notfallambulanz kommt. „Der Abstand wird nicht eingehalten, die Sitzplätze stehen zu nah beieinander. Es ist heiß und stickig“, beschreibt Wollenhaupt die Situation.

Sie ist nicht selbst erkrankt, sondern begleitet ihren Mann. Trotzdem fällt ihr das Atmen unter der Maske schwer. Während ihr Mann behandelt wird, bemerkt sie einen jungen Mann, der zwei Frauen begleitet. Sie tragen keine Gesichtsmasken. „Die Maske des jungen Mannes baumelt um den Hals“, so Wollenhaupt.

„Ich lasse mir doch von einer Frau nichts sagen“

Der Corona-Ausbruch im Klinikum liegt erst ein paar Tage zurück. Auch das im Hinterkopf macht Gabriella Wollenhaupt den Mann auf die Maskenpflicht aufmerksam. Als Retourkutsche bekommt sie nach eigener Aussage den Satz zurück: „Ich lasse mir doch von einer Frau nichts sagen.“

Mit der Faust in der Tasche erklärt sie ihm, warum es so wichtig ist, eine Schutzmaske zu tragen und bittet ihn erneut, seine anzulegen. „Er blafft zurück, dass ich woanders hingehen sollte“, erzählt Wollenhaupt.

Als ihr Mann von der Behandlung zurückkommt und sie den Warteraum verlassen, erfolgt noch mal ein unfreundliches Wortgefecht zwischen Wollenhaupt und dem jungen Mann.

Draußen im Flur vor dem Warteraum schlummert ein älterer Mann mit neongelber Warnweste. Er gehört zum Wachpersonal, das dafür sorgen soll, dass die Corona-Vorschriften im Klinikum eingehalten werden. Friedemann Grenz weckt den Mann, dem seine Maske wohl im Schlaf vom Gesicht gerutscht ist.

Auf die Bitte des Paares nähert er sich dem Warteraum, überblickt sofort die Situation und fordert den Masken-Verweigerer und seine Begleiterinnen auf, die Vorschriften zu erfüllen, schildert Wollenhaupt. Der alte Mann habe sogar gedroht: „Sonst raus hier!“

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Doch die Drohung läuft ins Leere; denn der junge Mann habe sich nur weggedreht und einen Platz weiter gesetzt, sagt Wollenhaupt. Daraufhin sei der Sicherheitsmann wieder herausgekommen und habe nur achselzuckend gemeint: „Da kann man nichts machen.“

Sie wolle dem alten Mann nichts, sagt Gabriella Wollenhaupt, der sei in der Situation hilflos gewesen. Sie habe sich über den jungen Mann geärgert. „Wenn es solche Vorschriften gibt, dann sollen sich alle daran halten“, fordert sie. Und ihr Mann ergänzt: „Wenn man da einen Sheriff hinsetzt, muss man ihm auch einen Colt geben.“

Hausrecht hat einen Haken

Gabriella Wollenhaupt, auch bekannteste Krimi-Autorin Dortmunds, hat ihr Erlebnis auf die Facebook-Seite des Klinikums gepostet. Auf Anfrage dieser Redaktion erklärt Marc Rasche, Kommunikationschef des Klinikums, zu dem Vorfall, es könne durchaus Fälle geben, in denen Menschen vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ausgenommen seien – unter anderem bei Lungenerkrankungen, wie sie abseits von Corona auch weiterhin im Klinikum behandelt würden. „Ob das in diesem Fall so war, kann ich aus der Schilderung nicht entnehmen“, sagte Raschke und ging auf den Fall nicht näher ein.

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Grundsätzlich sei das Klinikum bei der Einhaltung der Hygieneregeln auf die Mitarbeit der Patienten angewiesen, betont der Kliniksprecher, „im Zweifel könnten wir dann von unserem Hausrecht Gebrauch machen und eine Person, die dieser Regel nicht entspricht, aus dem Klinikum bitten“.

Das aber könnte dem Klinikum – je nach Fall – als „Verweigerung einer Behandlung“ ausgelegt werden, so Raschke; denn als Krankenhaus sei man dazu verpflichtet, jeden aufzunehmen. In solch einem Spannungsfeld sei es immer besser, „mit den Beteiligten zu reden und sie zum Einhalten der Hausregeln zu bewegen“. Genau das hatte Gabriella Wollenhaupt versucht.

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