Ist es vorbei mit den Hamsterkäufen in der Corona-Krise? Sind die Regale wieder gut bestückt oder gibt es bei ausgewählten Artikeln weiterhin Engpässe? Wir haben uns im Dortmunder Westen umgehört.

Lütgendortmund, Mengede, Huckarde

, 27.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Corona-Krise geht die Nachfrage nach bestimmten Gütern des täglichen Bedarfs wieder zurück: Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Sonderauswertung experimenteller Daten, die es am 23. April veröffentlicht hat. Der Klopapier-Absatz ist in der vergangenen Woche sogar stark eingebrochen.

Die Verkaufszahlen für ausgewählte Hygieneartikel und Lebensmittel blieben in der 16. Kalenderwoche vom 13. bis 19. April weiter deutlich unter den Zahlen der Wochen zuvor, so das Statistische Bundesamt. Dazu gehörten vor allem Toilettenpapier, Teigwaren, Reis und passierte Tomaten.

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Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Regale in den Supermärkten und Discountern wieder besser bestückt sind? Wir haben im Dortmunder Westen nachgefragt.

Real im Indupark in Kley: Laut Unternehmenssprecher Frank Grüneisen entspanne sich die Versorgungslage mit Produkten allmählich. „Auch die in den vergangenen Wochen besonders stark nachgefragten Produkte wie Mehl, Backmischungen, Nudeln, Toilettenpapier oder Konserven sind in der Regel in ausreichender Stückzahl verfügbar“, sagt er.

Teilweise Einschränkungen gebe es allerdings bei der Vielfalt der verfügbaren Marken. „Auch Desinfektionsmittel und Seife sind noch immer punktuell nicht verfügbar“, so Grüneisen. Klassische Hamsterkäufe würde man im Moment aber nicht beobachten.

Die Zeiten der abgegrasten Regale in der Corona-Krise scheinen vorbei zu sein.

Die Zeiten der abgegrasten Regale in der Corona-Krise scheinen vorbei zu sein. © dpa

Edeka Reimann in Bövinghausen: Marktleiter Markus Reimann spricht ebenfalls von einer leichten Entspannung – vor allem bei der Versorgung mit Toilettenpapier. „Auch bei den Nudeln ist es besser geworden.“ Ebbe herrsche allerdings noch im Reis-Regal: „Das dauert noch, weil der Reis per Schiff aus China kommt.“

Engpässe gebe es weiterhin bei Mehl und Hefe, einigen Obst- und Suppen-Konserven und Küchenrollen. Man sei aber stets auf der Suche nach neuen Lieferanten, um die fehlende Ware einzukaufen.

Rewe Amshove in Kirchlinde: Eine Entwarnung auf ganzer Linie kann Marktleiter Ricardo Ruberth noch nicht geben. Für manche Artikel habe sich die Lage aber deutlich verbessert. Ruberth nennt als Beispiel ebenfalls das Toilettenpapier. Man habe sich einfach mit anderen Kaufleuten zusammengetan und ganze Schiffscontainer bestellt.

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Momentan mache er stattdessen „Jagd“ auf eine spezielle Gemüse-Kombination in Konserven. Bislang allerdings erfolglos. Es sei ihm bisher nicht gelungen, so Ruberth, die Regale wieder mit Erbsen-und-Möhren-Konserven aufzufüllen. „Der Engpass liegt beim Hersteller. Hier wird noch nicht genug produziert.“

Schaue man auf das gesamte Sortiment, seien vor allem von der günstigen Rewe-Handelsmarke „Ja“ noch nicht alle Artikel erhältlich. Bei den teureren Produkten hingegen gebe es immer weniger Lücken in den Regalen. Das Kaufverhalten habe sich aber deutlich geändert: „Die Leute kaufen nicht mehr auf Vorrat“, meint der Marktleiter.

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Netto Westerfilde, Mengede, Bodelschwingh/Oestrich, Marten, Lütgendortmund, Huckarde: Stellvertretend für die jeweiligen Marktleiter äußert sich Christina Stylianou, Leiterin der Netto-Unternehmenskommunikation, sehr allgemein: „Wir beobachten, dass die Nachfrage in einigen Sortimentsbereichen deutlich gestiegen ist. Daher kann es vereinzelt zu Lücken in den Regalen kommen.“

Das beträfe zurzeit Artikel wie Toilettenpapier, Hefe und Tomatenmark. „In der Regel können wir die Lücken in den Regalen schnell wieder auffüllen oder alternative Produkte anbieten.“

Penny Lütgendortmund, Marten, Westerfilde: Pressesprecherin Kristina Schütz konnte aufgrund einer Vielzahl von Anfragen keine detaillierten Auskünfte geben, erklärt sie, und schreibt: „Auch wenn wir immer noch eine verstärkte Nachfrage nach länger haltbaren Lebensmitteln (Mehl, Hefe, etc.) und Hygiene-Artikeln (Toilettenpapier) sehen, so ,normalisiert‘ sich die Lage – auch im Hinblick auf die Warenversorgung – zusehends.“

Hohe Nachfrage nach Seife, Obst und Gemüse

Die Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts kommt noch zu zwei weiteren interessanten Ergebnissen:

1. Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife ist weiterhin hoch: „Zwar liegen die Verkaufszahlen nicht mehr auf so einem hohen Niveau wie im März, dennoch lag der Absatz von Desinfektionsmitteln in der Woche vom 13. bis 19. April bei +71 % und der von Seife bei +10 % über dem Durchschnitt der sechs Monate von August 2019 bis Januar 2020“, heißt es in der Sonderauswertung.

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife ist laut Statistischem Bundesamt weiterhin hoch.

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife ist laut Statistischem Bundesamt weiterhin hoch. © dpa

2. Obst und Gemüse sind während der Krise stärker nachgefragt: „Die Nachfrage nach Obst und Gemüse war bei den betrachteten ausgewählten Filialen über den gesamten bisherigen Zeitraum der Corona-Krise überdurchschnittlich. Im März zog insbesondere der Absatz von Obstkonserven (9. bis 15. März: +126 %) und Gemüsekonserven (9. bis 15. März: +137 %) deutlich an“, so das Statistische Bundesamt.

Auch frisches Obst und Gemüse seien weiterhin stark nachgefragt: „So lagen die Absatzzahlen von Obst in der 16. Kalenderwoche weiterhin 4 % und die von Gemüse 10 % über dem Sechs-Monats-Durchschnitt“, berichtet das Statistische Bundesamt.

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