Knickern auf der Straße

SCHARNHORST Viele Geschichten zu erzählen haben die Mieter der Grunewald-Siedlung, die von der Ruhr-Lippe-Wohnungsgesellschaft zum Dank für ihre 50-jährige Treue zu einer Feierstunde in Ela's Café eingeladen wurden.

19.09.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bei Kaffee und leckerem Kuchen drehte sich das Gespräch natürlich darum, wie sich das Leben in den klassischen Zechenhäusern, die von 1907 bis 1913 erbaut wurden, in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Auf den 62 bis 83 Quadratmetern - einer Fläche, die heutzutage oftmals zwei Personen bewohnen - lebten 1957 ganze Familien plus Untermieter. Viele Anwohner hatten eigene Tiere: Hühner, Schweine, Ziegen und Tauben. "Wir haben auch selbst geschlachtet", erzählt Elfriede Pritschow. Aus den Ställen sind dann später Bäder geworden. Damals fand das Baden im Keller statt, wo ein Waschkesselofen aufgestellt wurde.

Zu Fuß zur Zeche

Überhaupt seien die Zeiten ganz anders gewesen, findet Elfriede Pritschow: "Mein Vater arbeitete auf der Zeche Gneisenau. Morgens ging er zu Fuß dorthin. In einer Jackentasche hatte er Butterbrote, in der anderen eine Thermoskanne mit Kaffee."

Georg Bovermann hat als Kind 1943 einen Luftangriff der Alliierten auf die Siedlung erlebt. Unter den Trümmern musste die Familie warten, bis Hilfe kam. "1951 war unser Haus dann wieder aufgebaut, und wir konnten einziehen."

Kostete die Monatsmiete ursprünglich 26 Reichsmark, so wurde sie 1957 von der Ruhrkohle auf 150,65 DM festgelegt. Die Häuser gingen 1990 zunächst in den Besitz der LEG und 1991 in den der Ruhr-Lippe über.

Eine Miete als Geschenk

Als Anerkennung der langjährigen Verbundenheit spendierte die Ruhr-Lippe nicht nur die Kaffeettafel und Blumen, sondern übergab den Mietern auch einen Scheck in Höhe einer Netto-Kaltmiete. "So viel Treue ist in der heutigen schnelllebigen Zeit schon etwas Besonderes", fand Ruhr-Lippe-Zweigstellenleiter Christoph Wiesmann.

Während heute die Familien viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, spielten die Kinder in den 50er Jahren auf der Straße Knicker. Die Mütter saßen ebenfalls draußen und plauderten. Auch wenn das Gemeinschaftsgefühl nicht mehr so stark wie früher ist, fühlen sich die alten Grunewalder in ihrer Siedlung immer noch "sauwohl", wie es Elfriede Pritschow treffend formuliert. u.b.

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