Kommentar: Gefährliches Halbwissen der Schattenfiguren

Diskussion um Grabstein

Solidarität ist toll - da sind wir uns einig. Im Fall Jens Pascal bildete sich eine virtuelle Blase, in der viele, ohne sich vorher vollständig informiert zu haben, spontan Partei ergriffen - kommentiert Redakteurin Alexandra Neuhaus.

DORTMUND

von Von Alexandra Neuhaus

, 14.11.2012, 17:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kommentar: Gefährliches Halbwissen der Schattenfiguren

Wenn die Lawine erstmal rollt, ist sie nicht aufzuhalten. Dieses Naturphänomen ist mittlerweile auch zu einem virtuellen Ereignis geworden, wie die Diskussion um den BVB-Grabstein in den letzten Tagen bewiesen hat.Vergessen wir für einen Moment das tragische Schicksal von Jens Pascal und seiner Familie und sprechen über die Rolle der Schattenfiguren, den Menschen im Internet, die sich in einer Facebook-Gruppe mit der ihnen unbekannten Familie solidarisiert haben.  

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Das ist das Grab von Jens Pascal

Jens Pascals letzter Wunsch wird schwer diskutiert. Er wünschte sich das BVB-Logo auf dem Grabstein.
13.11.2012
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Die Kirche stellte sich gegen den letzten Wunsch.© Foto: Dieter Menne
Jens Pascal war glühender BVB-Fan. Im Advent 2011 bekam er Besuch von Jürgen Klopp. © Nils Foltynowicz
Der Entwurf des Grabsteins steht in der Diskussion.© Foto: Dieter Menne
Auf dem Grabstein soll das BVB-Emblem stehen.© Foto: Dieter Menne
Jens Pascal verstarb im Mai 2012.© Foto: Dieter Menne
Im vergangenen Dezember bekam der inzwischen verstorbene Jens Pascal noch Besuch von BVB-Meistertrainer Jürgen Klopp. © Nils Foltynowicz
Andreas Flamme trauert um seinen Sohn.© Foto: Dieter Menne
Sein letzter Wunsch steht nun in der Diskussion.© Foto: Dieter Menne
Jens Pascal starb an einem Hirntumor.© Foto: Dieter Menne
Der Junge war glühender BVB-Fan und starbt mit nur neun Jahren.© Foto: Dieter Menne

Solidarität ist toll. Vor allem wenn sie wie in diesem Fall keine Stadt-, Land- oder gar Vereinsgrenzen kannte, denn selbst Schalke-Fans unterstützten die Familie. Eine rührende Anteilnahme, die der Familie sicher auch gut getan hat. Aber bevor man eine Entscheidung über Pro und Contra fällt und diese teils auch vehement kundtut, sollte man die ganze Wahrheit kennen – in der virtuellen, wie in der realen Welt.  In diesem Fall bildete sich eine virtuelle Blase, in der viele, ohne sich vorher vollständig informiert zu haben, spontan Partei ergriffen. Die Frage nach den Hintergründen, nach dem „Warum“ wurden vom Sog der Emotionalität geschluckt. Im Schutz der vermeintlichen Anonymität des Internets schlugen einige verbal drauf: auf Kirche und Medien. Ein Vorgehen, in dem einige Facebook-Nutzer konterkarierten, was sie selber in Kommentaren und Emails forderten: Nächstenliebe, Respekt, aber auch die Pflicht, sich zu informieren.  Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass der Druck der Masse wirkt – zumindest was die Schnelligkeit angeht, denn der erzielte Kompromiss hätte sich wohl auch ohne die Macht aus dem Internet gefunden. Es bleibt aber auch ein bitterer Nachgeschmack: Das Internet ist zwar kein rechtsfreier, aber zumindest ein kodexfreier Raum.

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