Kontakte zu den Bandidos: Polizist wieder rausgeworfen

mlzVerwaltungsgericht Gelsenkirchen

Weil er Kontakte zu den Bandidos hatte, darf ein 23-Jähriger nicht mehr Polizist werden. Er ist noch während der Ausbildung rausgeflogen. Richtig, sagen die Richter.

Dortmund

, 07.08.2019, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon während der Schulzeit träumte der 23-jährige Amateur-Boxer von einer Karriere bei der Polizei. Doch daraus wird nun nichts mehr. Weil er Kontakte zu hochrangigen Funktionären der Bandidos hatte, ist er noch während der Ausbildung entlassen worden. Auch seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte am Mittwoch keinen Erfolg.

„Sie haben nicht die nötige Distanz gewahrt“, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. „Die Bandidos stehen auf der polizeilichen Gegenseite.“

Brisante Chat-Verläufe mit Bandidos-Chef

Der heute 23-Jährige war 2016 zur Polizei gekommen. Rund ein Jahr später war dann aber schon wieder Schluss. Nach einer Strafanzeige wegen Anstiftung zur Körperverletzung war die Wohnung des Kommissaranwärters durchsucht worden. Das anschließende Strafverfahren war zwar mit einem Freispruch zu Ende gegangen, die Durchsuchung förderte allerdings gleich eine ganze Reihe von brisanten Chat-Verläufen zutage.

Da wurde der Präsident des Bandidos-Chapter Hamm-Nord zum Beispiel mit „Bro“ für Bruder angesprochen. Außerdem wurde darüber geflachst, dass der Polizist sicher auch einen guten Gangster abgäbe. „Ich brauche jemanden, der die Bandidos deckt.“ So oder so ähnlich soll sich der Bandidos-Präsident damals ausgedrückt haben. Die angebliche Antwort des Polizisten: „Das kriegen wir bestimmt hin.“

Foto im Kreis der Rocker

Im Internet ist außerdem ein Foto aufgetaucht, bei dem der 23-Jährige im Kreis von Bandidos-Mitgliedern zu sehen ist. Darüber hinaus gibt es abfällige Bemerkungen über Polizisten – und zwar von ihm selbst.

Er selbst begründete Foto und Kontakte mit seiner früheren Tätigkeit als Türsteher. So habe er auch die Bandidos kennengelernt. „Mitglied wollte ich dort aber trotzdem nie werden.“ Und wer sich den Chat-Verkehr genau angucke, würde auch die Smilies und „Haha-Kommentare“ entdecken. „Dass ich zweigleisig fahren und den Klub decken will – das war doch absolut nicht ernst gemeint.“ Außerdem sei es für den Beruf des Polizisten doch gerade vorteilhaft, wenn man viele Menschen kenne.

Vertrauen in Amtsträger erschüttert

Bei der Dortmunder Polizei sieht man das allerdings etwas differenzierter. Vor allem, wenn es um hochrangige Funktionäre der Bandidos geht. „Intensive Kontakte zu Menschen aus der Rockerszene erschüttern das Vertrauen in die Amtsträger“, hieß es im Prozess.

Nach seinem Rauswurf hat der Ex-Polizist, der in Hamm wohnt, ein Studium begonnen. Aufgeben will er aber noch nicht. Sein Anwalt Peter Wehn: „Wir werden das Urteil auf jeden Fall vom Oberverwaltungsgericht überprüfen lassen.“

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