Warten auf den Lehrer. Bis der Physikraum aufgeschlossen wird, sammeln sich die maskierten Schülerinnen und Schüler auf dem Flur des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums. Rechts: unsere Volontärin Anne Scheibener. © Sarah Rauch
Schulstart in Dortmund

Kopfschmerz statt Konzentration: Ein Schultag mit Maske im Selbstversuch

Am Mittwoch war der erste Schultag nach den Sommerferien. In diesem Jahr wegen Corona mit Maskenpflicht im Klassenzimmer. Wie hält ein Schüler das aus? Wir haben es sechs Schulstunden lang getestet.

„Guten Morgen Frau Flack“, nuscheln die Schülerinnen und Schüler der 9b des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums hinter ihrer Maske. Für mich beginnt der erste Schultag seit meinem Abitur um kurz vor 8 Uhr mit Biologie. Und mit Maske. Es ertönt kein Gong. Der wurde coronabedingt abgedreht. Die Schüler sollen nicht alle auf einmal in die Klassen stürmen.

Nach 40 Minuten fragen die ersten Schüler, ob sie etwas trinken dürfen. Die Maske fängt an zu nerven. Wer Luft schnappen oder etwas trinken möchte, muss auf den Flur gehen. Mit 1,5 Metern Abstand zu anderen Schülern darf die Maske dort kurz abgenommen werden.

Lehrer zeigen sich solidarisch mit Schülern

Die Lehrer sind von der Maskenpflicht ausgenommen, da sie meist vorne an der Tafel den Sicherheitsabstand gewähren können. Alicia Flack trägt trotzdem einen Mundschutz. „Aus Solidarität mit den Schülern“, sagt sie.

Um zehn nach neun endlich die erste Pause. Heute sind die Stunden kürzer, wegen des heißen Wetters und der Maske. Die Bio-Lehrerin desinfiziert die Tische und Stühle und erinnert noch einmal ihre Schüler: „Vergesst nicht, euch die Hände zu waschen!“

Mundschutzpflicht auf dem Pausenhof

Richtig durchatmen kann ich trotz Pause nicht. Dafür sind zu viele Kinder und Jugendliche auf dem Pausenhof. Heute werden ebenfalls die neuen fünften Klassen am „Käthe“ begrüßt. Fast unmöglich, hier den Mindestabstand einzuhalten, um sich für einen Moment von der Maske zu befreien. Ich beschließe deswegen, kurz das Schulgelände zu verlassen. Maske runter und atmen.

Schulunterricht im Sommer am Dortmunder Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Das Land NRW veröffentlicht seit Kurzem die Zahlen zu Corona-Infektionsfällen an Schulen.
Schulunterricht im Sommer am Dortmunder Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Das Land NRW veröffentlicht seit Kurzem die Zahlen zu Corona-Infektionsfällen an Schulen. © Sarah Rauch (Archiv) © Sarah Rauch (Archiv)

Um 9.25 Uhr geht es in den Physikraum. Ein weiteres Problem, was die Maskenpflicht mit sich bringt: undeutliches Sprechen. Holger Stockmeyer trägt die Namen der Schüler in den Sitzplan ein. „Ihr müsst lauter sprechen, ich versteh euch unter der Maske sonst nicht“, sagt der Physiklehrer. Trotzdem ist Stockmeyer Befürworter der Maskenpflicht: „Ich unterrichte mit Maske, um mich auch selbst zu schützen. Ohne würde ich mich unwohl fühlen.“

Herbeifiebern des Schulschlusses

Um 11 Uhr beginnt die letzte Doppelstunde für den heutigen Tag. Ich bin mindestens so froh darüber, wie meine Mitschüler in der 9b. Bevor es in den Klassenraum geht, ziehen zwei Schülerinnen noch einmal schnell die Maske vom Mund und holen tief Luft. Bevor es im Raum nicht mehr erlaubt ist.

„Ich sag es jetzt zum letzten Mal!“, mahnt Frau Flack und zeigt auf ihre Maske. Daraufhin zieht der angesprochene Schüler seinen Mundschutz wieder über die Nase, und der Erdkundeunterricht wird fortgeführt.

Amelie meldet sich. „Ich bekomme nicht so viel Luft gerade unter der Maske“, sagt die Schülerin. Frau Flack schickt sie nach draußen, um an der frischen Luft mal richtig durchzuatmen. Auch ich schaue mittlerweile immer häufiger auf die Uhr und fiebere – geradezu buchstäblich – dem Schulschluss entgegen: Bei mehr als 20 Schülern an einem heißen Sommertag ist die Luft im Raum auch ohne Maske kaum noch ertragbar.

Der Großteil der Schülerinnen und Schüler der 9b am Käthe ist lieber mit Mundschutz in der Schule, als nur zu Hause digital unterrichtet zu werden.
Der Großteil der Schülerinnen und Schüler der 9b ist trotzdem lieber mit Mundschutz in der Schule, als nur zu Hause digital unterrichtet zu werden. © Sarah Rauch © Sarah Rauch

Am Ende des Schultags frage ich meine Mitschüler der 9b, wie sie den Tag hinter der Maske erlebt haben. Die einheitliche Meinung: „Anstrengend.“

Nach sechs Schulstunden weiche die Konzentration den Kopfschmerzen. Ich kann bestätigen, was meine Mitschüler beschreiben. Dabei musste ich mich nicht einmal ernsthaft an den Aufgaben beteiligen.

Keine Chance zum Durchatmen

Sobald ich am Mittag das Schulgebäude verlasse, habe ich den Drang, mir die Maske vom Mund zu reißen. Im letzten Moment erinnere ich mich daran, dass das auf dem Pausenhof noch nicht erlaubt ist. Ich verlasse schnellen Schrittes das Schulgelände.

Ich bin froh, dass ich meine Schulzeit hinter mir habe. Dass nicht einmal die Pausen eine Befreiung von der Maske bedeuten, fand ich am schlimmsten. Zu meiner Schulzeit waren das die Minuten, die ich zum Durchatmen an der frischen Luft gebraucht habe, um mit neuer Energie in die nächste Stunde zu starten – mit Maske nicht möglich.

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

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