Kopfschütteln über Dortmunds virtuelles Rathaus: Online-Daten noch mal abgetippt

mlzStadtverwaltung

Das „Virtuelle Rathaus“ soll den Dortmundern Behördengänge ersparen, in dem sie möglichst viel online abwickeln. Doch nicht alle Mitarbeiter der Bürgerdienste sind so weit wie ihre Kunden.

Dortmund

, 19.07.2019, 17:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Dirk Schroeder aufgefordert war, eine Viertelstunde lang seine Wünsche als Dortmunder Unternehmer an die Digitalisierung der Stadtverwaltung zu formulieren, hatte er etwas zu erzählen. In der verwaltungsinternen Veranstaltung am 22. Mai schilderte der Geschäftsführende Gesellschafter der Anker Schroeder ASDO GmbH seine Erfahrungen mit dem „Virtuellen Rathaus“. Und die waren nicht gut.

„Virtuelles Rathaus“ bedeutet, dass Bürger-Anträge online gestellt und beantwortet werden können, dass der Schriftverkehr mit der Verwaltung möglichst ohne Papier auskommt, und dass Akten in digitaler Form archiviert werden können. Die Vorteile für Bürger und Stadtverwaltung: Effizienz, Komfort, Zeitersparnis und Schonung von Ressourcen.

Das alles wollte Dirk Schroeder nutzen, als er vor einem Jahr sein Auto von der Firma auf sich privat ummelden lassen wollte. „Dazu musste ich nicht einmal das Kennzeichen abschrauben“, erinnert er sich. Schwieriger sei es gewesen, sich vom Gast des „Virtuellen Rathauses“ zum vollen Nutzer registrieren zu lassen. „Ich bin zunächst persönlich zur Stadt gegangen, musste aber eine Stunde vor Ende der Sprechzeit wieder gehen, weil ich nicht mehr drangekommen wäre. Ich musste also wiederkommen.“

Alle Daten noch mal eingetippt

Schließlich habe er aber das ganze Prozedere abgewickelt, „alle Daten eingegeben“ und erhielt dann den Bescheid, vom Gast zum Privatkunden des virtuellen Rathauses hochgestuft worden zu sein. Um sein Auto umzuschreiben, musste er aber noch mal bei den Bürgerdiensten vorbeikommen. So weit, so gut. Doch was dann kam, erstaunte Schroeder sehr. Die Sachbearbeiterin gab ihm schmunzelnd zu verstehen, „dass sie alle meine online gemeldeten Daten noch mal händisch in ihr System eingeben müsse“. Angeblich gab es keine Schnittstelle zwischen ihrem System und dem „Virtuellen Rathaus“.

Ist das „Virtuelle Rathaus“ nicht mehr als ein Potemkinsches Dorf, also eine Vorspiegelung falscher Tatsachen? Nein, sagt Manfred Kruse, Leiter der Bürgerdienste. Bei einer Kfz-Ummeldung werden die vom Halter online eingegebenen Daten automatisiert in das entsprechende Fachverfahren übermittelt. Zusätzlich wird über diese Anwendung ein Termin gebucht, um den Vorgang später mit dem Nutzer im sogenannten Backoffice im Hintergrund abschließend zu bearbeiten. Das sei auch schon vor einem Jahr so gewesen, versichert Kruse. Doch wie sich nach Anfrage dieser Redaktion herausgestellt habe, „kannte die seinerzeit damit befasste Mitarbeiterin leider noch nicht den hierfür notwendigen Bearbeitungsablauf.“

Üben mit der Dreckpetze

Für Dirk Schroeder ist Digitalisierung „ein tolles Werkzeug“, das in anderen Ländern bereits vorteilhaft genutzt werde und das er sich auch für Dortmund wünscht. Doch ob das „Virtuelle Rathaus“ bei der Stadtverwaltung ausgereift ist – da hat er seine Zweifel. Am 20. Mai dieses Jahres hat er versucht, einen Personalausweis online zu beantragen. „Mir wurde online vermittelt, dass ich ein biometrisches Passbild bei der persönlichen Beantragung mitzubringen habe. An anderer Stelle heißt es jedoch, dass dies NICHT mehr notwendig sei und ein Service angeboten wird, der sechs Euro zusätzlich kostet.“

Nach einer Fehlermeldung hätte er dann wenigstens einen Termin buchen können, berichtet Schroeder weiter: „Aber der war nicht in dieser Woche, auch nicht im nächsten Monat und in der offerierten letzten Juliwoche habe ich was anderes vor...“ Da sein alter „Perso“ noch ein paar Monate gültig sei, werde er es in ein paar Monaten noch mal versuchen. Und ein bisschen sarkastisch: „Solange übe ich weiter mit der Dreckpetze.“ Die Dreckpetze, das ist die App, mit der Bürger der EDG Schmuddelecken melden können.

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