Harte Kritik an neuer Rüttelstrecke in Dortmund: „Ein Treppenwitz“

mlzGegen Temposünder

Eigentlich soll die neue Rüttelstrecke im Dortmunder Westen Temposünder ausbremsen und Unfälle verhindern. Doch das Ergebnis löst Kopfschütteln aus. „Hier wurde viel Geld verpulvert“, heißt es.

Westrich

, 05.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viel Kritik hagelt es für die neuen Rüttelbalken, die auf einer unfallträchtigen Straße im Dortmunder Westen für mehr Sicherheit sorgen sollen. Das Urteil fällt hart aus. „Die Balken sind der Treppenwitz schlechthin. Sie bringen rein gar nichts. Deshalb wurde hier viel Geld verpulvert“, sagt Michael Zechner, Vorsitzender der CDU-Ortsunion Bövinghausen/Westrich.

Er habe die Wirkung der neuen Rüttelstrecke auf der Bockenfelder Straße mit seinem Auto getestet: „Wenn ich da mit 50 km/h drüber fahre, merke ich maximal eine leichte Unebenheit. Da fährt man einfach so drüber, ohne abzubremsen“, sagt Zechner. Autos mit einer breiten Spurweite würden das Hindernis gar nicht berühren.

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„Rüttelbalken wurden falsch gesetzt“

Eingebaut wurden die Rüttelbalken aus Gussasphalt Anfang April nur auf der südlichen Fahrspur, also in Fahrtrichtung Kirchlinde. „Die Balken wurden falsch gesetzt, viel zu weit entfernt von der kritischen Kurve“, so Zechner. Die einseitige Platzierung im Bereich Hausnummer 184 hatten Anwohner mit Hilfe eines Anwalts durchgesetzt. Zechner fordert eine Radaranlage, die in beide Richtungen blitzt. „Dann wäre hier Ruhe.“

Die Kritik des Lütgendortmunder Bezirksbürgermeisters fällt vorsichtiger und kürzer aus. „Ich hätte mir schon etwas Wirkungsvolles gewünscht“, sagt Heiko Brankamp (SPD) auf Anfrage.

Für die Baumaßnahme an der Bockenfelder Straße mussten vier Jungbäume abgesägt werden.

Für die Baumaßnahme an der Bockenfelder Straße mussten vier Jungbäume abgesägt werden. © (A) Beate Dönnewald

Grüne: „Keine Rüttelwirkung und mehr Unfallpotenzial“

Grünen-Sprecher Frank Meyer, der nach eigener Aussage mit seinem Ortsverband seit zwölf Jahren für eine Entschärfung der Linkskurve kurz vor der Einfahrt Lütge Vöhde kämpft, ist maßlos enttäuscht. „Die schmalen Bodenschwellen sorgen nach unserer Einschätzung einerseits kaum für eine ausreichende ,Rüttel-Wirkung‘ und werden andererseits von Autofahrern umfahren, indem auf die Gegenfahrbahn gewechselt wird“, so Meyer. Auch er befürchtet, dass Verkehrsteilnehmer noch vor oder in der Kurve wieder beschleunigen.

„Somit ist davon auszugehen, dass die aufwendige Maßnahme zur Unfallverhütung wirkungslos bleibt beziehungsweise sogar das Unfallpotenzial noch erhöht“, schreibt Meyer.

Tiefbauamt weist die Kritik zurück

Das Tiefbauamt weist die Kritik zurück. So erklärt Leiterin Sylvia Uehlendahl auf Anfrage, dass der Einbau „entsprechend der Ausführungsplanung“ erfolgt sei. Nach Anliegerbeschwerden habe man ein Konzept mit einer Standortverlegung und einer veränderte Anordnung der Rüttelbalken entwickelt.

Ziel der Rüttelstrecke sei es, die Aufmerksamkeit der Fahrer in Fahrtrichtung des Einmündungsbereich Lütge Vöhde zu erhöhen, um Unfälle, wie sie in der Vergangenheit im Kurvenbereich vorgekommen sind, zu vermeiden, so Uehlendahl. „Zusätzlich ist noch die Anschaffung und Aufstellung eines dynamischen Rückmeldesystems (Dialogdisplay) geplant.“

KOMMENTAR

Kritik ist nachvollziehbar

Weil ich es nicht glauben wollte, bin ich mit meinem Toyota Yaris direkt zweimal hintereinander über die neue Rüttelstrecke an der Bockenfelder Straße gefahren. Doch wie beim ersten Überfahren habe ich auch beim zweiten Test die flachen Schwellen unter mir kaum gespürt. Fraglich ist, ob eine bessere Qualität der Rüttelstrecke das Tempo der Autofahrer drosseln würde. In der Nachbar-Straße „Am Nocken“ jedenfalls gehen viele trotz der beidseitigen Balken nicht vom Gas. Planung und Ausführung sind hier wie an der Bockenfelder Straße am Ziel vorbeigeschossen. Das geplante Dialog-Display hingegen könnte aber durchaus Wirkung zeigen. Denn vor Schulen wurden damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Beate Dönnewald
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