Kreuzviertel-Biomarkt setzt verstärkt auf Unverpacktes

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Das Kornhaus gehört zu den ältesten Bio-Anbietern Dortmunds. Das Vermeiden von Verpackungsmüll war dort schon immer ein Thema. Jetzt geht Inhaber Stefan Schlepütz einen Schritt weiter.

Kreuzviertel

, 05.03.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum dritten Mal in ihrem Leben kaufe sie jetzt ihre Bioware unverpackt ein, erzählte eine ältere Kundin bei der Umstellung des Kornhaus Naturkostladens auf lose Ware: nach dem Krieg, weil es keine Verpackungen gab, dann in der Anfangszeit der Biolebensmittel, als die Produkte noch einzeln direkt vom Erzeuger kamen und schließlich neuerdings. Diesmal ist es das ökologische Bewusstsein, das Anbieter und Kunden dazu bringt, auf Plastiktüten und -behälter zu verzichten.

Neuerdings gib es im Kornhaus an der Lindemannstraße/Ecke Neuer Graben auch Nudeln, Getreide, Saaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenfrüchte, Gewürze und sogar Kosmetik und Allzweckreiniger in loser Form. Zuvor war vieles davon in Plastik verpackt, oft, weil es keine umweltfreundlicheren Alternativen gab. Aus Gläsern, Kanistern oder Schläuchen wird die Ware nun in mitgebrachten Behältern abgefüllt. Zuvor wandern sie auf die Waage, um das Gekaufte später korrekt berechnen zu können.

Sensibilisierung für Verpackung steigt

Das Kornhaus hat überflüssige Verpackung schon immer vermieden, erzählt Inhaber Stefan Schlepütz. Es gibt ein breites Mehrwegsortiment, auch für Milch, Joghurt und sogar Wein. „2013 haben wir 500 Brotbeutel verschenkt, aber das kam damals nicht so an. Sie wurden als Turnbeutel und für alles mögliche benutzt.“ Nur etwa fünf Stück kamen wieder an der Brottheke an.

Die Unverpackt-Theke im Kornhaus

Die Unverpackt-Theke im Kornhaus © Susanne Riese

Mit der Zeit hat aber die Sensibilisierung für das Thema Verpackung zugenommen. So ersetzte das Kornhaus-Team 2017 die dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse durch umweltfreundliche Beutel aus Maisstärke. Seitdem können die Kunden auch an der Käse- und Wursttheke ihre Einkäufe in mitgebrachte Behälter packen lassen. Dafür wandert ein Tablett über die Theke, so dass die Mitarbeiter die fremden Glas- und Tupper-Töpfe nicht berühren müssen. Etwa fünf Prozent der Kunden nutzen dieses Angebot. „Es werden aber stetig mehr“, sagt Stefan Schlepütz.

Von jeher setze der Naturkostladen auf Partner, die durchdachte Produkte anbieten. So gibt es im Kornhaus auch Brotaufstrich im Mehrwegglas und Beuteltee, bei dem der Faden angenäht und nicht mit einer Metallkrampe getackert ist. „Mit dem Unverpackt-Angebot gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter“, so Stefan Schlepütz.

„Loses & feines“ kommt an

„Unverpackt“ ist ein Schlagwort, das auch andere nutzen. Cem Erdogdu eröffnete im September 2018 mit „Pur - loses & feines“ wahrscheinlich den ersten Unverpackt-Laden in Dortmund. Rund 500 Produkte bietet er in der Saarlandstraße 118 in loser Form an - darunter Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Reis, Teig- und Backwaren und Saaten. Ein Großteil der Ware kann aus so genannten „Gravity Bins“ abgefüllt werden. Das sind Behälter mit einem Abfüllmechanismus. Daneben stehen Behälter mit kleinen Schaufeln zum Umfüllen.

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„Ich habe den Vorteil, dass ich keine frische Ware anbiete“, sagt Cem Erdogdu. Das macht den Umgang etwas einfacher, weil die Hygienevorschriften nicht so streng sind. Auch bei „Pur“ werden die von zuhause mitgebrachten Töpfe und Tiegel vor dem Einfüllen gewogen. Das machen die Kunden selbst, Erdogdu vertraut ihnen. „Ich habe eine ganz besondere Kundschaft“, sagt er, „mit einer besonderen Denke. Sie kaufen sehr bewusst ein und wissen die Qualität zu schätzen.“ Viele seien Stammkunden, aber rund die Hälfte derjenigen, die täglich in seinen Laden finden, sähe er zum ersten Mal.

Den ökologischen Vorteil, Ware in eigenen Behältern nach Hause zu tragen, wissen auch die Kunden der Bio-Supermärkte zu schätzen. Denn auch dort wächst der Bereich mit loser Ware. Einige, wie der Basic Biosupermarkt an der Kampstraße, haben dafür sogenannte Unverpackt-Stationen mit Getreide, Müsli und Nudeln eingerichtet.

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