Reiserückkehrer werden kostenlos auf Corona getestet. Warum nicht auch Senioren oder Behinderte, die zu Tests verpflichtet werden? © dpa / Grafik Klose

Kostenlose Corona-Tests? Ja, aber dann für alle

Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sind Corona-Tests Pflicht. Für Senioren und Behinderte vor der Aufnahme in ein Heim auch. Der Unterschied: Für Urlauber ist der Test umsonst.

Fast täglich gibt es neue Meldungen: In Kitas oder Schulen gibt es Corona-Fälle bei Kindern, Lehrern oder Erziehen. Die Konsequenzen sind unterschiedlich. Mal werden ganze Klassen für zwei Wochen in Quarantäne geschickt, mal vertraut man darauf, dass es dank Maskenpflicht im Unterricht an den weiterführenden Schulen keine Ansteckungen in der Schule gab.

Dieses Vertrauen fällt freilich Manchen schwer. Eine Dortmunder Familie wollte jetzt auf Nummer sicher gehen und ihren Sohn, in dessen Schulumfeld es einen Corona-Fall gab, testen lassen. Das geht aber nur, wenn sie den Test selbst zahlen, erfuhren sie nach einem Anruf beim Kinderarzt.

Tests für Reiserückkehrer

Das Verständnis dafür fiel der Familie schwer. Auf der einen Seite werden Menschen, die nicht freiwillig einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren, für einen Corona-Test zur Kasse gebeten, auf der anderen Seite werden Urlauber, die in Risikogebieten Urlaub gemacht haben, kostenlos getestet. Auch jene, die sich möglicherweise in einem Party-Urlaub selbst Ansteckungsgefahren ausgesetzt haben.

Nein. Ich plädiere nicht dafür, dass Urlauber ihre Tests grundsätzlich selbst bezahlen müssen. Dass sie kostenlos behandelt werden, wird mit dem Solidaritätsprinzip der Krankenversicherung begründet. Müsste man sonst nicht auch Raucher für ihre Lungenerkrankung selbst zahlen lassen? Und was ist mit Skifahrern, die sich auf der Piste ein Bein brechen? Auch das ist eine Gefahr, der sie sich selbst ausgesetzt haben.

Raucher wie Skifahrer können sich auf das Solidaritätsprinzip der Krankenversicherung verlassen. Und jetzt halt auch Urlauber in Corona-Zeiten, die zu Tests verpflichtet werden. Umso unverständlicher ist für mich aber, dass diese Solidarität nicht auch für jene gilt, die zuhause oft unfreiwillig mit Corona konfrontiert werden und sich deshalb testen lassen wollen – oder sogar müssen.

Pflicht-Tests vor Heimaufnahme

Auf die Spitze getrieben wird die Absurdität, wenn Senioren oder Behinderte vor einer Aufnahme in ein Pflegeheim dazu verpflichtet werden, einen Corona-Test zu absolvieren – und dafür zur Kasse gebeten werden. Sie haben sich nicht selbst einer Gefahr ausgesetzt, sondern werden zum Test verpflichtet, um andere zu schützen. Sie zeigen damit selbst die Solidarität, die ihnen selbst verwehrt wird, wenn es um die Kosten für den verpflichtenden Corona-Test geht.

Ich sage: Wenn Reiserückkehrer aus Risikogebieten kostenlos getestet werden, muss das erst recht für all jene gelten, die sich keiner Gefahr ausgesetzt haben und zu Tests verpflichtet werden. Solidarität muss für alle gelten.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich