Krebs-Diagnose per Hightech: Dortmund einer von vier Standorten weltweit

mlzHightech

Brust-Tumore können jetzt noch früher und präziser erkannt werden. Und das schmerzfrei. Das neue Diagnose-Verfahren gibt es weltweit bisher nur an vier Standorten. Einer davon ist Dortmund.

von Annette Feldmann

Dortmund

, 30.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Früherkennung ist gerade beim Brustkrebs lebensrettend, trotzdem nimmt nur gut die Hälfte der Frauen, die zum Mammographie-Screening eingeladen werden, die kostenlose Vorsorge im Rahmen des nationalen Screening-Programms wahr.

Wöchentlich sind es rund 1500 Patientinnen, die im Einzugsgebiet Dortmund-Hagen eine Mammographie machen lassen. 90 Prozent empfinden die Umstände der Untersuchung, die starke Kompression der Brust, als schmerzhaft und unangenehm.

Und es gibt auch Frauen, die gar nicht teilnehmen können: Weil sie Brustimplantate tragen oder einen Herzschrittmacher. Dabei sind durch rechtzeitige Vorsorge die allermeisten Brustkrebs-Erkrankungen heilbar. Für all diese Frauen gibt es jetzt eine neue Lösung.

Schnell und strahlungsarm

Ein Medizintechnik-Unternehmen aus Erlangen hat einen Mamma-CT, einen Brust-Computer-Tomographen, entwickelt. „Das ist ein absoluter Meilenstein in der Brustdiagnostik“, sagt Dr. Karsten Ridder. „Dieser erste Mamma-CT vereint alle Vorteile der bisherigen Diagnostik-Möglichkeiten, ist aber schmerzfrei, schnell und strahlungsarm. Vor allem ist er auch in schwierigen Diagnose-Fällen, z.B. bei dichtem Drüsengewebe, sehr viel präziser.“

Ridder ist programmverantwortlicher Arzt des nationalen Mammographie-Screening-Programms für die Region Dortmund/Hagen und Facharzt für Radiologie beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner in Dortmund. Und hier, im MVZ an der Kampstraße, steht auch das neue Gerät.

Die gescannten Bilder des Brustgewebes sieht Dr. Ridder auf dem Bildschirm als dreidimensionale Darstellung, die auch kleine Tumore und auch Mikrokalk viel besser erkennen lassen.

Die gescannten Bilder des Brustgewebes sieht Dr. Ridder auf dem Bildschirm als dreidimensionale Darstellung, die auch kleine Tumore und auch Mikrokalk viel besser erkennen lassen. © MVZ Dortmund

Darüber hinaus gibt es den Mamma-CT nur noch in den Universitätskliniken Zürich, Aachen und Erlangen. Das MVZ in Dortmund ist die erste Privat-Praxis, die die Entwicklung des Medizintechnik-Unternehmens AB-CT (Erlangen) den Patientinnen anbieten kann.

Mit dem Hightech-Gerät „Made in Germany“ sieht Ridder Dortmund als absoluten Vorreiter in der Brustdiagnostik der gesamten Region. Und dies sind die Gründe dafür:

2000 Bilder in 12 Sekunden

Das Gerät ist zwar äußerlich unspektakulär, die Technik der Computer-Tomographie an sich ist auch nicht neu, aber um sie für die Brustdiagnose einsetzen zu können, musste ein Verfahren erfunden werden, dass die präzisesten und aussagekräftigsten Bilder erstellt bei geringster Strahlendosis.

Das Herzstück ist darum die Detektoreinheit im Inneren des Gerätes. Der Scanner, der spiralförmig die Brust umkreist, liefert in 12 Sekunden pro Brust 2000 Bilder. Zum Vergleich: Bei der Mammographie sind es zwei Bilder pro Brust.

Die Grafik zeigt, wie die Brust innerhalb der Aussparung liegt und vom Scanner-Gerät spiralförmig umrundet wird.

Die Grafik zeigt, wie die Brust innerhalb der Aussparung liegt und vom Scanner-Gerät spiralförmig umrundet wird. © MVZ Dortmund

Aus den 2000 Projektionen setzt das Gerät eine dreidimensionale Abbildung der Brust zusammen, die eine viel exaktere Diagnose möglich macht als zweidimensionale Darstellungen.

Kein Schmerz, keine Röhre

Der Schmerz, den die meisten Mammographie-Patientinnen beklagen, entfällt. Es ist keine Kompression nötig und auch keine Röhre, die viele ebenfalls als beängstigend empfinden.

Die Patientin liegt bäuchlings auf dem Gerät über einer runden Öffnung für die Brust. Das Brustgewebe befindet sich dann berührungsfrei in einem Zylinder. Nach zweimal 12 Sekunden auf dem Gerät und insgesamt 5 Minuten ist die Untersuchung beendet.

Der Mamma-CT wird, so Ridder, die Mammographie nicht ersetzen, aber das Spektrum der Diagnose-Möglichkeiten ganz entscheidend verbessern. „Wir sehen es vor allem bei schwieriger Diagnostik wie dichtem Drüsengewebe, bei Vorerkrankungen oder um die Therapie zu planen bei Eingriffen, aber auch während der Therapie nach Brustoperationen. Und letztendlich würden wir den Mamma-CT natürlich bei jeder Patientin einsetzen, die eine Mammographie nicht machen kann oder will.“

Dabei gibt es nur einen Haken: Die Brust-Computer-Tomographie kostet 350 Euro und hat (noch) keinen Einzug in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen gefunden.

Lesen Sie jetzt