Große Razzia

Krimi-Thriller: Dortmunder Clan-Chef in Spanien auf der Flucht

Bei einer großen Razzia in Dortmund, Werl und Bochum sind am Donnerstagmorgen sieben Führungsmitglieder des Miri-Clans festgenommen worden. Jetzt gibt‘s weitere Details.
Bei einer Clan-Razzia im Ruhrgebiet haben Einsatzkräfte am frühen Donnerstagmorgen 21 Objekte in Dortmund und angrenzenden Städten durchsucht. © dpa

Mit einer Groß-Razzia ist die Polizei am Donnerstag gegen führende Personen des sogenannten Miri-Clans vorgegangen. Dabei konnten ein Bruder des Clan-Chefs sowie seine „rechte Hand“ – wie die Ermittler ihn bezeichneten – festgenommen werden.

Insgesamt seien sieben Personen zwischen 26 und 45 Jahren festgenommen worden, nur der Chef des Clans konnte nicht gefasst werden, wie die Polizei und die Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag mitteilten.

Wie viele weitere Haftbefehle außerdem offen blieben, wollte die Einsatzleiterin Annette Henning nicht beziffern. Staatsanwalt Thomas Manthei zählt insgesamt zwölf Personen als zugehörig zum Miri-Clan in Dortmund. Die fünf Brüder, die ihn anführen, heißen bürgerlich übrigens nicht Miri mit Nachnamen.

Die Polizei hat den Familienclan bereits seit Jahren im Visier. Aufgefallen war er in Dortmund erstmals bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahr 2015 an der Stahlwerkstraße in der Nordstadt um die Vorherrschaft im Kokaingeschäft.

Im Herbst 2018 ist der heute 35-jährige Clan-Chef im Brückstraßenviertel niedergestochen worden, im Sommer danach ist ein Angehöriger der Bandidos an der Hansastraße durch einen Schuss ins Bein schwer verletzt worden.

Der entscheidende Tipp sei jetzt aus Frankreich gekommen: Französische Behörden hätten im vergangenen Jahr Server hacken und so Chats der Clan-Mitglieder abrufen und mitlesen können. Dabei seien eindeutige Beweise für Kokain-Handel aufgefallen, sagte Staatsanwalt Thomas Manthei.

Clan-Chef meldete sich bei Instagram

Den Ermittlern war bereits im Vorfeld bekannt, dass sich der Clan-Chef seit längerer Zeit in Spanien aufhalte. Zuletzt ist am Mittwoch von seinem Instagram-Account ein Video veröffentlicht worden, das an einem Strand in Marbella aufgenommen sein soll. Sein öffentliches Profil hat 33.000 Abonnenten. Auf den Fotos ist er mit Musikern, teuren Autos und an Traumstränden posierend zu sehen.

Zeitgleich mit den Dortmunder Durchsuchungen sollte auch in Spanien der Zugriff erfolgen. Der 35-Jährige konnte bis zum Nachmittag jedoch nicht gefasst werden, so Staatsanwalt Thomas Manthei.

Stattdessen erwarteten die Ermittler aber einen anderen Verdächtigen in einem eigens dafür losgeschickten Flugzeug. Darin befand sich ein weiterer Bruder des Clan-Chefs, der in Albanien im Gefängnis saß und nach Deutschland ausgeliefert werde.

Dem am Donnerstag in Werl festgenommenen Bruder und dem Dortmunder, den die Polizei als „rechte Hand“ bezeichnete, wird unter anderem vorgeworfen, die mutmaßlichen Kokain-Depots des Clans verwaltet zu haben.

Langjährige Haftstrafen in Aussicht

Die Razzia war am Donnerstagmorgen um 6 Uhr gestartet, auch in Werl und Bochum waren Polizisten im Einsatz. In Dortmund sind 18 Gebäude durchsucht worden. Die Standorte seien über das Stadtgebiet verteilt gewesen, einen Schwerpunkt-Stadtteil könne man nicht ausmachen, sagte Einsatzleiterin Annette Henning.

Laut Polizei geht es um den Vorwurf des bandenmäßigen Handels mit Kokain „im zweistelligen Kilo-Bereich“ sowie mögliche Verstöße gegen das Waffengesetz. Ein Kilogramm hat laut Staatsanwalt Manthei einen Verkaufswert von mehr als 40.000 Euro.

Haftstrafen für die vorgeworfenen Delikte seien „nicht unter fünf Jahren“ vorgesehen, so Manthei. Für den flüchtigen Clan-Chef geht er von einer Freiheitsstrafen im zweistelligen Jahresbereich aus: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir jede einzelne Tat nachweisen können.“ Und Einsatzleiterin Henning ergänzte: „Wir hoffen tatsächlich, dass wir zumindest in Teilen den Miri-Clan und seine Strukturen hier in Dortmund zerschlagen konnten.“

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