Künstler wollen Nazis mit Riesen-Würfeln blockieren

Demo am 4. Juni

Dortmund blüht am 4. Juni die nächste große Nazi-Demo: Rund 400 Rechtsextreme, vielleicht auch mehr, werden zum sogenannten "Tag der deutschen Zukunft" erwartet. Überall in der Stadt laufen Vorbereitungen zum Gegenprotest. Das Schauspiel Dortmund will die Nazis auf ungewöhnliche Weise blockieren.

DORTMUND

, 19.04.2016, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vor dem Schauspielhaus probten die Künstler am Dienstag die Aktion.

Vor dem Schauspielhaus probten die Künstler am Dienstag die Aktion.

Mit großen silbernen Würfeln wollen die Künstler die für den 4. Juni angemeldete Nazi-Demonstration „Tag der deutschen Zukunft“ buchstäblich blockieren. Das Schauspiel ruft alle Dortmunder auf, an der so genannten "Spiegelbarrikade" mitzubauen. Es sollen am Ende mindestens 200 Würfel werden, die entlang der Demo-Route den Aufmarsch der Nazis behindern und ihnen den Spiegel vorhalten sollen.

Am Dienstagnachmittag übten die Künstler die Aktion schon einmal an der Katharinentreppe und vor dem Schauspiel am Hiltropwall:

Bei uns startet das erste Guerilla-Training für die aufblasbare #Spiegelbarrikade! #nonazisdopic.twitter.com/eovLXkUS12

— Schauspiel Dortmund (@SchauspielDo)

Toolsforaction #nonazisdohttps://t.co/dhVL0WBue4

— Dirk Baumann (@bouwmeester)

Route der Nazis steht noch nicht fest

Die wichtigste Info fehlt noch – die Route der Nazis. Ohne die zu kennen, können die meisten Gegenaktionen nicht abschließend geplant werden. Trotzdem behält die Polizei sich vor, die Route möglicherweise erst kurz vor dem Termin zu veröffentlichen. Bisher sei die Route auch der Polizei noch nicht bekannt, sagte am Dienstag Sprecher Kim Ben Freigang auf Anfrage, möglicherweise erfahre auch die Polizei erst kurz vor dem Termin, wo es lang geht.

Mit 400 Teilnehmern rechnet laut Polizei der Landesverband der Partei Die Rechte in ihrer Anmeldung der Demo. Doch es scheint denkbar, dass es mehr sein werden.

Sitzblockade geplant

Beim Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus laufen die Vorbereitungen. „Für eine definitive Planung ist es zu früh“, sagt dessen Co-Sprecher Pfarrer Friedrich Stiller, „solange wir die Route nicht kennen.“ Zurzeit sei der Arbeitskreis mit anderen Bündnissen im Gespräch, um die Aktionen zu koordinieren. Stiller sagt, er hoffe darauf, dass sich viele Dortmunder zu „dezentralen Aktionen entlang der Route“ entschließen.

Eine Sitzblockade plant das Bündnis Blockado. Die könne das Bündnis auch kurzfristig einsetzen, sagt Sprecherin Iris Bernert-Leushacke. Sie rechne für den 4. Juni mit mehr Gegendemonstranten als üblich: „Wir haben den Termin so bekannt gemacht wie möglich.“

Letzte große Nazi-Demo war im März 2015

Die Stadtverwaltung sagte am Dienstag auf Anfrage, die städtische „Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ unterstütze die Bündnisse bei deren Engagement. Außerdem sei das Festival „Dortbunt“ am 7. und 8. Mai an vielen Stellen der Innenstadt als „entschiedenes Signal für ein buntes Dortmund“ gedacht.

Den letzten großen Nazi-Aufmarsch gab es Ende März 2015 in Dortmund. Rund 700 Rechte zogen damals durch das Saarlandstraßenviertel. Zudem gab es zahlreiche Gegenveranstaltungen.

Die Würfelaktion: An diesen Wochenenden im Mai (jeweils Sa und So) können Engagierte an der Würfel-Aktion mitbauen: 7., 8. , 14., 15., 21., 22., 28., 29., Sa 11-18, So 11-16.30 Uhr. Infos und Anmeldung: spiegelbarrikade@theaterdo.de. Das Crowdfunding-Projekt ist .

 

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