Kulturinsel am Phoenix-See ist trotz Einbahnstraßenregelung gesperrt

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Am Phoenix-See läuft derzeit vieles anders als normalerweise, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Eine Einschränkung hat aber gar nichts mit dem Virus zu tun.

Hörde

, 14.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund um den Phoenix-See sind die Spielplätze menschenleer, Wiesen und Bänke nur spärlich bevölkert, Cafés und Restaurants geschlossen und Umrundungen sind nur in eine Richtung erlaubt.

Die Kulturinsel auf der Ostseite des Sees ist komplett abgesperrt. Doch das ist keine Anti-Corona-Maßnahme, wie einige vermuten. Die Absperrbaken dienen nicht dazu zu verhindern, dass sich zu viele Menschen auf der Insel tummeln oder sich auf dem engen Steg begegnen.

Denkmal aus Stahl für 80.000 Zwangsarbeiter

Es laufen Bauarbeiten auf der Insel. Dort entsteht ein Fundament für das neue Zwangsarbeiter-Mahnmal. Eine knapp vier Meter hohe stapelartige Stahlkonstruktion soll an die rund 80.000 sowjetischen Zwangsarbeiter in Dortmund erinnern. Sie arbeiteten im Zweiten Weltkrieg unter brutalen Umständen auf Zechen und in der Stahlindustrie. Fast ein Viertel davon musste für den Hörder Hüttenverein schuften.

Bagger und Bauarbeiter bereiten den Standort für das Mahnmal vor.

Bagger und Bauarbeiter bereiten den Standort für das Mahnmal vor. © Susanne Riese

1943 arbeiteten bei Hoesch – dort, wo heute Fußgänger um den See flanieren – rund 11.000 Männer und Frauen. Sie starben durch Hunger und Entkräftung, wurden gegen Kriegsende in Konzentrationslager deportiert oder exekutiert.

Das begehbare Mahnmal soll an diese schrecklichen Geschehnisse erinnern. Dazu wird es im Innern des etwa neun Quadratmeter großen Stahlwürfels beleuchtete Infoboxen und Grafiken geben. Wie bei einem Gefängnis erlauben Durchlässe zwischen den Stahlblechen Aus- und Einblicke.

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Ursprünglich sollte die aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Gedenkstätte am Südufer errichtet werden, am ehemaligen Emschertor, wo früher ein Auffanglager und der Zugang zum Werksgelände lagen. Weil es dagegen Proteste gab, einigten sich die politischen Vertreter auf den neuen Standort an der Südseite der Kulturinsel unweit der Thomas-Birne.

So soll das Mahnmal auf der Kulturinsel am Phoenix-See aussehen.

So soll das Mahnmal auf der Kulturinsel am Phoenix-See aussehen. © Pia Emde

Das von FH-Absolventin Pia Emde entworfene Kunstwerk sollte ursprünglich schon 2015 umgesetzt werden, der Rat hatte dem Entwurf bereits 2014 zugestimmt. Doch Bedenken und Proteste der Anwohner führten zu Verzögerungen. Nun aber ist zumindest das Grundgerüst bereits erstellt.

Eröffnungstermin steht noch nicht fest

Ob das neue Mahnmal wie geplant am 8. Mai zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eröffnet werden kann, wie es sich unter anderem der historische Verein ArkodM wünscht, steht wie so vieles derzeit in den Sternen. Zumindest wird das Innere wegen des begrenzten Platzes kaum für Besuche freigegeben werden, solange das Versammlungsverbot gilt.

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Von diesen allgemeinen Regeln wird es auch abhängen, wie es mit der Einbahnstraßenregelung am See weitergeht, sagt Stadtsprecher Christian Schön. „So lange die derzeit geltenden Abstandsregeln und das Ansammlungsverbot gelten, wird diese Regelung aufrechterhalten.“ Sollte der Corona-Fahrplan der Bundes- und Landesregierung in den nächsten Tagen Lockerungen vorgeben, würden die Vorschriften neu überdacht.

Am 3. April hatte die Stadt den Rundweg für Fußgänger, Radfahrer und Skater in eine Richtung gesperrt. Vor allem mit Blick auf Ostern befürchtete man zu enge Begegnungen auf den Wegen.

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An den Feiertagen hat das aus Sicht der Stadt gut funktioniert. Es waren vermehrt Mitarbeiter von Ordnungs- und Grünflächenamt sowie Sicherheitskräfte unterwegs, um auf das Einhalten der Regeln zu achten. „Insgesamt war über Ostern am See weniger los, als an einem normalen Wochenende“, so Schön. Einige Nicht-Dortmunder hätten offenbar noch nichts von der Richtungs-Vorgabe am See gewusst, aber der Herdeneffekt hätte doch die meisten in der Spur gehalten.

Inzwischen habe sich langsam herumgesprochen, dass es am See nur noch im Uhrzeigersinn vorwärts geht. Ordnungskräfte werden laut Stadt dort aber weiterhin täglich im Einsatz sein.

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