Experten warnen vor weiteren Schließungen im Dortmunder Einzelhandel (Symbolbild). © Sarah Rauch (Archiv)
Einzelhandel

Ladenschließungen in Dortmund: „Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht“

Dortmunds Innenstadt ist in Zukunft um gleich fünf teils traditionsreiche Geschäfte ärmer. Es werden nicht die letzten Schließungen sein. Experten sehen Corona als Katalysator.

Es war ein Schlag für den Dortmunder Einzelhandel: Am Mittwoch (15.9.) wurde bekannt, dass gleich fünf Geschäfte in der Dortmunder Innenstadt in Kürze schließen werden. Mit dabei sind teils traditionsreiche Unternehmen.

Experten aus dem Einzelhandel wissen: Die Schließungswelle rollt nicht nur über Dortmund – und der Wellengang wird so schnell nicht nachlassen.

Gleich drei Geschäfte in der Umgebung des Westenhellwegs werden bis Ende des Jahres schließen. Auch das Übergrößengeschäft Wilhelm am Ostwall und die beliebte Bäckerei Dreischulte an der Davidisstraße, beide rund 100 Jahre alt, machen demnächst zu. Es sind nicht die ersten Schließungen.

Ladensterben kein Dortmunder Problem

Auf Dortmunds Einkaufstraße, dem Westenhellweg, stehen bereits länger mehrere Geschäfte leer. Die Lage am oberen Westenhellweg beschreibt Tobias Heitmann, Vorsitzender des City-Rings, der Interessenvertretung der City-Händler als „dramatisch“. Die Mehrzahl der Leerstände befindet sich auf diesem Abschnitt.

Das Phänomen gibt es auch in anderen Städten. Die Größe spielt dabei keine Rolle, sagt Ulf Wollrath: „Auch anderenorts gibt es eine extreme Ausdünnung des Einzelhandels.“ Der Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dortmund macht den Strukturwandel dafür verantwortlich.

„Die Leute müssen nicht mehr zwingend in die Stadt“, so Wollrath, „der Onlinehandel wird immer größer“. Konsummuster würden sich verändern. Das sei normal. Diese gesellschaftlichen Veränderungen schlagen sich laut Handelsexperten hier nieder. In unseren Innenstädten.

Corona hat den Strukturwandel um zehn Jahre beschleunigt

Shoppen und dabei nicht einmal das Haus verlassen – besonders die Textilhändler verzeichnen hohe Zugewinne im Onlinehandel. Damit sind sie direkte Konkurrenz für den lokalen Einzelhandel.

„Corona hat den Strukturwandel um acht bis zehn Jahre beschleunigt“, erklärt Wollrath und beruft sich auf Untersuchungen des Instituts für Handelsforschung in Köln. „Die Bedingungen für den lokalen Handel werden immer härter“, weiß der Experte, „Da ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht.“ Den langfristigen Trend der Schließungen im Einzelhandel könne man nur verzögern.

„Die City wird anders sein“

Aber es gibt Hoffnung für den Einzelhandel. Denn eine Innenstadt ohne ihn kann sich auch der Handelsexperte nicht vorstellen. Dieser sei in Zukunft nur nicht mehr dominant. Die Zukunft des Handels in der Dortmunder City sieht Wollrath in der Verbindung mit Gastronomie und Kultur.

Darauf setzt auch der City-Vorsitzende Heitmann: „Es muss wieder Spaß machen einzukaufen“. Die Leute müssten mit Events in die City gezogen werden. Neue Anreize müssen her. Der Kunde von heute wünscht sich ein Einkaufserlebnis, da sind sich die beiden Experten einig.

Eine Zukunft für Dortmunds Handel

Dortmunds Zentrum muss sich verändern, um im Strukturwandel nicht unterzugehen. Die Hoffnung: ein Citymanagment. Zwei Experten sollen in den nächsten eineinhalb Jahren dafür sorgen, dass sich Dortmunds City neu erfindet.

Das Dortmunder Planungsbüro „Stadt + Handel“ wurde von der Stadt damit beauftragt, die City zu beleben. „Die aktuellen Schließungen zeigen die Notwendigkeit der Aufgabe“, so Stefan Postert von „Stadt + Handel“.

Das Citymanagement, ein dauerhaftes Bündnis von allen City-Akteuren und der Stadtverwaltung, soll eine Zukunft für die Dortmunder Innenstadt entwickeln. Wollrath unterstützt das Vorhaben: „Wir wissen alle, dass jetzt dringend was passieren muss.“

Und es scheint etwas zu passieren. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Postert.

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