Yvonne (43) hat in der Nacht auf Donnerstag (6. Mai) ihr Zuhause verloren. Die Schlafstelle der Wohnungslosen nahe der Dortmunder Reinoldikirche ist aus noch ungeklärter Ursache abgebrannt. © Bastian Pietsch
Mitten in der City

Lager von Wohnungslosen abgebrannt: Yvonne (43) hat fast alles verloren

Am späten Mittwochabend (5. Mai) gehen die Habseligkeiten von Wohnungslosen an der Reinoldikirche in Flammen auf. Sie selbst sind zum Glück nicht da, haben nun aber wenig mehr als ihr Leben.

Am Mittwochabend (5. Mai) haben zwei Menschen in Dortmund ihr Zuhause und fast alles, was sie besitzen, an das Feuer verloren. Der Brand an einem der bekanntesten Orte der Stadt hat die Schlafstelle von Yvonne (43) und Roman (28) im Schatten eines großen Bekleidungs-Einzelhändlers zerstört. Nun steht Yvonne mit kaum etwas da, als der Kleidung, die sie trägt.

Die Spuren des Brandes, der laut der Feuerwehr Dortmund um 22.12 Uhr die Brandmelde- und Sprinkleranlage des Bekleidungsgeschäftes am Ostenhellweg ausgelöst hat, sind noch deutlich zu erkennen. Eine schwere Metalltür am überdachten Notausgang direkt am Pylon an der Reinoldikirche weist starke Brandflecken auf, bis unter das Vordach ist die Wand geschwärzt. Das Feuer war so heiß, dass eine Schaufensterscheibe gesprungen ist. Von den Habseligkeiten, die dort verbrannt sind, fehlt jede Spur.

Hinweise führen zu Yvonne

Ebenso wie zunächst von deren Besitzern. Die Polizei gibt an, es werde wegen des Verdachts auf Brandstiftung ermittelt – ob vorsätzlich oder fahrlässig, sei noch nicht klar. Ein oder mehrere Geschädigte haben sich bis Freitagabend (7. Mai) noch nicht gemeldet. Die City-Wache liegt zwar in Sichtweite der Brandstelle, ist aber nachts nicht besetzt.

Die Frau, die sagt, sie habe in der Nacht ihr Zuhause verloren, steht am Donnerstagmittag (6. Mai) im Regen auf dem Westenhellweg – zufällig in unmittelbarer Nähe unseres Pressehauses – und bittet eine Passantin um einen Kaffee. Hinweise von anderen Wohnungslosen und von zwei Mitarbeitenden der Hilfsorganisation Bodo führen zu ihr.

Die erste Sorge galt dem „Plattenpartner“

Yvonne erzählt, dass sie seit etwa zwei Monaten an der Reinoldikirche schlafe, ebenso wie ihr „Plattenpartner“ Roman. „Wir sind aber kein Paar“, betont sie. Dennoch habe ihre erst Sorge ihm gegolten, als sie gegen halb zwei in der Nacht, wie sie sagt, nach Hause gekommen sei und an Stelle ihrer Sachen nur eine bereits abgeräumte Brandstelle vorgefunden habe. „Mir ist das Herz fast stehen geblieben“, sagt sie.

Am Donnerstagmittag sind die Spuren der Flammen deutlich zu erkennen. Von denen, die dort ihr zeitweises Zuhause hatten, fehlt zunächst jede Spur.
Am Donnerstagmittag sind die Spuren der Flammen deutlich zu erkennen. Von denen, die dort ihr zeitweises Zuhause hatten, fehlt zunächst jede Spur. © Bastian Pietsch © Bastian Pietsch

Unter Tränen habe sie nach Roman gesucht, versucht herauszufinden, was passiert ist. Dann habe sie ihn gehört, wie er nach ihr gerufen habe. Beiden gehe es den Umständen entsprechen gut. Auch er sei nicht da gewesen, als die Schlafstelle in Brand geriet. Er ist am Donnerstagmittag nicht zu finden. Auch nicht am Supermarkt im Dortmunder Norden, wo er sich laut Yvonne regelmäßig aufhält und wo ein anderer Wohnungsloser angibt ihn zu kennen.

Sogar die Fotos der Kinder sind weg

Außer ihrer Kleidung und einem kleinen Handkarren mit einem Regenschirm dran habe sie nichts mehr, sagt Yvonne. „Mein Schlafsack, meine Kleidung, neue Schuhe, die ich für den Sommer hatte, Fotos von meinen Kindern, das ist jetzt alles weg.“ Die Nacht habe sie bei einem Bekannten, ebenfalls unter freiem Himmel, verbracht.

Einige ihrer Sachen, wie zum Beispiel den Schlafsack, könne sie wohl dank Hilfsorganisationen wie dem Gast-Haus, dem Verein Bodo oder der Drogenhilfeeinrichtung Café Kick ersetzen. In Bezug auf die meisten anderen Sachen bleibt Yvonne nur ein Schulterzucken. „Das waren viele Dinge, an denen ich gehangen habe.“

Schon früher seien Menschen ihr gegenüber aggressiv gewesen. Nicht mit Feuer, aber sie sei zum Beispiel schon beklaut worden. Wenn man sich umhört, wird klar: Auch dass die Schlafstelle eines Obdachlosen abbrennt, kommt in Dortmund nicht zum ersten Mal vor.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch
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