Ute Mais mit Parteitags-Tasse. Die Dortmunder Delegierte freut sich auf das richtungsweisende Online-Treffen der Bundespartei. © Luca Mais
Digitaler Parteitag

Laschet? Merz? Röttgen? – Wen Dortmunds Delegierte als CDU-Chef wählen wollen

Wenn 1001 CDU-Delegierte am Samstag, 16. Januar, ihren neuen Bundesvorsitzenden wählen, stimmen drei Delegierte aus Dortmund mit. Sie alle haben einen Favoriten – und ein Hintertürchen offen.

Das runde schwarze Paket, das am vergangenen Montag (4. Januar) bei Ute Mais eintraf, weckte bei der CDU-Ratsfrau das Parteitags-Feeling. Die 57-Jährige gehört neben dem früheren Dortmunder CDU-Parteichef Steffen Kanitz und der ehemaligen Oberbürgermeisterkandidatin Dr. Annette Littmann zu den drei Dortmunder Delegierten, die auf dem CDU-Parteitag am Samstag (16. Januar) ihren neuen Bundesvorsitzenden wählen.

Auch wenn der Parteitag corona-bedingt erstmals digital ist, die insgesamt 1001 Delegierten also zu Hause oder anderswo am Rechner sitzen, enthielt die schwarze Paket-Rolle aus der Parteizentrale unter anderem einen Mundschutz, Desinfektionsmittel und die traditionelle Parteitagstasse. Wichtigstes Utensil ist allerdings der Einwahl-Code für das Geschehen, das auch die Weichen für den nächsten CDU-Kanzlerkandidaten stellen könnte.

Alle drei Dortmunder Delegierten haben denselben Favoriten für den Parteivorsitz, wollen aber die letzte Entscheidung von einer Videokonferenz abhängig machen, zu der sie für Donnerstag (14.1.) die knapp 1600 CDU-Mitglieder in Dortmund einladen, um ein Meinungsbild einzuholen.

Röttgen gilt als Außenseiter

Für alle drei gilt der Außenpolitiker Norbert Röttgen als Außenseiter, die Entscheidung spitze sich auf NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz zu. Kanitz, Littmann und Mais sehen aktuell Armin Laschet als den geeignetsten Mann für die Parteispitze.

Vor zwei Jahren hätte sie noch Friedrich Merz gewählt, der ihr wirtschaftspolitisch näher stehe als Laschet, sagt Annette Littmann, doch seit Merz‘ Verhalten nach seiner Wahlniederlage gegen Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) um den Parteivorsitz im Herbst 2018 habe sich das geändert. Er habe damals das Angebot von AKK ausgeschlagen, im CDU-Präsidium mitzuwirken, und der Partei auch die erbetene Unterstützung im Europa-Wahlkampf versagt mit der Begründung, er habe kein Amt in der CDU.

Dr. Annette Littmann stößt sich am Verhalten von Friedrich Merz.
Dr. Annette Littmann stößt sich am Verhalten von Friedrich Merz. © Bastian Pietsch (A) © Bastian Pietsch (A)

Littmann: „Das kann man nicht machen. Merz ist ein brillanter Redner, ein sehr guter Analytiker, doch für das Amt des Bundesvorsitzenden hat er sich in meinen Augen disqualifiziert.“ Aktuell sieht sie keine Argumente, die sie vom Gegenteil überzeugen könnten.

An Ausschlusskriterien orientiert

Auch Ute Mais hat sich an Ausschlusskriterien orientiert und sich „ziemlich auf Armin Laschet festgelegt.“ Merz sei ihr zu einseitig auf die Wirtschaft ausgelegt, habe sich zuletzt zu sehr aus der politischen Diskussion herausgehalten, zu sehr polarisiert und zu wenig Kompromissbereitschaft gezeigt. „Beim Parteivorsitz geht es nicht nur darum, seine eigene Meinung durchzusetzen.“

Bei Laschet vermisse sie zwar zuweilen Charisma, sagt Mais, er sei nicht der weiße Ritter, doch er höre zu, sei offen für Diskussionen, entwickle Ideen und bringe die gesamte Partei unter einen Hut. Sie schätze an ihm seine Verbundenheit mit der Basis. „Ich habe bei ihm einfach ein besseres Gefühl.“

Auch Steffen Kanitz sieht Merz kritisch, Merz sei lange von der politischen Bühne weg gewesen und versuche, Fragen der Zukunft mit Antworten aus den 90er-Jahren für das 21. Jahrhundert zu lösen. Aber er habe auch Sympathien für Friedrich Merz, sagt Kanitz: „Er würde Deutschland im atlantischen Bündnis sicherlich eine starke Stimme verleihen.“

Laschet hat die Nase vorn

Doch für Laschet spreche dessen Regierungserfahrung, meint Kanitz. Man könne das Corona-Management der Landesregierung kritisch sehen, räumt er ein, doch Laschet sei es gelungen, den zerstrittenen Landesverband wieder zu einen. „Armin Laschet ist kein Spalter, sondern jemand, der zusammenführt. Er ist kein Lautsprecher, sondern jemand, der moderieren kann.“ Die Zahlen in NRW zeigten, etwa bei der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaft, „dass Laschet gut geliefert hat. In der Abwägung des Gesamtpakets hat Laschet die Nase vorn.“

Auch der ehemalige CDU-Kreisvorsitzende Steffen Kanitz will sich wie Mais und Littmann vor der Abstimmung ein Meinungsbild der Dortmunder Christdemokraten einholen.
Auch der ehemalige CDU-Kreisvorsitzende Steffen Kanitz will sich wie Mais und Littmann vor der Abstimmung ein Meinungsbild der Dortmunder Christdemokraten einholen. © © Schaper (A) © © Schaper (A)

Letzte Sicherheit für ihre Entscheidung versprechen sich alle drei Delegierten von der Stimmungslage bei der örtlichen Videokonferenz mit ihren Parteimitgliedern.

Und noch eines zeichnet sich im Vorfeld des Bundesparteitags ab: Wenn auch der gewählte Parteivorsitzende das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur hat, könnte die Delegiertenversammlung eine neue Tür für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als jungen Hoffnungsträger der CDU aufstoßen.

„Vieles ist wirklich offen“

Die Stimmung innerhalb der CDU, dass beide Ämter – Parteivorsitz und Kanzlerschaft – in eine Hand gehörten, habe sich „ein bisschen“ gedreht, meint Kanitz: „Vieles ist wirklich offen.“

Jens Spahn sei sicherlich ein Mann der Zukunft in der CDU, meint der ehemalige Dortmunder Kreisvorsitzende vorsichtig. Ute Mais geht da weiter: „Für mich ist Jens Spahn ein Kandidat für die Kanzlerkandidatur.“ Es mache Sinn, die Ämter zu teilen, zumal Laschet ohnehin bei der Kandidatur für den Parteivorsitz im Tandem mit Spahn antrete. Mais: „In einem Duo Laschet/Spahn sehe ich das größte Potenzial.“

Probelauf für den Parteitag

Mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und Laschet-Konkurrenten Markus Söder (CSU) als Kanzlerkandidaten täten sich alle drei Delegierten schwer.

Der digitale Parteitag wird bereits am 15. Januar um 18 Uhr eröffnet. Die Wahl des Bundesvorsitzenden steht dann am darauffolgenden Morgen als erster Punkt auf der Tagesordnung. Am 12. Januar gibt es einen öffentlichen Probelauf. Da wird das Parteitags-Feeling bei Ute Mais noch einen Zacken zulegen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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