Maskenpflicht und Abstandsregelungen sind in Dortmund zuletzt gelockert worden. Nehmen deshalb Erkrankungen abgesehen von Corona wieder zu? (Symbolbild) © dpa
Infektionsrisiko

Laufende Nase, Halsschmerzen: Nehmen andere Krankheiten als Corona zu?

Im Sommer sind viele Corona-Maßnahmen gefallen. Menschen sind sich auch ohne Masken wieder näher gekommen. Das wirkt sich auch auf andere Infekte aus.

Menschen kommen aufgrund der noch niedrigen Inzidenzen wieder enger zusammen. Das hat Auswirkungen auf die Zahl der Corona-Infektionen in Dortmund, die zuletzt wieder leicht stieg. Neben Abstandsregeln ist auch die Maskenpflicht eine Maßnahme zum Infektionsschutz.

Sie ist in den Sommermonaten deutlich zurückgenommen worden. Ist dadurch festzustellen, dass auch andere Krankheiten wie Erkältungen und grippale Infekte wieder häufiger auftreten?

Diese Fragen hat die Redaktion zunächst den Krankenkassen gestellt, bei denen Krankmeldungen zusammenlaufen. Die BIG-Krankenkasse konnte diese Vermutung nicht bestätigen. Dort gingen die Krankmeldungen wegen Atemwegserkrankungen sogar zurück. Aus Sicht der Viactiv ist aber der Trend zu erkennen, dass Atemwegserkrankungen aktuell wieder zunehmen.

Krankschreibungen steigen an

Die Krankenkasse hat sich Krankschreibungen wegen Erkältungskrankheiten, grippaler Infekte und Bronchitis genauer angeschaut und hat festgestellt, dass sie von Mitte Mai bis Anfang Juli mit wöchentlichen Schwankungen grundsätzlich gestiegen sind.

Zählte die Viactiv im Mai bundesweit noch 85 Meldungen, sind es Anfang Juli 182. Für die anderen Juliwochen liegen noch keine abschließenden Zahlen vor, doch auch hier sei ein Trend zu mehr Krankschreibungen wegen dieser Erkrankungen zu vermuten, heißt es von Viactiv.

Auch für Dortmund zeichnet sich dieser Trend ab (drei Krankschreibungen Mitte Mai, acht Krankschreibungen Anfang Juli), wenngleich aufgrund der geringeren Fallzahlen mehr Spielraum für Schwankungen besteht.

Bundesweit wurden Corona-Maßnahmen im Juni schrittweise gelockert. Menschen durften sich wieder in größeren Gruppen treffen. Abstandsregelungen entfielen. Am 21. Juni durften die Menschen in Dortmund im öffentlichen Raum wie auf dem Westenhellweg wieder auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verzichten.

Mehr Abstand bedeutet weniger Kontakt zu Viren

Ein Sprecher der IKK bestätigt wie Viactiv, dass Atemwegserkrankungen zuletzt wieder zugenommen haben und liefert eine Erklärung mit: Die Menschen seien wegen der Corona-Maßnahmen weniger mit Viren in Kontakt gekommen und hätten dementsprechend eine geringere Immunabwehr gegen diese aufbauen können.

Nach den Lockerungen seien sie Menschen wieder mehr untereinander und damit auch mit Erkältungsviren in Kontakt gekommen. Dementsprechend seien mehr Ansteckungen zu verzeichnen, obwohl die Sommermonate nicht als Erkältungsmonate bekannt sind.

Die Zunahme bekäme die IKK auch von Hausärzten gespiegelt. Der Dortmunder Hausarzt Igor Nemet, der seine Praxis in Sölde hat, kann die Beobachtung seiner Kollegen bestätigen. „Der Anstieg ist nicht dramatisch, aber wir merken, dass wir aktuell wieder mehr Patienten mit grippalen Infekten haben“, sagt Nemet. Er erklärt sich den Anstieg wie die IKK.

„Wir bieten Patienten, die Fieber oder Halsschmerzen haben, an, dass sie bei uns in die Infektionssprechstunde kommen“, sagt Igor Nemet. „Ich finde super, dass viele vorher schon einen Schnelltest machen, um eine Corona-Infektion auszuschließen. Ihnen ist aber wichtig, dass sich ein Arzt ihren Gesundheitszustand ansieht.“ Nach wie vor könne er eine Arbeitsunfähigkeit auch nach telefonischem Kontakt ausstellen, ergänzt Nemet.

Nachfrage in Apotheken steigt

Leiden die Menschen an einer Erkältung oder einer Grippe, decken sich viele selbstständig mit lindernden Mitteln ein. Der Apotheker Michael Mantell merkt, dass die Nachfrage nach Nasenspray oder Bronchitis-Medikamenten zuletzt gestiegen ist.

„Zu Beginn der Pandemie ist sie mit dem ersten Lockdown und den Maßnahmen nahezu eingebrochen“, sagt Mantell. In den vergangenen Wochen habe er nach den Lockerungen aber wieder deutlich mehr verkauft. „Für mich zeigt das, dass Masken als Infektionsschutz funktionieren – für verschiedene Erkrankungen.“

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland

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