Rüde Jugendliche verdrängten Kirchlinder Corona-Sänger mit lauter Musik

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Ein Zeichen gegen die Einsamkeit durch die Corona-Beschränkungen sollte es sein, das Corona-Singen in Kirchlinde. In dieser Woche wurden die Sänger rüde vertrieben.

Kirchlinde

, 06.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die einen klatschten für die Leistungen der unterbezahlten Pflegekräfte, Kirchen riefen mit abgestimmten Gongschlägen zur zeitgleichen, aber getrennten Andacht auf und einige Menschen gingen auf ihre Balkone, um zu singen. So war das am Anfang der Corona-Krise

Das Singen auf dem Balkon fand auch Hans-Peter Naumann toll. Der Pfarrer und Religionslehrer an der Berufsschule Hagen fand schon vorher den mangelhaften Kontakt in seiner Nachbarschaft an der Westerwik-Straße bedrückend.

Dann kam Corona.

Singen gegen die Einsamkeit

„Einsamkeit ist auch eine Seuche“, so der Pfarrer. Deshalb lud er seine Nachbarn, auch aus der Egilmarstraße und der Wasserstraße, zum Corona-Singen ein.

Der Ort des gemeinsamen Singens war schnell gefunden, das Kirchlinder Ehrenmal. Das hat passenderweise aufgrund seiner Brüstung auch den Charakter eines Balkons.

Jeden Abend um 19 Uhr begann das Corona-Singen. Ein fester Kern von zehn Sängerinnen und Sängern stand Hans-Peter Naumann dabei zur Seite. Für jedes Treffen suchte Naumann fünf Lieder aus, Volks-, Pop- und Kirchenlieder, die jeder Teilnehmer ohne Proben mitsingen konnte.

Die Gruppe sang zwar nicht vor Zuschauer-Mengen, doch vielen Nachbarn dienten ihre Fenster als Tribünen-Platz. Und weil zu dieser abendlichen Zeit viele Hunde ausgeführt werden, kamen auch immer Passanten vorbei.

Erstes Singen nach der Sommerpause

Bis zum Beginn der Sommerferien kamen so über 100 Corona-Singen zusammen. Für Montag (3.8.) hatte Naumann zum ersten Singen nach der Ferien-Pause eingeladen. Doch noch waren nicht alle Stamm-Sänger wieder aus dem Urlaub zurück, nur zu dritt waren die Teilnehmer diesmal. „Mit so wenigen zu singen, erfordert viel Mut“, lobte Naumann seine Mitstreiter.

Am Dienstag (4.8.) aber verließ die Corona-Sänger der Mut. Während dieses Singens eroberte eine Gruppe Jugendlicher das Kirchlinder Ehrenmal. Sie störten den Gesang mit Musik aus Lautsprechern.

Als Hans-Peter Naumann die Jugendlichen bat, mit der lauten Musik ein wenig zu warten, denn die Corona-Singen dauern in der Regel nur zehn Minuten, wurde er nach eigenen Angaben übel beschimpft.

„Nur gekommen, um uns zu vertreiben“

Frustriert zogen sich die Sänger zurück, die Polizei wurde aber nicht verständigt. Doch in seiner ersten Enttäuschung entschied Naumann, vorerst kein Corona-Singen mehr zu veranstalten.

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Der Frust sitzt auch deshalb tief, weil die Gruppe Jugendlicher das Ehrenmal kurz nach den Sängern ebenfalls räumte. „Die sind nur gekommen, um uns zu vertreiben“, berichtet Sängerin Gertrud Klein.

In Gesprächen will Hans-Peter Naumann nun herausfinden, ob seine kleine Sänger-Schar nochmal den Mut findet, in Kirchlinde Musik zu machen.

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