Lebensrettendes Vorzeigeprojekt in Brackel droht zu scheitern

mlzErste Hilfe

Rund 25 Defibrillatoren sollten für den Stadtbezirk Brackel angeschafft werden. Damit auch medizinische Laien im Notfall helfen können. Nun gibt es Ärger, der das Projekt gefährdet.

Brackel

, 23.01.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollte ein Vorzeigeprojekt werden: bei einem Herzinfarkt soll in Brackel die Erste Hilfe so gut funktionieren wie sonst kaum irgendwo in Deutschland. Der Brackeler Gewerbeverein hatte sich im vergangenen Jahr für die Anschaffung von automatisierten externen Defibrillatoren (kurz AED) engagiert. Jetzt sieht es so aus, dass das Vorhaben wohl zu teuer wird.

Die Idee: Über die Feuerwehr, eine Rettungs-App, das Defibrillator-Kataster oder Beschilderungen sollten Bürger die Ersthelfer schnell erreichen. Auch die DSW21 wäre mit einbezogen worden, damit die Fahrer im Notfall einen der mit einem AED ausgestatteten Betriebe anfahren könnten. Im Ernstfall, in dem jede Minute zählt, wäre das Projekt eine lebensrettende Ergänzung zum Rettungsdienst gewesen.

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Das Projekt, das in dieser Form bundesweit einzigartig sein soll, droht nun jedoch zu scheitern. Kurz gesagt: die AED-Geräte sind in der Anschaffung zu teuer. Dahinter verbirgt sich jedoch ein Angebots-Chaos mit der Björn-Steiger Stiftung. Die Stiftung, die sich verschiedenen Projekten im Bereich der Notfallhilfe widmet, sollte die Mitgliedsbetriebe des Gewerbevereins mit AED ausstatten.

Starke Preisdifferenz zwischen Angebot und Rechnung

25 Geräte sollten für einen Stückpreis von 1000 Euro brutto geliefert werden. Eine Einweisung würde inklusive erfolgen. „Als dann mit den ersten fünf Geräten auch die Rechnung mitgeschickt wurde, waren wir geschockt“, erzählt Hendrik Köster, Geschäftsführer des Gewerbevereins, im Gespräch mit der Redaktion. Plötzlich sollten die AED knapp 1800 Euro brutto kosten, was einer Verdopplung des ursprünglichen Angebotes nahekommt.

Jegliche Erklärungen seitens der Stiftung seien ausgeblieben, so Köster. Trotz der Konfrontation mit dem schriftlichen Angebot, das den deutlich günstigeren Preis versprach. „Im Telefongespräch konnte die Stiftung nicht erklären, warum sich das Angebot fast verdoppelt hat“, erzählt Köster. „Es war nur die Rede von Kommunikations- oder Rechenfehlern.“

Öffentlich zugängliche AED-Geräte sind einfach zu handhaben, damit auch Laien sie benutzen können.

Öffentlich zugängliche AED-Geräte sind einfach zu handhaben, damit auch Laien sie benutzen können. © dpa

Ein Sprecher der Björn-Steiger-Stiftung erklärte auf Anfrage, dass es sich bei dem ersten Angebot lediglich um den Kaufpreis von AED-Geräten handelte. Wartung, Schulungen, Austauschmaterial sowie die Möglichkeit der Kombination mit anderen Projekten seien darin nicht enthalten gewesen. „Sämtliche Betreuung unsererseits wäre in diesem Rahmen nicht dabei“, so der Sprecher weiter. Das habe man auch so kommuniziert.

Die Frage der Finanzierung verhindert die Umsetzung

Dass das nicht stimmt, zeige unter anderem ein Vergleich des schriftlichen Angebotes mit der anschließenden Rechnung, so Hendrik Köster vom Gewerbeverein. Er ist verärgert über die Art und Weise, wie die Stiftung die Preise kommuniziert hat. „Bei so einem Verhalten musste ich einfach von dem Kauf Abstand nehmen.“

Zu dem Ärger über die Preisgestaltung käme die fehlende Möglichkeit der Finanzierung, erklärt Köster. Mehrere Sponsoren sowie eine Bezuschussung von 4000 Euro, die die Bezirksvertretung bewilligt hatte, sollte das insgesamt 25.000 Euro teure Projekt finanzieren. Alles basierte auf dem Angebot der Björn-Steiger-Stiftung.

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Da sich der ursprüngliche Preis nun beinahe verdoppelt hat, fehlt nun das nötige Geld. Die ersten fünf AED-Geräte hat der Gewerbeverein wieder zurückgeschickt. Das Projekt um den Aufbau eines Defibrillator-Netzes im Brackeler Stadtbezirk liegt damit vorerst auf Eis. Ob und wann das Projekt realisiert wird, ist aktuell noch unklar.

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