Letzter Wunsch Derby-Besuch: Für diese zwei Menschen bleibt er unerfüllt

mlzBVB gegen Schalke

Angelika ist 69 Jahre alt, Werner 81. Wahrscheinlich ist das ihr letztes Derby, das Spiel BVB gegen Schalke live im Stadion zu sehen, war ihr letzter Wunsch. Der bleibt beiden nun verwehrt.

Dortmund

, 15.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was wünscht sich ein Mensch, wenn er weiß, dass er bald sterben wird? Die einen wollen noch einmal das Meer sehen, zu ihrer letzten Familienfeier oder ins Stadion zum Spiel des Lieblingsklubs. Das wollten auch die 69-jährige Angelika und der 81-Jährige Werner*. Das Derby sollte ihr letztes Spiel werden.

Doch die Absage des Derbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke im März und das nun angesetzte Geisterspiel am Samstag (16.5.) machten diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

Der Regionalverband Ruhr des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) erfüllt laut Homepage seit 2014 Menschen, „die sich auf der Schlussetappe ihres Lebens befinden, einen letzten Wunsch“.

Ehrenamtliche begleiten die Menschen

Das Projekt nennt sich Wünschewagen. Mit eben jenem speziell umgebauten Krankentransportwagen holen immer ein ehrenamtlicher Rettungssanitäter und eine ehrenamtliche Pflegefachkraft die Menschen ab und bringen sie kostenlos an ihren letzten Wunschort - nicht nur ans Meer oder zum Konzert, sondern auch ins Stadion.

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„Wir bekommen ungefähr 150 Anfragen pro Jahr“, sagt Amelie Hecker, die das Projekt für den ASB koordiniert. Jeder zweite oder dritte Wunsch habe mit Fußball zu tun - und der BVB habe einen besonders großen Anteil.

Der Wünschewagen des ASB bringt Menschen, die nicht mehr lange leben, zu ihrem letzten Wunschziel.

Der Wünschewagen des ASB bringt Menschen, die nicht mehr lange leben, zu ihrem letzten Wunschziel. © Hannibal Hanschke/ASB

Zwei Fahrten hatte der Wünschewagen eigentlich für das Derby geplant. Für Angelika und für Werner. Angelika ist 69 Jahre alt, kommt aus Ostdeutschland und hat eine fortgeschrittene Krebserkrankung. „Sie hätte sich sehr gewünscht an dem Spiel teilzunehmen“, erklärt Hecker. „Die Unterstützung der Ärzte vor Ort hätte sie. Eine Teilnahme ist aber bedingt durch Corona und die Geisterspiele in dieser Form nicht möglich.“

Der BVB war immer hilfsbereit

Hecker habe beim BVB angefragt, ob eine virtuelle Grußbotschaft aus dem Klub möglich wäre. „Vielleicht erreichen wir ja was“, sagt sie. Bislang jedenfalls habe sie die Kollegen der Borussia als überaus hilfsbereit erlebt.

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Im zweiten Fall geht es um den 81-jährigen Werner, der in einem Pflegeheim im Ruhrgebiet lebt. Seine Anfrage kam schon Anfang April. „Die Fahrt stand, das Team war fahrbereit“, sagt Hecker. „Jedoch kam dann die Entscheidung der Geisterspiele, sodass auch diese Fahrt und damit sein Traum nicht erfüllt werden konnte.“

Der Wünschewagen des ASB erfüllt nicht nur schwer erkrankten Menschen ihren letzten Wunsch, sondern „Menschen auf der Schlussetappe“. So habe der ASB laut Hecker einem 100-jährigen ehemaligen Piloten kürzlich noch einen Rundflug ermöglicht.

Und der Wünschewagen hätte auch Angelika und Werner in den Signal Iduna Park bringen wollen. Für die 69-Jährige war es die wohl letzte Chance auf ein Spiel im Stadion. Sie lebt jetzt auf einer Palliativstation.

* Die Vornamen sind der Redaktion bekannt, wurden hier aber geändert.

Corona-Krise

ASB erfüllt letzte Wünsche auch digital

  • So sei laut Amelie Hecker auch ein virtueller Besuch im Zoo möglich: Mitarbeiter können mit einem Smartphone durch den Zoo gehen, während derjenige, der sich den Besuch gewünscht hat, zuhause mit einer Virtual-Reality-Brille digital mitgehen kann.
  • Wer den Wünschewagen in Anspruch nehmen möchte, kann sich bei Amelie Hecker unter Tel. 0201-8700121 oder wuenschewagen@asb-ruhr.info melden.
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