Literarisches bei Poesie im Puff

Club Escort

Der Mann im feinen Zwirn schleicht durch den Hof. Mal sehen, was im Escort abgeht, vor seinen Verpflichtungen im trauten Heim. Und mal sehen, ob er Samstag wieder da ist. Nicht zur Frauenbeschau, sondern zu "Poesie im Puff".

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 01.08.2011, 16:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Literarisches bei Poesie im Puff

Rote Laterne für die Literatur: Im Club Escort gibt es Poesie im Puff.

Die Prostituiertenhilfe profitiert vom vollen Bordell am Samstag, denn der Reinerlös dieses Gedicht-Abends der ganz besonderen Prägung fließt in das Ausstiegs-Projekt für Kinder und Jugendliche aus der Prostitution. 58 Minderjährige wurden letztes Jahr von der Mitternachtsmission betreut. Beim Literarischen Spielplatz am Samstag (6. 8.) sind Männlein wie Weiblein zu erotischer Dichtung eingeladen, zum Stellungswechsel (so nennen die Künstler die Pausen zwischen ihrer Performance), zur Führung durch alle Räume und zum Mitmachen.

Das Publikum beteiligt sich durch den Zuruf von Wörtern oder tippt gleich selbst hausgemachte Poesie in verteilte Schreibmaschinen. Zum Schluss wird ordentlich abgefeiert im Puff mit DJ, scharfen, leckeren Sachen vom Caterer – open End. Für Murat Kayi, dem Gründer der erfolgreichen Dortmunder Leseshow „Guten Tacheles!“, ist es eine „Ehre, dass wir hier im Club Escort auftreten dürfen.“ Er spricht davon, mit „Poesie im Puff“ auch ein Zeichen setzen zu wollen. Einfach den Straßenstrich zu schließen, so Kayi, das sei zu flach gedacht. Er hätte zuletzt immer den Eindruck gehabt, es ginge nur gegen die Prostituierten. Und resümiert treffend: „Ich find‘s einfach geil, das hier zu machen.“ Zu den Kostproben gehören dann Programmpunkte wie „Nackt mit Kleidung“, „Die Zigarette danach“ oder „Automatopornografie“.

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