Luftfahrtbehörde prüft mögliche Irrläufer des Flughafens Dortmund

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Flugzeuge, die nicht dort fliegen, wo sie eigentlich fliegen müssten, sind seit Wochen ein Thema rund um den Flughafen in Dortmund. Inzwischen geht die Aufsichtsbehörde Hinweisen von Anwohnern nach.

Unna

, 20.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch über den Wolken kann die Freiheit nicht grenzenlos sein. Und noch enger vorgegeben sind die Flugwege zwischen Wolkendecke und Piste: 15 Kilometer vor der Landung und zehn Kilometer nach dem Start sollten sich große Verkehrsflieger auf einer Linie mit der Start- und Landebahn des Dortmunder Flughafens bewegen. Ob das wirklich immer der Fall ist, steht zurzeit infrage.

Hinweise von Flughafenanwohnern, die Abweichungen beobachtet haben wollen, häufen sich derzeit. Mehrfach haben Leser unserer Zeitung sehr genaue Beschreibungen an unsere Redaktion gesandt. Der Flughafen selbst hat vor einigen Wochen ebenfalls bestätigt, mehrere solcher Schilderungen zu prüfen. Und auch die Aufsichtsbehörde ist inzwischen mit dem Problem befasst.

Bezirksregierung Münster prüft Meldungen über Abweichungen

„Wir befinden uns inmitten der Prüfung und Ursachenforschung hinsichtlich eingegangener Anfragen zu möglichen Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen von Abflügen vom Flughafen Dortmund aus“, bestätigt Marco Del Nero von der Bezirksregierung in Münster. Sie ist die zuständige Landesluftfahrtbehörde für die Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster, damit auch für den Flughafen in Dortmund.

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Die Behörde in Münster ist die zuständige Stelle für die Betriebsgenehmigung des Dortmunder Flughafens. Aktuell befasst sie sich mit dem Antrag auf eine Verlegung der östlichen Landeschwelle um 300 Meter nach Unna. Aber auch für Probleme aus dem laufenden Betrieb ist sie die korrekte Adresse.

Radarspuren sollen Aufschluss geben

Offenkundig haben sich mehrere Anwohner mit ihren Schilderungen auch an die Behörde gewandt. Sie verfolgt zur Prüfung nun ähnliche Schritte, wie sie der Flughafen bereits eingeleitet hat: Die Bezirksregierung Münster sei an die Deutsche Flugsicherung (DFS) herangetreten, die für die Verkehrslenkung und Führung aller Flüge „zuständig und verantwortlich“ ist, so Marco Del Nero. Die DFS überwacht den Luftraum in Deutschland und zeichnet dabei Radarspuren auf, mit denen sich auch im Nachhinein klären lässt, auf welchen Routen Flugzeuge unterwegs waren.

So ist es richtig: Im Landeanflug und nach dem Start geht es für die großen Passagierflieger geradeaus. Schwenks über den Wohngebieten sollten in Normalfall unterbleiben. Die Radarspuren – hier in einer öffentlichen Quelle auf der Internetseite flightradar24.com – sollen Aufschluss darüber geben, ob Piloten von den Vorgaben abgewichen sind.

So ist es richtig: Im Landeanflug und nach dem Start geht es für die großen Passagierflieger geradeaus. Schwenks über den Wohngebieten sollten in Normalfall unterbleiben. Die Radarspuren – hier in einer öffentlichen Quelle auf der Internetseite flightradar24.com – sollen Aufschluss darüber geben, ob Piloten von den Vorgaben abgewichen sind. © flightradar24.com

Anhand dieser Spuren ließe sich im Einzelfall nachweisen, ob sich ein Flugzeug zu spät auf die Anfluglinie zum Flughafen begeben hat oder nach einem Start zu früh den Kurs in Richtung Flugziel genommen hat. Danach könnte die jeweilige Fluggesellschaft dazu angehört werden, warum ihr Pilot das gemacht hat.

Abwege über ungeschützte Häuser

Das Problem ist durchaus brisant. Denn die Betriebsgenehmigung des Flughafens ist an die Bedingung geknüpft, dass Bewohner in den Überflugbereichen durch technische Maßnahmen geschützt werden. So musste der Flughafen zum Beispiel den Einbau von Schallschutzfenstern oder zusätzliche Verklammerungen von Dachpfannen zum Schutz vor Wirbelschleppen finanzieren. Wer worauf Anspruch hat, ist genau vorgegeben worden – beruhend auf der Annahme, dass Flugzeuge ihren vorgegebenen Weg auch einhalten.

Die Hauptachse des Lärms ist eine Linie in Verlängerung der Start- und Landebahn, die auf einer Kompassskala in die Richtungen 60 beziehungsweise 240 Grad zeigt. Vor Landungen mit Anflug über Unna schwenken Flugzeuge etwa bei Bönen-Flierich auf diese Linie ein. Bei Starts nach Nordost-zu-Ost sollten Flugzeuge bis Nordlünern geradeaus fliegen, um dann Kurs auf ihr Reiseziel zu setzen.

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