Was kann ein mobiler Luftfilter leisten? Reicht er alleine aus? Das Ergebnis der Fachleute fällt eindeutig aus. © picture alliance/dpa/-
Corona-Schutz

Luftfilter für Dortmunds Schulen? Experte rät ab – Stadt sagt: „Nein!“

Kann man verhindern, dass Schulkinder im Winter in kalten Klassenzimmern sitzen? Klappt es mit mobilen Luftfiltern statt aufgerissener Fenster? Warum ein Experte und die Stadt die Geräte ablehnen.

Im Prinzip sei es wie mit einem Ventilator, erklärt Stefan Voß – nur eben umgekehrt. Ein mobiler Luftfilter verwirbelt die Luft nicht, aber er saugt sie an, jagt sie im Inneren durch die einzelnen Filter und schleudert dann die gesäuberte Luft auf der anderen Seite wieder in den Raum hinaus.

Ein solches Prinzip wünschen sich viele Eltern von Schülern in Dortmund. Ihre Hoffnung: Mit diesen Geräten in den Klassenzimmern ließe sich das häufige Lüften vermeiden – was besonders im kalten Winter schön wäre. Einige Eltern wären sogar bereit, die Luftfilter zu spenden.

Wartung teuer und kompliziert – Stadt sagt nein

Die Stadt sagt zu alledem: nein. Der Nutzen sei zu gering. Zudem entstünden Folgekosten durch die Wartung. Und generell sei die Wartung kompliziert, darum dürften sich nur Fachleute kümmern. Stefan Voß ist Experte in diesem Bereich – nicht für Schulen zwar, wie er betont.

Aber für die Thematik an sich schon. Voß sitzt bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin – nicht in der Zentrale in Dortmund, sondern in Dresden. Und in weiten Teilen stützt er die Argumentation der Stadt Dortmund.

Ministerium setzt auf freies Lüften

Voß verweist auf ein Info-Heft des Bundesarbeitsministeriums. Eine der ersten Überschriften lautet: „Ohne Außenluft geht es nicht!“ Es gehe doch darum, die Luft im Raum möglichst gut und schnell auszutauschen – nicht nur, um für weniger CO2 und mehr Sauerstoff zu sorgen, sondern eben auch um eine potenzielle Virenlast so gering wie möglich zu halten.

„Bei freier Lüftung haben Sie einen ausreichenden Luftwechsel“, unterstreicht Voß: „Dann ist die Infektionswahrscheinlichkeit sehr gering.“ Würde man über Mobile Luftfilter solch „extrem hohe Luftwechsel-Raten“ erzeugen wollen, müsse man schon mit vielen Geräten arbeiten. Und sich wieder den Ventilator vorstellen.

Luftfilter „auf volle Pulle“ stellen?

Den müsste man für solch einen Zweck ja auch „auf volle Pulle“ stellen – und dann würde es extrem laut im Klassenzimmer. Handele es sich sogar um mehrere Geräte, sei ja weiterhin fraglich, was schwerer wiege – Infektionsschutz an sich oder die Atmosphäre im Unterricht. Doch zurück zur Empfehlung des Bundesarbeitsministeriums.

Dort heißt es – wenn auch in erster Linie für die Arbeitswelt: Mobile Luftfilter könnten ergänzend eingesetzt werden. Etwa dort, ergänzt Voß, wo ein ordentliches Lüften nicht möglich sein. Weil Fenster sich nur kippen ließen oder weil Schächte für die Frischluft-Zufuhr zu klein seien.

Im Gerät kann sich Schimmel bilden

Was aus Voß‘ Sicht abgesehen vom Lärm gegen mobile Luftfilter spricht:

Durch den Luftfilter nimmt die Feuchtigkeit im Raum ab. Sie sammelt sich im Gerät. „Da können Sie die Bildung von Mikroorganismen oder Schimmel haben“, verdeutlicht Voß: „Dann muss man sich viele Gedanken über Wartung und Instandhaltung machen.“

Ein kontaminierter Filter müsse dementsprechend fachgerecht gewechselt werden. Dass das der Lehrer nebenbei machen könne – da ist der Fachmann vom Bundesamt skeptisch. Ebenso wie die Stadt Dortmund – siehe oben.

Die stellt zudem klar: „Mobile Luftreinigungsgeräte dürfen das regelmäßige Durchlüften des Raumes aber nicht ersetzen. Aus diesem Grund hat das Land NRW auf einen flächendeckenden Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten in Klassenzimmern ausdrücklich verzichtet und keine Förderung von Geräten in diesen Räumen ermöglicht.“

Anders sehe es mit anderen Anlagen aus.

Hinweis zum Lüften in den Klassenzimmern

Sowohl die Stadt als auch der Experte von der Bundesanstalt weisen auf raumlufttechnische Anlagen hin, also fest im Gebäude verbaute Schächte und Rohre. Die allerdings nur bei Neubauten oder großen Sanierungen in die Schulen kämen. Und der allergrößte Rest der Schulen? Für die hat Voß immerhin einen Hinweis.

„Es gab nie eine Anweisung zum dauerhaften Lüften ohne Pause.“ Intervalle reichten völlig aus. Was besonders bei Dauerregen im Herbst oder Minusgraden im Winter sehr wichtig werden könnte.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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