Lustreise: Betriebsräte verlieren Job

DORTMUND Die beiden in Ungnade gefallenen Betriebsräte der Städtischen Seniorenheime sind über die Sado-Maso-Affäre gestolpert. Beide verlieren ihren Job zum 31. Januar.

von Ruhr Nachrichten

, 09.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Zufrieden mit dem Urteil: Die Vertreter der Seniorenheime.  von Braunschweig</p>

<p>Zufrieden mit dem Urteil: Die Vertreter der Seniorenheime. von Braunschweig</p>

Ein Fax aus Berlin brachte im Gütetermin vor dem Arbeitsgericht die Wende. Hatten der Betriebsratsvorsitzende (52) und seine Stellvertreterin bis dato stets geleugnet, nach dem Motto "Sex statt Fortbildung" öffentliche Gelder verschwendet zu haben, mussten sie nun plötzlich kleine Brötchen backen. Der Veranstalter des angeblich von den beiden Betriebsräten besuchten Seminars teilte nämlich mit: "Ein Seminar in der Zeit vom 15.10. bis 19.10. hat in Rostock nicht stattgefunden."

Damit stehen mehrere unangenehme Wahrheiten fest: Zum einen, dass beide Betriebsräte lange Zeit die Unwahrheit gesagt haben. Zum anderen, dass sie tatsächlich in einer Ferienwohnung mit Sado-Maso-Inventar Urlaub machten, während sie im Betrieb erzählten, sie seien auf einer bezahlten Fortbildungsveranstaltung.

Darüber hinaus behauptet der Veranstalter, er sei von dem 52-Jährigen unter Druck gesetzt worden. In seiner Versicherung an Eides statt heißt es: "Nachhaltig und mit Druck bat mich Herr ..., die Teilnahme am Seminar in Rostock zu bestätigen, verbunden mit dem Hinweis, dass künftig keine weiteren Seminarbuchungen erfolgen würden, wenn er nicht mehr als Betriebsratsvorsitzender zur Verfügung stünde."

In Abwesenheit der betroffenen Betriebsräte - beide sind seit gestern offiziell krank - kam es dann doch noch zu einer Art gütlichen Einigung: Die Arbeitsverträge werden einvernehmlich beendet, wenn die beiden die Reisekosten und den Lohn für die eine Woche zurückzahlen. Beide müssen ihre Ämter sofort niederlegen, der BR-Vorsitzende außerdem aus seiner Wohnung ausziehen. Die gehört nämlich den Seniorenheimen.

Die anwesenden Belegschafts-Mitglieder reagierten zustimmend: Wer so handele, verliere mit Recht seinen Job, hieß es: "Wir müssen für jede zusätzliche Windel auf der Station kämpfen, und da wird das Geld zum Fenster rausgeschmissen. Das ist doch alles nur noch peinlich."

Martin von Braunschweig

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